Swiss kann im ersten Halbjahr Flughöhe trotz Iran-Krieg fast halten
Die Swiss hat im ersten Halbjahr ihre Flughöhe trotz einer Explosion der Treibstoffkosten durch den Iran-Krieg beinahe halten können. Die starke Nachfrage und Sparmassnahmen halfen, die viel höhere Tankrechnung teilweise zu kompensieren. Damit bleibt die Swiss das Paradepferd der Lufthansa-Gruppe.

Insgesamt stieg bei der Schweizer Fluggesellschaft der Umsatz in den ersten sechs Monaten 2026 um 3,2 Prozent auf 2,77 Milliarden Franken, wie die Swiss am Dienstag bekannt gab. Dagegen fiel der Betriebsgewinn der Lufthansa-Tochter um 3,0 Prozent auf 189,3 Millionen.
Die steil gestiegenen Treibstoffkosten schlugen im Frühling massiv auf die Rechnung durch. «In den Monaten April bis Juni belief sich der Anstieg der Treibstoffkosten auf rund 50 Prozent», erklärte Finanzchef Dennis Weber in einem Communiqué. Treibstoff sei die grösste einzelne Kostenposition.
Dabei haben die Absicherungsgeschäfte der Lufthansa-Gruppe, die rund 80 Prozent ihres Treibstoffbedarfs mehrere Monate im Voraus absichert, eine noch grössere Belastung gebremst. Denn während bei der Swiss die Kerosinkosten im zweiten Quartal um 50 Prozent gestiegen seien, sei der Kerosinpreis rund doppelt so hoch gewesen wie vor einem Jahr, sagte der Finanzchef zu Journalisten.
Zusätzlich belasteten weiterhin hohe Wartungskosten das Ergebnis. Dazu trugen zum Beispiel die Triebwerksprobleme bei Teilen der Kurzstreckenflotte bei. Diese führten dazu, dass fast zehn Flugzeuge am Boden stünden, sagte Weber.
Dagegen würden die schon vor dem Iran-Krieg eingeleiteten Spar- und Effizienzmassnahmen bereits Wirkung zeigen und die hohen Kerosinpreise zumindest teilweise kompensieren. «Ohne sie wäre der Ergebnisrückgang stärker ausgefallen», sagte Weber.
Denn die Nachfrage sei stark und die Durchschnittserlöse pro Passagier seien grösser ausgefallen. Besonders die Business- und die Erste Klasse auf der Langstrecke seien stark gebucht gewesen. Trotz eines geringeren Angebots an Sitzplätzen konnte die Swiss etwas mehr Personen befördern als im Vorjahr. Dadurch waren die Flugzeuge besser ausgelastet.
Zu Beginn des zweiten Quartals profitierte die Swiss vom Ausfall der Konkurrenzairlines vom Persischen Golf, die wegen des Iran-Kriegs ihren Betrieb zeitweise fast komplett einstellen mussten. Viele Passagiere hätten deshalb direkt nach Asien fliegen wollen, ohne Umstieg auf den Drehkreuzen in Dubai oder Abu Dhabi. Dies hat bei der Swiss die Nachfrage und gleichzeitig auch die Ticketpreise nach oben getrieben.
Zudem hat das Frachtgeschäft zugelegt, weil Unternehmen wegen geschlossener Schiffspassagen wie der Strasse von Hormus ihre Waren per Flugzeug verschicken wollten.
Dennoch waren die starke Nachfrage und die strikte Kostendisziplin nicht genug, um die Auswirkungen der hohen Treibstoffpreise zu kompensieren. Aber «wenn man sich umschaut, ist ein positives Ergebnis im ersten Halbjahr keine Selbstverständlichkeit», sagte der Swiss-Finanzchef.
Das war ein Seitenhieb gegen den Mutterkonzern Lufthansa, der tief in die roten Zahlen geflogen ist. Trotz eines Umsatzanstiegs erlitt die Gruppe einen Reinverlust von 542 Millionen Euro nach einem Gewinn von 127 Millionen ein Jahr zuvor.
Die Swiss war die einzige Airline des Konzerns, die Gewinn erzielte. Alle anderen Fluggesellschaften weiteten ihre Defizite massiv aus.
Für die Swiss bleibt 2026 ein Übergangsjahr. Das Ziel, die selbstkontrollierten Kosten – also ohne Treibstoffe – um 10 Prozent zu senken, werde erst Mitte 2027 erreicht, sagte Weber. Dazu will die Schweizer Airline die Zahl der Flugzeuge reduzieren, die sie samt Besatzung von anderen Fluggesellschaften mietet (im Fachjargon «Wetlease» genannt).
Von derzeit 27 Flugzeugen solle die Zahl der angemieteten Maschinen auf rund 20 sinken, sagte Weber. Im Zentrum steht dabei Wetlease-Partner Helvetic Airways. Ob die Air Baltic dann weiter für die Swiss fliegen werde, könne er noch nicht sagen.










