Indien und EU schliessen historischen Handelsdeal – wer profitiert?
Das Abkommen zwischen Indien und der EU soll Wachstum und Jobs fördern, ist aber angesichts der US-Handelspolitik und Chinas Einfluss geopolitisch bedeutsam.

Indien und die EU haben am Dienstag in Neu-Delhi ein umfassendes Freihandelsabkommen abgeschlossen. «Die EU und Indien schreiben heute Geschichte», sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Neu-Delhi laut «Deutschlandfunk».
Das Abkommen nannte von der Leyen «Mutter aller Deals», wie «Die Neue Zürcher Zeitung» berichtet. Nach Angaben der Europäischen Kommission wurde damit die grösste Freihandelszone der Welt geschaffen.
Mit dem Abkommen sollen Wachstum und Arbeitsplätze gefördert sowie unerwünschte Abhängigkeiten von anderen Ländern reduziert werden. Die aggressive US-Handelspolitik und Chinas zunehmender Einfluss verleihen dem Abkommen besondere geopolitische Bedeutung.
Indien senkt Zölle wie nie zuvor – Vorteil für die EU
Indien gewährt der EU beispiellose Zollsenkungen, die kein anderer Handelspartner erhielt. Autozölle sinken schrittweise von 110 Prozent auf 10 Prozent, berichtet das «ZDF».
Die EU-Warenausfuhren nach Indien sollen bis 2032 verdoppelt werden. Zölle auf 96,6 Prozent der EU-Exporte nach Indien werden abgeschafft oder gesenkt, meldet die Europäische Kommission.
Jährlich sparen EU-Unternehmen durch das Abkommen rund vier Milliarden Euro an Zöllen. Besonders profitieren sollen der Maschinenbau, die Chemieindustrie und der Automobilsektor, berichtet das «ZDF».
Strategische Bedeutung für Europa
Das Abkommen ist mehr als ein Handelsdeal, es ist ein geopolitisches Signal. Die EU will Abhängigkeiten von China reduzieren und sich breiter aufstellen, schreibt der «ORF».

Sensible europäische Agrarsektoren wie Rindfleisch, Geflügel, Reis und Zucker bleiben ausgenommen. Alle indischen Einfuhren müssen weiterhin strengste EU-Gesundheitsvorschriften erfüllen, meldet die EU-Kommission.
Für europäische Bauern ergeben sich dennoch neue Chancen beim Export von Wein und Olivenöl. Indiens Zölle auf Wein sinken von 150 auf 75 Prozent, berichtet die Europäische Kommission.
Deutschland als grösster EU-Partner
Deutschland ist bereits jetzt Indiens grösster Handelspartner in der EU. Das bilaterale Handelsvolumen betrug 2024 rund 31 Milliarden Euro, berichtet das «ZDF».
Deutsche Unternehmen sind mit etwa 2000 Niederlassungen und über 500'000 Mitarbeitern in Indien vertreten. Volker Treier von der Deutschen Industrie- und Handelskammer nannte das Abkommen einen «echten Game-Changer», meldet die «DIHK».
Bis zur Umsetzung steht eine fünf- bis sechsmonatige juristische Prüfung an. Das Abkommen muss im Europäischen Parlament beraten und ratifiziert werden, berichtet das «ZDF».
















