Die Autobranche könnte noch lange unter den Auswirkungen der Coronakrise leiden. Eine Erholung des Markts werde zehn Jahre in Anspruch nehmen, sagt ein Experte.
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Für die Schweizer Autobranche dürften schwierige Zeiten anbrechen wegen der Coronakrise (Symbolbild). - sda - KEYSTONE/WALTER BIERI
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Das Wichtigste in Kürze

  • Autohändler durften ihre Geschäfte in der vergangenen Woche wieder öffnen.
  • Der grosse Ansturm blieb allerdings noch aus.
  • Laut einem Experten braucht der Automarkt zehn Jahre bis zur vollständigen Erholung.

Seit einer Woche sind die Showrooms der Autohändler wieder offen. Doch die Kunden halten sich mit Autokäufen noch weitgehend zurück. Zu gross ist die Verunsicherung durch die Krise. Laut einem Experten dürfte die Erholung des europäischen Automarktes ganze zehn Jahre dauern.

«Unser Gefühl ist, dass die Markenhändler diese Woche nicht gerade überrannt worden sind.» Das sagte Christoph Wolnik vom Verband Auto-Schweiz, der die Generalimporteure und Markenhändler repräsentiert.

Verunsicherung bei den Konsumenten

Sofern man das bisher beurteilen könne, seien die Schweizer Konsumenten noch nicht in Stimmung, wieder Neuwagen zu kaufen. Aber genau lasse sich das erst beurteilen, wenn die Immatrikulationszahlen der ersten Wochen nach Wiedereröffnung verfügbar seien.

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Fahrzeuge des Unternehmens von Elon Musk stehen vor einem Autohaus. - dpa

Das Fazit nach einer Woche ist auch beim Verband freier Autohändler Schweiz (VFAS) «verhalten positiv», wie Geschäftsführer Stephan Jäggi sagte. «Man merkt die grosse Verunsicherung der Konsumenten, die sich um die eigene finanzielle Zukunft Sorgen machen. Dementsprechend sind sie zurückhaltend.»

Automarkt vom Arbeitsmarkt abhängig

Denn das Auto ist gemäss Wolnik nach einer Immobilie noch immer die zweithöchste Investition, die man im Privatleben tätigt. Für eine Erholung der Autobranche brauche es deshalb vor allem eine gesamtwirtschaftliche Erholung und eine positive Entwicklung im Arbeitsmarkt: «Wenn die Leute das Gefühl haben, sie verlieren ihren Job, werden sie auch kein neues Auto kaufen.»

Autobranchen-Experte Ferdinand Dudenhöffer erwartet, dass die Autoverkäufe in Europa erst in zehn Jahren wieder das Niveau von vorher erreichen. Der Professor am Institut für Customer Insight der Universität St. Gallen erklärt: «Deshalb entstehen grosse Überkapazitäten. Es ist mit Firmenschliessungen, Übernahmen oder Verkäufen sowie mit Stellenstreichungen im Autobereich und auch andernorts zu rechnen.»

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