Kleben, tauschen, spekulieren: Panini-Fussballbilder sind zurück

Keystone-SDA
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Zürich,

Nach dem umstrittenen EM-Stickeralbum von Topps 2024 ist der italienische Sticker-Pionier Panini bei der Fussball-WM 2026 wieder am Zuge. Die Schweiz kriegt dabei ihren eigenen «Swiss Finish»: eine für den Schweizer Markt angepasste Sonderedition.

Panini WM 2026
Kommt es auch für die WM 2026 zum Panini-Sammelfieber? - keystone

Ab Donnerstag liegen sie wieder griffbereit neben der Kasse: die kleinen silbrigen Tütchen mit dem Panini-Logo. 1,50 Franken das Stück, sieben Sticker pro Packung – zwei mehr als bisher üblich. Das Album zur Fussball-Weltmeisterschaft 2026 – erstmals ausgetragen in drei Ländern gleichzeitig – kostet knapp 5 Franken.

Und: Der Sammler bekommt diesmal wieder eine sehr breite Abdeckung der internationalen Stars. Die ist bei Panini-WM-Alben traditionell sehr hoch – das war zuletzt keine Selbstverständlichkeit.

Zur Europameisterschaft 2024 in Deutschland erlebte die Sammelwelt eine Zäsur. Nach 42 Jahren Partnerschaft verlor Panini die Uefa-Lizenz für die Europameisterschaften an den amerikanischen Konkurrenten Topps.

Das Ergebnis fiel gemischt aus. Im EM-2024-Stickeralbum von Topps waren unter anderem Stars wie Kylian Mbappé, Manuel Neuer und Phil Foden nicht enthalten – unter anderem wegen Lizenzproblemen.

Und die Bildrechte für Schlüsselnationen wie Deutschland, Italien, England und Frankreich lagen ebenfalls weiterhin bei Panini. Das zwang Topps zu einer Notlösung: Statt Verbandswappen gab es Nationalflaggen, Spieler wurden ohne Trikot abgebildet.

Es war ein Lizenzstreit, der auch die Sammelwelt aufgewühlt hat. Panini-Schweiz-Chef Ezio Bassi berichtete in Zeitungsinterviews von zahlreichen Rückmeldungen enttäuschter Sammler, die sich Panini zurückwünschten. In der Schweiz beobachtete Valora an seinen Kiosken schwächere Verkäufe als bei früheren Panini-Turnieren.

Hinter dem Kindervergnügen steckt ein Milliardengeschäft. Seit Mexiko 1970 produziert Panini das offizielle WM-Sammelalbum, lizenziert direkt von der Fifa. Konkurrenz gibt es dort keine.

Und das Geschäft ist lukrativ: Im WM-Jahr 2018 erzielte Panini einen Jahresumsatz von 1,4 Milliarden Dollar – alleine die WM liess den Wert gegenüber dem Vorjahr auf das Doppelte anschwellen.

Die «Winter-WM» in Katar im Jahr 2022 soll den Italienern hingegen weniger eingebracht haben. Die Erwartungen wurden wegen des späten Zeitpunkts des Turniers «nach unten angepasst», liess das Management seinerzeit verlauten.

Nun findet die WM wieder zur «richtigen» Jahreszeit statt. 2026 könnte daher für Panini wieder ein besseres Jahr werden. Zumal das Turnier von 32 auf 48 Teams wächst, was sich direkt im Sammelprodukt niederschlägt: Gegenüber der WM 2022 mit 682 Stickern umfasst die Kollektion diesmal 980 Exemplare.

Für Sammler bedeutet das mehr benötigte Päckchen, für Panini entsprechend höhere Umsätze.

Gleichzeitig findet die WM in den USA, Kanada und Mexiko statt und damit in einem Markt mit besonders hoher Kaufkraft und grosser kommerzieller Durchdringung. Vor allem der US-Markt gilt als Wachstumstreiber, da Sammelkarten und Fanartikel dort traditionell stark nachgefragt sind.

Was international als Standard gilt, kommt in der Schweiz veredelt an. Panini Suisse lanciert zur WM 2026 eine Sonderedition namens «United Edition» mit einem angepassten Design. Die Mannschaftswappen erscheinen auf goldglänzendem Hintergrund, das Papier ist dicker als in der internationalen Version, das Cover metallisiert.

Den Schweizer Nationalspieler Dan Ndoye hat Panini als Gesicht der lokalen Kampagne gewonnen. Für Ndoye, der in diesem Sommer seine erste WM erlebt, passt das Timing: «It All Starts With Panini» heisst die globale Kampagne.

Auch im Zeitalter von TikTok und Gaming-Apps kommt das physische Sticker-Album nicht aus der Mode. Dabei hat Panini selbst schon längst auch digital nachgezogen. Die offizielle App – Fifa Panini Collection, gesponsert von Coca-Cola – bildet das Sammelerlebnis vollständig nach: Päckchen öffnen, Duplikate mit Nutzern weltweit tauschen, Dream-Team zusammenstellen.

Das Papieralbum stirbt trotzdem nicht. Im Gegenteil. Marktbeobachter sehen im anhaltenden Boom des physischen Produkts ein breiteres kulturelles Phänomen: Vinyl statt Streaming, Sofortbildkamera statt Smartphone. Ein vollgeklebtes WM-Album ist ein Artefakt, das man in zwanzig Jahren noch anfassen kann – und das keine Server-Abschaltung bedroht.

Was als Kindervergnügen beginnt, endet mitunter auf einer Auktionsplattform. Sticker von Lionel Messi, Kylian Mbappé oder seltene Varianten der drei Gastgebernationen erzielen auf Ricardo oder eBay teils beachtliche Preise. Limitierte Auflagen, Druckfehler oder Glanzversionen können noch mehr einbringen.

In Sammler-Gruppen werden Preislisten geführt, Doppelte gehandelt und Investitionen kalkuliert – mit einer Ernsthaftigkeit, die an Briefmarkenbörsen erinnert. Das Sticker-Album ist eben nicht nur Nostalgie. Es ist auch ein Markt.

Kommentare

User #1197 (nicht angemeldet)

swiss finish.. auf gut deutsch.. so gemacht , dass wir wieder einmal nicht günstig im Ausland einkaufen können.

User #1089 (nicht angemeldet)

CHF 1.50 für 7 Bildli. Für 980 Bildli wären das 210 Franken. Das wird aber bei weitem nicht reichen, da viele Bilder doppelt und dreifach vorhanden sein werden und einige Stars wieder künstlich verknappt werden. Sackgeld ade ...

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