Lastminute-Chef sieht KI als Chance und nicht als Bedrohung
Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Reisesuche grundlegend. Wenn Nutzer ihre Ferien künftig direkt per Chatbot planen, statt über Google auf Reisewebsites zu gelangen, könnte das Online-Reisebüros wie Lastminute vermeintlich unter Druck setzen.

Lastminute-Chef Alessandro Petazzi ortet in der Entwicklung jedoch mehr Potenzial als Gefahren. Er gehe davon aus, dass KI vor allem die «Inspirationsphase» einer reisewilligen Person verändert. Die eigentliche Buchung und Abwicklung bleibe dagegen bei spezialisierten Anbietern wie Lastminute, sagte dieser am Donnerstag nach Vorlage der Jahreszahlen.
Eine neue technische Schnittstelle – von Petazzi als eine Art «Universal-Stecker» beschrieben – soll es KI-Systemen wie ChatGPT oder Gemini demnächst ermöglichen, direkt auf Echtzeitpreise und Verfügbarkeiten von Lastminute zuzugreifen. So werde man «in wenigen Wochen» auch auf ChatGPT präsent sein.
«Und selbst wenn KI-Systeme technisch Angebote zusammenstellen können, stellt sich die Frage, wer die Reise tatsächlich verkauft und dafür die Verantwortung trägt», so der CEO weiter. Genau hier kämen lizenzierte Online-Reiseanbieter ins Spiel.
Dynamische Pauschalreisen, bei denen Flug, Hotel und Zusatzangebote in Echtzeit angepasst werden können, basierten auf zahlreichen Verträgen mit Airlines und Hotels sowie auf nicht öffentlichen Paketpreisen, betonte Petazzi. Diese dürften nur im Rahmen eines Gesamtangebots genutzt werden.
Zudem trügen Veranstalter in Europa umfangreiche Haftungspflichten – etwa bei Flugausfällen, Umbuchungen oder Rückerstattungen. «Es ist nicht das Geschäftsmodell von Google oder OpenAI, sich um Rückerstattungen oder Kundenservice zu kümmern», sagte Petazzi.
Gerade die «dynamischen Ferienpakete» verhalfen Lastminute im Geschäftsjahr 2025 zu einem Umsatzwachstum um rund 15 Prozent auf 361 Millionen Euro im Vergleich zu 2024. Der Umbau der Firma mit einem Fokus auf profitablere Bereiche hat den Reingewinn aber um rund ein Viertel auf 11,6 Millionen Euro gedrückt. So wurde etwa das Kreuzfahrtgeschäft eingestellt.






