Während der Pandemie gingen weniger Unternehmen insolvent als normal. In Zukunft könnte es aber vermehrt zu Grosspleiten kommen, warnen Volkswirte.
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In den kommenden Jahren ist wieder mit mehr Pleiten zu rechnen, sagt der Kreditversicherer Allianz Trade. - Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Wegen Coronahilfen gab es in den letzten Jahren weniger Insolvenzen als normal.
  • Durch die zahlreichen Krisen dürften Pleiten aber wieder zunehmen.
  • In den kommenden Jahren könnte es aber vermehrt zu Grosspleiten kommen.

Ukraine-Krieg, Lieferprobleme und steigende Preise: Deutsche Unternehmen haben mit etlichen Problemen zu kämpfen. Die unruhige Lage könnte verheerende Folgen haben, sagt der Kreditversicherer Allianz Trade.

Dank staatlicher Hilfen haben deutsche Unternehmen die Coronakrise bislang weitgehend glimpflich überstanden. Nach Einschätzung des Kreditversicherers Allianz Trade muss in den kommenden Jahren mit mehr Grosspleiten gerechnet werden.

Dieser Trend sei eine Folge eines ganzen Bündels von Problemen. Da wäre der Ukraine-Krieg, die Lockdowns in China, unterbrochenen Lieferketten, Lieferengpässen, gestiegenen Arbeitskosten und Preise, insbesondere bei Energie und Rohstoffen. Das heisst es in einer Studie der Allianz-Tochter. Trotz zuletzt sinkender Fallzahlen gibt es nach der Einschätzung zudem bereits seit einigen Jahren einen Trend zu Grosspleiten.

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Fast menschenleere Strassen sind die Folge des Corona-Lockdowns in Shanghai - zum Beispiel im abgesperrten Bezirk Jingan im Westen der Stadt. - Chen Si/AP/dpa

Grosspleiten: «Wenn es kracht, dann richtig»

«Unternehmen sollten sich nicht in falscher Sicherheit wiegen. Wenn es kracht, dann richtig», sagte der Deutschland-Chef von Allianz Trade, Milo Bogaerts. «Insolvenzen in Deutschland sind 2021 zwar zum zwölften Mal in Folge gesunken.

Aber die Verschuldung der insolventen Unternehmen und die Schäden, die dadurch entstanden sind, sind auf ein Rekordniveau gestiegen», so Bogaerts. «Das heisst: Es gab weniger Insolvenzen, dafür aber besonders grosse.»

So sei die Gesamtverschuldung insolventer Unternehmen 2021 das dritte Jahr in Folge um 10,5 Prozent auf 48,1 Milliarden Euro gestiegen. Das ist ein neuer Höchststand seit dem Allzeithoch von 73 Milliarden Euro im Jahr 2009. «Schon zuvor war die Gesamtverschuldung rasant gestiegen: um 25,7 Prozent im Jahr 2019 und um 65,3 Prozent im Jahr 2020.»

Weniger pleitebedrohte Unternehmen

Die Zahl der pleitebedrohten Unternehmen ist nach Einschätzung von Allianz Trade (früher Euler Hermes) gleichwohl gesunken. «Trotz der vielen Herausforderungen sind die Finanzen vieler deutscher Unternehmen aktuell sehr robust und damit auch deren Widerstandsfähigkeit», sagte Bogaerts. «Der Anteil der gefährdeten Unternehmen hat sich 2021 von sieben auf sechs Prozent reduziert und staatliche Unterstützungsmassnahmen laufen weiter.»

Daher rechnen die Volkswirte im laufenden Jahr mit einem moderaten Anstieg der Firmeninsolvenzen um 4 Prozent auf rund 14'600. Im kommenden Jahr erwarten sie allerdings eine Zunahme 10 Prozent auf dann 16'130. «Dennoch dürften die Fallzahlen auch Ende 2023 noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau liegen.»

Im Zusammenhang mit Coronahilfen sprechen sie auch von einem «künstlich niedrigen Niveau», einer Abkopplung des Insolvenzgeschehens von der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung. Neben verschiedenen finanziellen Stützen gab es während der Pandemie auch Sonderregeln bei der Insolvenzantragspflicht, die eine Pleitewelle verhindern sollten.

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