Der europäische Neuwagenmarkt bleibt auch im Februar auf einem Rekordtief. Die strapaziere Lieferkette aufgrund des Ukraine-Kriegs belastet die Industrie.
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Autoproduktion in Dresden. - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Auch im Februar bleibt der europäische Neuwagenmarkt auf einem Rekordtief.
  • Eine Trendwende ist gemäss dem Herstellerverband Acea nicht in Sicht.
  • Neue Lieferengpässe wegen des Ukraine-Kriegs legen die Produktion lahm.

Auf dem Neuwagenmarkt in Europa ist vorerst keine Trendwende in Sicht: Mit rund 719'500 Fahrzeugen wurden im vergangenen Monat so wenige Neuwagen in der EU zugelassen wie noch nie. Das teilte der europäische Herstellerverband Acea am Donnerstag mit.

Im Vergleich zum ohnehin schon schwachen Vorjahresmonat Februar 2021 betrug der Rückgang 6,7 Prozent.

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Die Autobauer weltweit haben im ersten Halbjahr 2021 trotz Chipmangels, eingeschränkter Lieferkette und Coronakrise Rekordgewinne eingefahren. Im Bild bauen Arbeiter in der Fabrik von VW in Dresden die Karosserie und den Antriebsstrang eines VW ID.3 zusammen. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/DPA-Zentralbild/SEBASTIAN KAHNERT

Die Hersteller seien weiterhin mit Unterbrechungen der Lieferkette konfrontiert, erklärte der Verband. Auch der Januar hatte mit knapp 683'000 Fahrzeugen bereits ein Rekordtief für den Monat markiert. Im Gesamtjahr 2021 hatten Engpässe vor allem bei Mikrochips bereits zu einem deutlichen Einbruch auf dem EU-Neuwagenmarkt geführt. Die Zahl der Neuzulassungen sank mit 9,7 Millionen Fahrzeugen auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Statistik im Jahr 1990.

Die Unternehmensberatung EY geht davon aus, dass eine Erholung der Lieferkette noch auf sich warten lässt. «Im Februar waren es vor allem fehlende Halbleiter, die zu erheblichen Einschränkungen in der Neuwagenproduktion führten», erklärte Automobilmarktexperte Peter Fuss. «Seit Ende Februar hat sich die Situation nochmal massiv verschärft.»

Strapaziere Lieferkette legt Produktion lahm

Neue Engpässe in der Lieferkette bei wichtigen Zulieferprodukten führten zu Produktionsstillstand, erklärte Fuss. Die Branche arbeite «mit Hochdruck daran, fehlende Bauelemente und Rohstoffe aus der Ukraine und Russland durch andere Bezugsquellen zu ersetzen.» Auch versuche man die Produktion an anderen Standorten hochzufahren.

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Ein Güterzug mit Neuwagen fährt über die Marienbrücke in Dresden. Foto: Robert Michael/dpa - dpa-infocom GmbH

Dies brauche allerdings Zeit. «Für die Kunden heisst das: Die Verfügbarkeit von Neuwagen wird sich weiter verschlechtern. Die Lieferzeiten werden noch länger, die Preise gehen vermutlich weiter in die Höhe.»

Zunehmend könnten sich nach Einschätzung von Fuss in den kommenden Wochen aber auch Probleme auf der Nachfrageseite ergeben. «Die steigende Inflation, dementsprechend sinkende Reallöhne und rekordhohe Spritpreise dürften sich dämpfend auf die Nachfrage nach Neuwagen auswirken.»

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