Presse: Mehrere Lindt-Aktionäre fordern Umbau des Verwaltungsrats
Nach der überraschenden Absetzung von Lindt-&-Sprüngli-Chef Adalbert Lechner fordern mehrere Grossaktionäre auch rasche Veränderungen im Verwaltungsrat. Insbesondere die Machtfülle des 80-jährigen Präsidenten Ernst Tanner steht in der Kritik, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch unter Berufung auf Interviews mit mehreren grossen Aktionären berichtete.

Reuters sprach mit fünf bedeutenden Investoren, darunter drei der 20 grössten Aktionäre. Nur einer verteidigte den bestehenden Verwaltungsrat. «Die Erneuerung darf nicht bei der Geschäftsleitung aufhören», wurde Ingo Speich vom Lindt-Aktionär Deka in der Meldung zitiert. Die derzeitige Machtkonzentration müsse beendet werden.
Auch Ethos-Direktor Vincent Kaufmann sah demnach Handlungsbedarf. Ein CEO-Wechsel allein löse die Probleme bei der Unternehmensführung nicht. Nach Ethos-Kriterien seien lediglich drei der acht Verwaltungsräte unabhängig. Zudem seien die Pensionskassen im Gremium übervertreten.
Ein weiterer Grossaktionär kritisierte, dass sechs der acht Verwaltungsräte mindestens 70 Jahre alt seien. Auch der Verwaltungsrat trage Verantwortung für die verfehlte Preispolitik, hiess es.
Interims-CEO und Vizepräsident Dieter Weisskopf hatte jüngst eine Verjüngung des Verwaltungsrats an den Generalversammlungen 2027 und 2028 angekündigt. Offen liess er dabei, wer das Gremium verlassen soll. Die Altersstruktur werde schrittweise angegangen, sagte Weisskopf.
Tanner selbst hatte einen baldigen Rücktritt zuletzt ausgeschlossen. Er sei überzeugt, einen wesentlichen Beitrag leisten zu können, um Lindt wieder auf Kurs zu bringen, sagte er Ende Oktober der «NZZ am Sonntag». Sobald dies gelungen sei, wolle er sich dem nächsten Lebensabschnitt zuwenden. Allein wegen seines Alters werde er aber nicht zurücktreten.









