Die Präsidenten der Firmen aus dem Swiss Leader Index erhielten 2021 im Schnitt 2,22 Millionen Franken Boni. Damit sind sie fast auf dem Vorkrisenniveau.
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Schweiz bei Direktinvestitionen europaweit auf Platz 16 (Symbolbild). - Pixabay
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Präsidenten der grössten Schweizer börsenkotierten Unternehmen verdienen wieder mehr.
  • Die Boni und Honorare sind fast wieder auf Vorkrisenniveau.
  • Damit haben sich ihre Löhne nach der Corona-Pandemie wieder erholt.

Die Honorare der Verwaltungsratspräsidenten der grössten börsenkotierten Schweizer Unternehmen sind 2021 mehrheitlich gestiegen oder gleich geblieben. Nach einem Einbruch in der Corona-Krise haben sich die Löhne damit wieder erholt.

An Honorar und Bonus erhielten die Verwaltungsratspräsidenten (VRP) der 30 Firmen aus dem Swiss Leader Index (SLI) 2021 im Schnitt 2,22 Millionen Franken.

Dies sind 2 Prozent weniger als im Vorjahr und 6 Prozent weniger als vor der Corona-Krise, wie eine Datenanalyse der Nachrichtenagentur AWP ergab. Allerdings verfälschen Wechsel der Präsidien bei Swiss Re, Credit Suisse und Vifor Pharma die Statistik.

Weniger Bonus für neue Präsidien

So erhielt Sergio Ermotti als VRP bei der Swiss Re fast ein Drittel weniger als sein Vorgänger (2,6 Millionen Franken). Auch der Kurzzeit-VRP der Credit Suisse, António Horta-Osório, verdiente mit rund 3,5 Millionen Franken etwa ein Viertel weniger. Beide waren aber 2021 nicht das ganz Jahr im Amt, sondern von der Generalversammlung erst im April gewählt worden. Hochgerechnet auf 12 Monate wären ihre Salär jedoch in etwas auf den Niveau ihrer Vorgänger ausgefallen.

Vifor-VRP Jacques Theurillat erhielt mit 1,2 Millionen Franken sogar mehr als 2 Millionen Franken weniger als sein Vorgänger Etienne Jornod. Im Gegensatz zu Theurillat bekleidete Jornod aber noch die Funktion als Executive Chairman, er war also neben dem VR-Vorsitz auch noch im operativen Geschäft eingespannt. Zudem erhielt er 2020 auch eine halbe Million Franken zusätzlich für Beratungsdienstleistungen. Durch diese drei Ausreisser wurde der Durchschnittslohn markant nach Unten gezogen.

Insgesamt haben zehn der 27 SLI-Unternehmen, von denen die entsprechenden Geschäftsbericht bereits vorliegen, ihren VRPs 2021 mehr gezahlt als im Vorjahr. Bei 12 blieb die Vergütung konstant. Nur bei fünf SLI-Unternehmen verdienten die VRPs markant weniger als 2020.

Honorare haben sich wieder erholt

Auch im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit haben sich die Honorare der VRPs wieder deutlich erholt, nachdem sie in der Krise um 5 Prozent gesunken waren. Neun von 25 VRPs verdienten sogar mehr als vor der Krise und bei 12 blieb das Honorar konstant. Nur vier VRPs mussten Einbussen hinnehmen, darunter die von Credit Suisse und Swiss Re aus den genannten Gründen. Einzig die VRPs von Roche und Swisscom erhielten etwas weniger für ihre Arbeit als im Vorjahr.

Von AWP analysiert wurden die Angaben jener Firmen aus dem SLI, die ihren Geschäftsbericht bereits veröffentlicht haben. Neben dem Fixhonorar wurden auch allfällige Boni einbezogen, wobei deren Anteil in der Regel im Gegensatz zu den CEO-Löhnen eher gering ist. Im Sinne der Vergleichbarkeit wurde der Wert von zugesprochenen, aber mit einer Sperrfrist belegten Aktien mit ihrem gesamten Marktwert per Ende 2021 berücksichtigt.

Neuer Top-Verdiener unter den VRPs ist Andreas Andreades vom Bankensoftwarehersteller Temenos. Er erhielt in seinem Amt als exekutiv tätiger Verwaltungsratspräsident 2021 mit rund 6,1 Millionen Franken 13 Prozent mehr als im Jahr davor. Damit überholte er Roche-VRP Christoph Franz, dessen Vergütung lediglich um rund 5 Prozent auf knapp 6 Millionen Franken stieg. UBS-VRP Axel Weber erhielt wie auch in den Vorjahren rund 5,2 Millionen Franken und bekam damit die dritthöchste Vergütung ausbezahlt.

Ausgleichszahlungen wurden nicht beachtet

Fast 40 Prozent mehr Honorar und Bonus erhielten Swatch-Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek (4,2 Mio Fr) und Partners Group-VRP Steffen Meister (2,3 Mio Fr). Jedoch mussten sie beide im Coronajahr auch Einbussen von 23 beziehungsweise 12 Prozent hinnehmen. Insgesamt verdienten sie 2021 aber wieder deutlich mehr als vor der Krise.

Die Honorare der übrigen Verwaltungsratsmitglieder der SLI-Unternehmen betrug 2021 durchschnittlich 348'000 Franken. Das sind rund 3 Prozent mehr als im Coronajahr 2020, als das Durchschnittshonorar jedoch um 6 Prozent gesunken war. Am meisten erhielten die Verwaltungsräte der Partners Group mit durchschnittlich beinahe 1 Million Franken. Die zweithöchsten VR-Honorare zahlte Schindler mit durchschnittlich rund 730'000 Franken, danach folgen die beiden Grossbanken mit je rund 610'000 Franken je Verwaltungsrat.

Bei der Berechnung des Durchschnittshonorars der Verwaltungsräte wurden die Auszahlungen an den Präsidenten jeweils ausgeklammert. Zudem wurde die Zahl der Monate, welche die Verwaltungsräte im Amt waren, berücksichtigt, so dass Wechsel in der Zusammensetzung und bei der Grösse der Verwaltungsratsgremien nicht zu Verzerrungen führen.

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