Das bedeutet der Demokraten-Sieg für die Schweizer Wirtschaft
Die Demokraten könnten beide Kammern übernehmen. Die Börsen reagieren negativ, doch die Schweizer Wirtschaft könnte auch profitieren.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Finanzmärkte reagieren zunächst negativ auf den möglichen Wahlsieg der Demokraten, während der Schweizer Franken als sicherer Hafen an Stärke gewinnt.
- Für Schweizer Exporteure könnte sich das Risiko weiterer US-Zollverschärfungen verringern, eine rasche Abschaffung bestehender Zölle gilt jedoch als unwahrscheinlich.
- Ökonomen rechnen trotz kurzfristiger Marktturbulenzen nicht mit einer dauerhaften Trendwende an den Aktienmärkten.
In den USA zeichnet sich am Mittwochmorgen bei den Zwischenwahlen zum jetzigen Stand eine blaue Welle ab. Also ein breit angelegter Sieg der Demokraten.
Damit dürfte die regierende republikanische Partei von US-Präsident Donald Trump die Mehrheit im Repräsentantenhaus verlieren und womöglich auch im Senat.

An den Märkten deutet sich zunächst eine negative Reaktion an. Für den Schweizer Aktienmarkt indiziert der Broker IG ein Minus von 1,16 Prozent. Auch für die wichtigsten europäischen Indizes zeichnen sich aktuell Verluste auf breiter Front ab.
Für die Wall Street sacken die Futures ebenfalls ab und in Asien sind die Kurstafeln teils tiefrot. Besonders im Technologiesektor dürfte laut Marktexperte Santosh Brivio von der Migros Bank nun eine gewisse Neubewertung stattfinden. Denn: Anleger preisen Abstriche an Trumps Deregulierungs- und Investitionsagenda ein.
Franken stärker
Während es an den Aktienmärkten abwärts gehen dürfte, greifen Investoren auf der Suche nach sicheren Häfen bei Anleihen zu.
Entsprechend geben die Renditen nach. An den Devisenmärkten ist entsprechen der Schweizer Franken gesucht. Er legt gegenüber dem US-Dollar im Vergleich zum Vorabend um knapp 1 Prozent zu. Für einen Dollar muss derzeit nur noch 0,8135 Franken bezahlt werden.
Mit einem breit angelegten Sieg der Demokraten in womöglich beiden Kammern wäre die Manövrierfähigkeit von US-Präsident Trump eingeschränkt.

Die grosse Sorge ist, dass er dafür aussenpolitisch noch erratischere Entscheidungen treffen könnte. Das rückt auch die anhaltenden Iran-Krieg erneut ins Zentrum. Hier besteht die Sorge, dass die USA zusammen mit Israel einen neuen Angriff starten könnten.
Langfristig bleiben Ökonomen mit Blick auf die Auswirkungen der Zwischenwahlen aber entspannt. Denn: rund um die Midterms habe es in der Vergangenheit eine erhöhte Volatilität gegeben, aber keine dauerhafte Trendwende an den Aktienmärkten. Das schrieb beispielsweise Daniel Kalt, Chefökonom von UBS Schweiz am Vortag der Wahlen.
Risiko für Zollverschärfungen sinkt
Der Machtwechsel hat aber auch mögliche Vorteile für die Schweizer Wirtschaft.
Der voraussichtliche Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen könnte den Handelsstreit mit der Schweiz entschärfen. Für Schweizer Exporteure sinkt damit möglicherweise das Risiko weiterer Zollverschärfungen.
Mit ihrer neuen Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses können die Demokraten Gesetzesvorhaben von US-Präsident Donald Trump blockieren. Zudem können sie dessen Handelspolitik stärker unter Druck setzen.
Die Bank J. Safra Sarasin hält insbesondere gegenüber verbündeten Staaten eine Lockerung der Zollpolitik für möglich.
Mit einer raschen Abschaffung der bestehenden Zölle ist allerdings nicht zu rechnen. Trump behält sein Vetorecht und kann in bestimmten Bereichen weiterhin per Dekret handeln. Die Schweizer Wirtschaft dürfte deshalb vorerst weiter mit handelspolitischer Unsicherheit leben müssen.
Auch an den Finanzmärkten könnte sich der Machtwechsel bemerkbar machen. Der Kongress hat erheblichen Einfluss auf die Staatsausgaben, was sich auf die Renditen von US-Staatsanleihen auswirken könnte.
Welche Folgen die neuen Mehrheitsverhältnisse für den Dollarkurs haben, ist laut der Bank Lombard Odier allerdings offen. Ein schwächerer Dollar würde Schweizer Exporteure zusätzlich belasten, während sich Ferien und Einkäufe in den USA verbilligen würden.
Trump selbst kündigte unterdessen an, das Wahlergebnis zu akzeptieren. Im Vorfeld hatte es Spekulationen gegeben, er könnte eine Niederlage seiner Republikaner anfechten.
Ein solcher Schritt hätte eine längere Phase politischer Unsicherheit auslösen und damit auch die Finanzmärkte belasten können. Mit seiner Zusicherung gegenüber der «New York Times» trat der Präsident diesen Befürchtungen entgegen.








