Die Wirtschaft ist im Erholungsmodus. Allerdings brummt der Motor nicht überall. Kurzarbeit bleibt für viele Unternehmen ein wichtiges Instrument.
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Junge Flugbegleiterinnen profitieren von dem Angebot nicht. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Luftfahrt sind über zwei Drittel der Angestellten auf Kurzarbeit.
  • Seit Beginn der Pandemie hat Kurzarbeit 13 Milliarden Franken gekostet.

Kurzarbeit ist eines der wichtigsten Instrumente, um die Schweizer Wirtschaft während der Corona-Krise zu stützen. Auch im zweiten Jahr der Pandemie wird diese Massnahme rege genutzt.

Der Bundesrat hat darum am Mittwoch beschlossen, die Höchstdauer für den Bezug von Kurzarbeitsentschädigung (KAE) auf 24 Monate zu erhöhen. Unternehmen, die wegen der Krise weniger ausgelastet sind, werden damit noch bis Ende Februar 2022 finanziell unterstützt. Damit sollen Entlassungen verhindert werden.

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Gesundheitsminister Alain Berset. - Keystone

Aktuell (Stand Ende März) sind 44'593 Betriebe in der Schweiz auf Kurzarbeit. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor waren es mehr als doppelt so viele.

Luftfahrt weit weg von Normalität

Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO hat für Nau.ch exklusiv ausgewertet, welche Branchen immer noch stark auf die Stütze angewiesen sind. Die Daten stammen ebenfalls vom März, neue Angaben sind nicht verfügbar.

Die Auswertung macht klar: Niemand nutzt das Instrument so häufig wie die Luftfahrt. 69 Prozent der Angestellten sind auf Kurzarbeit.

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Die Luftfahrt hat sich noch nicht erholt. - sda - KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Das überrascht kaum. Obwohl immer mehr wieder ins Flugzeug steigen, liegen die Flugbewegungen immer noch rund zwei Drittel unter den Werten von 2019. Experten gehen davon aus, dass sich die Branche erst in drei Jahren wieder erholt haben dürfte.

Umsatzminus in Reisebüros

Rege genutzt wird das Instrument auch von Restaurants: Ende März waren 43 Prozent der Mitarbeiter in der Gastronomie auf Kurzarbeit. Hier dürfte es mittlerweile merklich besser aussehen, immerhin sind seit Ende Mai alle Gaststuben wieder offen.

Fast jeder dritte Angestellte in Reisebüros war im März noch auf Kurzarbeit. Hier zieht die Nachfrage mittlerweile an, allerdings ist die Branche noch nicht über den Berg. So rechnet Globetrotter-Chef André Lüthi im laufenden Jahr mit einem Umsatzeinbruch von 70 Prozent.

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André Lüthi in seinem Globetrotter-Büro in Bern. - Keystone

Weiterhin überdurchschnittlich stark auf Kurzarbeit setzt die Tourismusbranche. In der Schifffahrt waren im März noch 36 Prozent der Belegschaft auf Kurzarbeit, in der Beherbergung 39 Prozent.

Waren Sie während der Pandemie auf Kurzarbeit?

«Aufgrund der schrittweisen Öffnungen gehen wir davon aus, dass sich die Situation seit März stark verbessert hat», kommentiert SECO-Sprecher Fabian Maienfisch. Mit dem jüngsten Entscheid, die Bezugsdauer für Kurzarbeit zu verlängern, wolle man den Unternehmen Planungssicherheit bieten.

«Gemäss heutigen Konjunkturerwartungen gehen wir davon aus, dass im nächsten Jahr nur noch wenige Unternehmen tatsächlich auf KAE zurückgreifen werden.»

Seit Pandemiebeginn wurden rund 13 Milliarden Franken für Kurzarbeit ausgegeben. Die Kosten übernimmt der Bund.

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