Die deutsche Wirtschaft hat ihre Produktion im Juli trotz Engpässen bei wichtigen Vorprodukten gesteigert. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 1,0 Prozent mehr her als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag mitteilte.
Wasserstoffproduktion in Nordrhein-Westfalen
Wasserstoffproduktion in Nordrhein-Westfalen - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Das war die erste Steigerung nach zuvor drei Rückgängen in Folge und überhaupt erst das zweite Plus in diesem Jahr.

Ökonomen haben mit einem etwas geringeren Zuwachs gerechnet, nach einem Minus von 1,0 Prozent im Juni. Trotz des Anstiegs liegt die Produktion noch 5,5 Prozent niedriger als im Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland.

Im Juli gab es im Bau ein Plus von 1,1 Prozent, während die Energieerzeugung um 3,2 Prozent zum Vormonat sank. Die Industrieproduktion allein legte diesmal um 1,3 Prozent zu. «Auch wenn die Lieferengpässe bei Halbleitern, die zuletzt die Produktion bremsten, noch eine Zeit lang fortbestehen dürften, deuten die Zahlen darauf hin, dass der Tiefpunkt nun überwunden sein könnte», schrieb das Ministerium.

Ähnlich sehen das Ökonomen. «Der Konjunkturmotor brummt zwar, aber er läuft nicht rund», sagte der Chefvolkswirt von Union Investment, Jörg Zeuner. «Die immer noch anhaltenden Lieferengpässe haben der Industrie das Geschäft teilweise verhagelt, denn die ausserordentlich grosse Nachfrage hätte durchaus eine noch stärkere Ausweitung der Produktion erlaubt.»

Die Industrie hat derzeit prall gefüllte Auftragsbücher. Im Juli gab es sogar einen Rekordauftragseingang. Vielfach können die Bestellungen jedoch nicht rasch abgearbeitet werden angesichts akuter Engpässe bei Vorprodukten wie Mikrochips. 70 Prozent der Industrieunternehmen geben derzeit an, dass ihnen Engpässe zu schaffen machen, wie das Ifo-Institut in seiner Firmenumfrage herausfand.

Die Industrie geht davon aus, künftig wieder mehr herzustellen. Das Barometer für die Produktionserwartungen kletterte im August um vier auf 27 Punkte, wie das Ifo-Institut ermittelte. Das ist ein sehr hoher Wert im langjährigen Vergleich.

«Offenbar hoffen die Firmen, dass sich die Lieferengpässe bei Vorprodukten in den kommenden Monaten langsam auflösen», sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Merklich gestiegen sind die Erwartungen in der Autobranche, in der Chemieindustrie und im Maschinenbau.

Damit der Konjunkturmotor in Schwung bleibt, dürfen sich die Lieferengpässe nicht verschärfen. «Doch auch dann wird sich die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot nicht von heute auf morgen schliessen», sagte Chefökonom Zeuner. «Manche Branchen wie etwa die Automobilindustrie könnten mit einem Ende der Schwierigkeiten erst im Jahr 2023 rechnen.» Immerhin sehe es aber danach aus, dass viele Aufträge nicht storniert würden, sondern sich nur in die Zukunft verschöben.

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