Die Schweizer Volkswirtschaft hat im ersten Quartal 2022 erneut einen hohen Leistungsbilanz-Überschuss erzielt. Vor allem der hohe Einnahmenüberschuss im Aussenhandel trug zum erneut guten Ergebnis bei.
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Die Schweizerische Nationalbank in Bern. (Symbolbild) - Keystone

Von Januar bis März 2022 hat die Schweiz 19,1 Milliarden Franken mehr eingenommen als ausgegeben, wie die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Mittwoch bekanntgab. Der grösste Teil stammt aus dem Warenhandel, der einen Überschuss von über 27 Milliarden Franken erzielte. Bei anderen Segmenten gab es derweil Ausgabenüberschüsse.

In der Leistungsbilanz werden alle Einnahmen und Ausgaben einer Volkswirtschaft erfasst, wobei neben dem Warenhandel auch der Handel mit Dienstleistungen (Tourismus etc.), Arbeits- und Kapitaleinkommen sowie laufende Übertragungen dazu gezählt werden. Ein hoher Überschuss gilt als Zeichen der Stärke einer Volkswirtschaft.

In den vorangegangenen Quartalen hatte sich der sogenannte Leitungsbilanz-Überschuss auf ebenfalls hohem Niveau bewegt: Im Schlussquartal 2021 waren es 14,3 Milliarden Franken, im dritten Quartal 2021 gar 24,3 Milliarden Franken gewesen.

Im Vergleich zum Vorjahr war der Überschuss im Startquartal 2022 um 4 Milliarden höher. Die Gründe waren laut SNB massiv höhere Einnahmen im Transithandel sowie tiefere Ausgaben im Handel mit Gold, beim klassischen Warenhandel sank der Einnahmenüberschuss dagegen. Beim Transithandel handelt es sich vor allem um Rohstoffe, die zwar über die Schweiz gehandelt werden, aber die Schweiz sonst nicht tangieren.

Die SNB informierte auch über die Entwicklungen in der Kapitalbilanz - also über jene Geldströme, welche über die Grenze gehen. Dort resultierten im ersten Quartal 2022 sowohl auf der Aktiv- als auch auf der Passivseite Nettozugänge von 23 Milliarden bzw. 20 Milliarden Franken.

Auf der Aktivseite hätten vor allem die Portfolioinvestitionen dazu beigetragen, da Investoren im Inland mehr Dividendenpapiere und Schuldtitel ausländischer Emittenten erworben als verkauft hätten, heisst es bei der SNB. Das machte beim Nettozugang der Kapitalbilanz 18 Milliarden Franken aus.

Auf der Passivseite waren neben den Direktinvestitionen vor allem die «Übrigen Investitionen» für den Nettozugang bestimmend. Dabei erhöhten etwa die Geschäftsbanken im Inland ihre Verpflichtungen sowohl gegenüber Kunden als auch gegenüber Banken im Ausland, was sich mit 27 Milliarden Franken auswirkte.

Bei den Portfolioinvestitionen registrierte die SNB derweil einen Nettoabbau von Passiven von 24 Milliarden Franken, da Investoren im Ausland per Saldo Wertschriften, insbesondere Aktien inländischer Emittenten, veräusserten.

Das Nettoauslandvermögen sank im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 23 Milliarden auf 652 Milliarden Franken. Dabei fiel der Bestand der Aktiven um 50 Milliarden auf 5541 Milliarden Franken und derjenige der Passiven um 27 Milliarden auf 4889 Milliarden Franken, wie es heisst.

Der Rückgang der Bestände sei sowohl auf der Aktiv- als auch auf der Passivseite auf hohe preisbedingte Bewertungsverluste, namentlich bei Aktien und Obligationen, zurückzuführen, erklärte die SNB.

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