Die Pharmastadt Basel 30 Jahre nach der Novartis-Grossfusion
Die Nachricht vom 7. März 1996 hat Basel überrascht. Die «Elefanten-Hochzeit» zwischen Sandoz und Ciba-Geigy zum Pharmakonzern Novartis war die bis dahin grösste Fusion in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Sie bedeutete einen Abbau von weltweit rund 12'000 Stellen.

Hans Schäppi, damals Vizepräsident der Gewerkschaft GBI, erinnert sich an jenen schicksalhaften Tag für den Wirtschaftsstandort Basel. Um 06.00 Uhr habe ihn der Personalchef der Ciba-Geigy persönlich angerufen. Rund vier Stunden später gebe es auf dem Flughafengelände eine Pressekonferenz zur Fusion, so die Nachricht in den frühen Morgenstunden. «Es ist erstaunlich, wie lange sie diesen Plan geheim halten konnten», sagte Schäppi gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Die beiden Verwaltungsratspräsidenten Alex Krauer und Marc Moret gaben vor den Medien die Grossfusion bekannt. Auch der damals 42-jährige Daniel Vasella stellte sich als Vorsitzender der Geschäftsleitung des neuen Konzern vor. Er kündigte an, dass sich Novartis auf die Kerngeschäfte Gesundheit, Ernährung und Landwirtschaft konzentrieren wird und zum weltweit zweitgrössten Pharmaunternehmen aufsteigt.
Die neue Spitze kündigte einen Personalabbau von weltweit 10 Prozent an. Ciba und Sandoz beschäftigen vor ihrem Schulterschluss zusammen über 144'000 Personen. In der Schweiz waren rund 3000 Stellen betroffen. Die Gewerkschaften kreuzten daher bei der Pressekonferenz mit einem Transparent auf, um gegen Entlassungen zu protestieren. «Es kommt schon gut», habe ihm daraufhin Vasella gesagt, erinnert sich Schäppi.
Die Gewerkschaften entwickelten ein Konzept, wie der Stellenabbau möglichst ohne Entlassungen vollzogen werden könnte. Schlussendlich kam es in der Schweiz infolge des Stellenabbaus zu 140 Kündigungen. Die Fusion habe die Gewerkschaften rückblickend weniger stark beschäftigt als zunächst vermutet, sagte Schäppi. Eine grosse Herausforderung für sie seien aber die vielen Auslagerungen als Folge der Fusion gewesen.
Hans-Peter Platz, damaliger Chefredaktor der Basler Zeitung, kommentierte einen Tag nach der Fusion, dass der damit «längst eingeleitete Abschied von der Chemiestadt Basel endgültig vollzogen» sei. Stattdessen werde Basel zur neuen Pharmastadt.
Diese Annahme sollte sich bewahrheiten: Die einstige Industriestadt Basel entwickelte sich in den letzten drei Jahrzehnten zum Standort der Life Sciences. «Labors statt Fabrikhalle, Wissenschaften statt Industrie, Biotechnologie statt Chemie», resümiert etwa die «Stadtgeschichte Basel» von 2025.
Damals sass aber in der Politik der Schock über den Stellenabbau tief. Die SP-Bundeshausfraktion lud Vertreter von Volkswagen nach Basel ein, um über deren Erfahrungen mit Massnahmen bei Massenentlassungen und den Umgang mit den Folgen grosser Umstrukturierungen zu diskutieren.
«Der damals befürchtete Maximalschaden ist keineswegs eingetroffen», sagte Rudolf Rechsteiner, damals Nationalrat (SP), rückblickend gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Er erwähnt den Fonds der Basler Chemie für Start-ups in Life Sciences, der es ermöglichte, dass junge Firmen im Pharmabereich oder deren Umfeld wachsen konnten. «Die Region Basel hat sich wirtschaftlich hervorragend entwickelt, vielleicht sogar dank dieser Fusion. Zu einer Ausdünnung kam es nicht», sagte Rechsteiner weiter.
Zum Zeitpunkt der Fusion hätten viele ein «Skript des Niedergangs» im Kopf gehabt. Die Staatskasse von Basel-Stadt war zuvor geplagt von Finanzdefiziten. «Das Gegenteil trat ein», bilanziert Rechsteiner.










