Kanada steht im Zentrum des neuen Zollstreits
Kanada steht wegen drohender US-Zölle unter Druck, während die Autoindustrie betroffen ist und Europa über engere Partnerschaften nachdenkt.

Die USA wollen die Zölle auf kanadische Autoimporte ab Januar 2027 auf 50 Prozent verdoppeln und erhöhen damit den Druck. Betroffen sind vor allem Unternehmen mit Produktionsstandorten, deren Fahrzeuge für den wichtigen US-Markt bestimmt sind.
Laut «n-tv» produzieren Toyota und Honda zusammen mehr als drei Viertel der jährlich dort gefertigten Fahrzeuge. Rund 427'000 Arbeitsplätze hängen insgesamt von der kanadischen Automobilindustrie ab, wodurch die geplanten Zölle erhebliche wirtschaftliche Folgen haben könnten.
Toyota und Honda geraten zusätzlich unter Druck, weil sie international bereits mit günstigen chinesischen Elektrofahrzeugen konkurrieren müssen. Für Toyota stammen 17 Prozent der US-Verkäufe aus kanadischer Produktion, bei Honda beträgt dieser Anteil fast ein Viertel.
Kanada sucht neue Partner
Der Handelskonflikt betrifft jedoch nicht nur Unternehmen, sondern verändert auch die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Kanada, den USA und Europa. Die starke Abhängigkeit vom US-Markt erhöht den Druck, alternative Handelspartner und neue wirtschaftliche Absatzmöglichkeiten zu erschliessen.
«Finanz und Wirtschaft» sieht deshalb für die EU eine Möglichkeit, Kanada eine umfassendere wirtschaftliche und strategische Partnerschaft anzubieten. Im Mittelpunkt könnten ein erleichterter Handel sowie eine engere Zusammenarbeit bei Energie, kritischen Rohstoffen und Sicherheit in der Arktis stehen.
Kanada könnte Europa zudem bei Flüssigerdgas und seltenen Erden neue Bezugsquellen eröffnen und damit wirtschaftliche Abhängigkeiten verringern. Gemeinsam könnten sie zudem ihre Position gegenüber grossen Wirtschaftsmächten stärken und zusätzliche Verhandlungsmöglichkeiten schaffen.
General Motors hält an Kanada fest
Während Toyota und Honda wegen der drohenden Zölle ihre Produktionsstrategien überprüfen müssen, setzt General Motors weiterhin auf Kanada. Die Gewerkschaft Unifor stimmte einem neuen Tarifvertrag zu und machte damit Investitionen von mehr als einer Milliarde kanadischen Dollar möglich.

Laut «Manager Magazin» fliessen 144 Millionen kanadische Dollar (ca. 84 Mio. Franken) in die nächste GMC-Sierra-Generation. 691 Millionen kanadische Dollar sind für die Produktion neuer V8-Motoren in Ontario vorgesehen, während ein weiteres Werk vorerst erhalten bleibt.
Die Vereinbarung sieht zudem jährliche Lohnerhöhungen von drei Prozent über drei Jahre sowie Verbesserungen bei Löhnen und Arbeitsplatzsicherheit vor. Damit bleibt Kanada trotz des Handelskonflikts ein wichtiger Produktionsstandort für GM und ein zentraler Teil seiner nordamerikanischen Fertigungsstrategie.












