Beim Swissair-Grounding vor 20 Jahren blieben wie auch im Frühjahr 2020 viele Maschinen am Boden. Diesmal wegen Corona. Doch hier enden auch bereits die Parallelen zwischen der Swissair und der neuen Swiss. Gleichzeitig schreiben einige der früheren Swissair-Töchter nach wie vor grosse Erfolge.
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Ein Airbus A220-300 der Swiss rollt zum Terminal B am Flughafen Zürich. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Nur wenige Flieger am Himmel, dafür parkierte Flugzeuge auf dem Militärflugplatz in Dübendorf: Die Szenerie während der Coronakrise erinnerte an das Swissair-Grounding vor 20 Jahren.

Zum befürchteten zweiten Grounding kam es trotz wirtschaftlichen Problemen aber nicht.

Doch es gibt noch zahlreiche weitere Unterschiede. Die Swissair war am Ende nur Teil eines Flugkonzerns SAirGroup, der durch die Jagd auf Beteiligungen an maroden Airlines in die Krise gestürzt war und schliesslich an Geldnot zugrunde ging.

Die Swiss dagegen gehört seit 2007 zur Lufthansa. Unter den Fittichen von Europas grösstem Flugkonzern konnte die in Anfangszeiten trudelnde Swiss wieder in den Steigflug übergehen. Neben der Swiss gehören auch die Austrian Airlines und die Brussels Airlines zur Lufthansa-Gruppe. An der Austrian war die SAirGroup einst mit 10 Prozent der Aktien beteiligt und Brussels Airlines ist die Nachfolgerin der untergegangenen SAirGoup-Fluggesellschaft Sabena.

Grundlage für die Swiss war nach dem Grounding allerdings nicht die Swissair, sondern die Basler Regionalfluggesellschaft Crossair. Aus der Crossair stieg 2002 die heutige Swiss wie Phoenix aus der Asche - oder die «Swiss International Air Lines AG», wie die Airline offiziell heisst.

Drei Jahre später landete die Swiss zum ersten Mal in der Gewinnzone und setzte daraufhin ihren Wachstumspfad unter der Lufthansa fort. Erst die Coronakrise 2020 setzte der Gewinnsträhne der Swiss ein Ende.

Andere frühere SAirGroup-Töchter wurden nach dem Zusammenbruch der Holding verkauft und erlebten teils turbulente Schicksale. Über die Jahre hinweg hatte die chinesische HNA-Gruppe gleich bei dreien dieser Töchter ihre Finger im Spiel: SR Technics, Gategourmet und Swissport. Während HNA mittlerweile selber Insolvenz eingeleitet hat, sind die drei Gesellschaften heute vom Weltmarkt kaum wegzudenken.

Die SR Technics bietet Wartungsarbeiten für die Luftfahrt an und betreut gemäss eigenen Angaben weltweit am meisten Airbus- und Boeing-Flugzeugtypen. Neben HNA hält noch ein Staatsfonds aus Abu Dhabi 20 Prozent an SR Technics. Weltweit hat das Wartungsunternehmen rund 2000 Mitarbeitende und betreut über 500 Kunden. Der Umsatz wird auf 1,5 Milliarden Franken geschätzt.

Gategourmet kümmert sich unter dem Dach der Gategroup um die Verpflegung an Bord. Nach wechselnden Besitzern und einem Börsengang im Mai 2009 landete auch diese Gesellschaft acht Jahre später bei HNA und wurde von der Schweizer Börse dekotiert.

Danach trennte sich der chinesische Konzern auch von dieser Tochter und verkaufte sie an eine Investmentgesellschaft. 2019 erzielte Gategroup mit weltweit 43'000 Mitarbeitenden einen Umsatz von 4,9 Milliarden Franken.

Mit Swissport gründete die SAirGroup 1999 einen Luftfahrtdienstleister, der aktuell weltweit auf 274 Flughäfen tätig ist. Auch hier hatte HNA ihre Finger im Spiel.

Nach mehrfachem Besitzerwechsel gehörte Swissport ab 2015 zur chinesischen Konzerngruppe HNA und wurde ein Jahr später an eine Gruppe von sieben Investoren verkauft. Swissport beschäftigt heute weltweit 43'000 Mitarbeitende und generierte 2019 einen Umsatz von 3,13 Milliarden Franken.

Aber nicht alle SAirGroup-Töchter haben das Grounding vor 20 Jahren überstanden. Wie die Swissair mussten auch viele Fluggesellschaften, an denen die Swissair beteiligt war, Konkurs anmelden: Neben der belgischen Sabena waren es die französischen Fluggesellschaften AOM und Air Liberté oder die deutsche LTU.

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