Balthasar Glättli (Grüne): «Tagesschule für alle»
Der Stellenzuwachs an Zürcher Tagesschulen sorgt für Kritik. Stadtrat Balthasar Glättli erklärt, warum er notwendig ist.

Nach der Vorstellung des aktuellen Budgets waren sich viele rasch einig: Das Stellenwachstum muss gestoppt werden. Als Schulvorsteher bin ich für den grössten Stellenzuwachs der letzten Jahre verantwortlich. Es ist legitim, genau hinzuschauen.
Wer das tut, erkennt: Das Stellenwachstum hat einen guten Grund. Über 80% der Bevölkerung stimmten 2022 für die flächendeckende Einführung der Tagesschule. Und diese Betreuung der Kinder und Jugendlichen im Lebensraum Schule braucht Menschen.

Das kostet. Ich vermute allerdings: Wenn wir im Schulbereich eine ähnliche Studie machen würden, wie sie vor vielen Jahren die damalige Sozialvorsteherin Monika Stocker im Bereich der Krippen in Auftrag gab, dann würden wir auch bei der Tagesschule erkennen, dass sich jeder in die Tagesschule investierte Franken volkswirtschaftlich mehrfach auszahlt.
Das «Ja» zur Tagesschule war vor allem ein inhaltliches «Ja». Wir wollen, dass Kinder unterschiedlichster Herkunft in der Schule die gleiche Chance auf eine gute Zukunft erhalten. Und dass Familie und Beruf besser vereinbar sind. Beides leistet die Tagesschule.
Schulische Betreuung wird für alle erschwinglicher, und dank der Blockzeiten lassen sich Erwerbsarbeit und Familienzeit besser organisieren.
Die Umstellung zur Tagesschule mittendrin abzubrechen, wäre darum inhaltlich ein Fehler. Und unfair gegenüber jenen Familien, die noch nicht davon profitieren und auf Jahre hinaus im alten Schulmodell gefangen blieben.
Klar ist aber auch: Sind die Tagesschulen 2031 flächendeckend eingeführt, endet der damit verbundene jährliche Stellenzuwachs. Denn die Schüler*innenzahlen bewegen sich aktuell seitwärts. Während sie in einzelnen Quartieren weiterhin steigen, gehen sie in anderen zurück.
Zum Autor
Balthasar Glättli ist Zürcher Grünen-Stadtrat. Er ist Vorsteher des Schul- und Sportdepartements.
Es geht es also nicht um ein grenzenloses Wachstum, sondern um eine politisch gewollte Modernisierung der Schule – aus guten pädagogischen und gesellschaftlichen Gründen.
Hinweis
Dieser Gastbeitrag ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.








