Gericht

    Spionage hat Ikea offenbar jährlich bis 600'000 Euro gekostet

    Michael Bolzli
    Michael Bolzli

    Frankreich,

    Ikea steht wegen eines Spionage-Skandals in Frankreich vor Gericht. Dem Unternehmen droht eine Millionen-Busse und ein Reputationsschaden.

    Ikea vorarlberg
    Das schwedische Möbelhaus Ikea steht in Frankreich vor Gericht. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ehemalige Top-Manager von Ikea Frankreich stehen vor Gericht.
    • Die Staatsanwaltschaft wirft dem Unternehmen illegale Bespitzelung vor.

    Ikea wird in Frankreich der Prozess gemacht. Dem französischen Ableger des Möbelkonzerns wird vorgeworfen, Mitarbeiter und Kunden ausspioniert zu haben. Ikea habe «eine kleine Stasi betrieben», sagt Anwalt Yassine Yakouti, der einen Teil der 74 Zivilkläger vertritt. Der Prozess gegen das Unternehmen dauert bis Anfang April.

    Die Vorwürfe sind 2012 ans Licht gekommen. Damals haben die Satire-Zeitschrift «Canard Enchaîné» und die Internet-Zeitung «Mediapart» über eine systematische Bespitzelung berichtet. Daraufhin haben Gewerkschaften Anzeige erhoben.

    Ikea
    Das Gericht in Versailles behandelt den Spionage-Fall um Ikea Frankreich. - keystone

    Heute stehen ein Dutzend ehemalige Top-Manager des Möbelhauses, ein Detektiv und vier Polizisten vor Gericht. Darunter die früheren Firmenchefs Stefan Vanoverbeke und Jean-Louis Baillot und Ex-Sicherheitschef Jean-Francois Paris.

    Ikea droht eine Millionen-Busse

    Den Angeklagten drohen Haftstrafen bis zu zehn Jahren. Ikea Frankreich muss mit einer Busse von bis 3,7 Millionen Euro rechnen.

    Die Staatsanwaltschaft wirft dem Möbelhaus vor, zwischen 2009 und 2012 ein illegales Bespitzelungssystem betrieben zu haben. Der Fokus liegt auf diesen Jahren, das System soll allerdings bereits lange zuvor etabliert worden sein.

    Jahrelang hat das Unternehmen offenbar private Sicherheitsunternehmen beauftragt, um an Daten über Personal, Bewerber und Kunden zu gelangen. Dazu soll der Sicherheitschef Paris der Detekteien Namen, Geburtsdaten und Sozialversicherungsnummern übermittelt haben. Der Fall betrifft ganz Frankreich.

    France Ikea Spying
    Über 70 Zivilkläger sind am Fall beteiligt. - keystone

    Die Staatsanwaltschaft wirft dem Möbelhaus ebenfalls vor, Polizisten bestochen zu haben. Etwa mit Gutscheinen oder durch die Anstellung von Verwandten. So soll sich Ikea Frankreich Einsicht in vertrauliche Daten verschafft haben.

    Mit Maulwürfen Mitarbeiter ausspioniert

    Gemäss der Staatsanwaltschaft hat Ikea illegal Angaben über Familienverhältnisse, Vermögen, Partei- oder Gewerkschaftsmitgliedschaften und eventuelle Vorstrafen erhalten. Das soll das Unternehmen Frankreich jährlich bis 600'000 Euro gekostet haben. Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe, Ikea-Anwalt Emmanuel Daoud gibt aber «organisatorische Schwächen» zu. Mehrere involvierte Personen wurden nach der Enthüllung 2012 entlassen.

    Dokumente, welche in die Presse gelangt sind, belasten den Konzern schwer. In einem Fall wollten Ikea-Manager wissen, wieso ein Vorzeigemitarbeiter «immer fordernder» geworden sei. Und ob von ihm eine «öko-terroristische Gefahr» ausgehe. In einem anderen Fall wollten die Manager wissen, warum ein Angestellter sich einen «brandneuen» BMW leisten kann.

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    Wie «Le Monde» schreibt, soll Ikea Frankreich auch auf Maulwürfe gesetzt haben. Also Personen, die sich als Mitarbeiter ausgaben, um die Kollegen auszuspionieren.

    Ikea-Anwalt Daoud erklärt an, dass seit 2012 ein Aktionsplan umgesetzt worden sei. Auch das Einstellungsverfahren wurde überarbeitet. «Was auch immer das Gericht entscheidet, das Unternehmen wurde durch den Reputationsschaden bereits hart bestraft.»

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