In der Corona-Krise ist die Nachfrage nach Gold regelrecht explodiert. Doch der Nachschub stockt wegen der ergriffenen Massnahmen. Es droht ein Lieferengpass.
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Die Nachfrage nach Gold ist wegen der derzeitigen Corona-Krise regelrecht explodiert. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Nachfrage nach Gold ist in der Corona-Krise regelrecht explodiert.
  • Wegen der ergriffenen Massnahmen zur Eindämmung des Virus stockt jedoch der Nachschub.

Gold ist gefragt als «sicherer Hafen» in turbulenten Zeiten. Doch Kunden, die sich das Edelmetall wegen der Coronavirus-Pandemie in den Tresor legen möchten, brauchen derzeit Glück und Geduld. Denn: Die Nachfrage nach Goldbarren und Münzen ist in den letzten Tagen und Wochen regelrecht explodiert.

Gleichzeitig stockt der Nachschub. «Bei uns hat sich das Volumen letzte Woche bereits verzehnfacht.» Dies sagt etwa Andreas Hablützel, Chef der zur Degussa-Gruppe der Familie von Finck gehörenden Degussa Goldhandel AG in Zürich.

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Goldbarren in unterschiedlicher Grösse. (Archivbild) - keystone

Doch wie lange er seine Kunden noch beliefern kann, ist offen, denn der Nachschub versiegt. Prägeanstalten etwa in Südafrika oder Kanada können wegen der Virus-Pandemie und den damit verbundenen Massnahmen nicht mehr liefern. Zudem fallen im Schweizer Kanton Tessin seit Montag drei grosse Gold-Raffinerien für mindestens eine Woche aus.

Zuvor hatten die lokalen Behörden die Schliessung nicht lebenswichtiger Industriezweige angeordnet. Damit soll die Ausbreitung des Erregers eingedämmt werden. «Das hat zusätzlich Stress in das gesamte System gebracht», erklärt Hablützel.

Schweiz als Gold-Drehscheibe

Die Schweiz ist eine globale Drehscheibe für die Raffination von Edelmetallen. Die drei Raffinerien im Tessin – Valcambi, Argor-Heraeus und PAMP – verarbeiten jährlich rund 1500 Tonnen Gold. Dies entspricht einem Drittel des gesamten weltweiten Jahresangebots.

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Ein Angestellter der Goldverarbeitungsfirma Argor-Heraeus füllt Ein-Kilogramm Feingoldbarren ab. - keystone

Valcambi und PAMP wollen den Betrieb vorerst bis zum 29. März aussetzen, Argor bis zum 5. April.

«Durch die zeitlich begrenzte Schliessung mehrerer Goldraffinerien in der Schweiz kommt es zu einem Mangel an physischem Investmentbarren für Privatanleger weltweit», sagt Andre Christl, Chef des deutschen Produzenten Heraeus Precious Metals.

Gekauft wird alles

Auch bei der Zürcher Kantonalbank spricht man von einem riesigen Interesse an Edelmetallen. «Die physische Nachfrage nach Gold bei der Zürcher Kantonalbank ist derzeit enorm», sagte eine Sprecherin der Bank. «Es werden sämtliche verfügbaren Produkte wie Barren, Münzen, etc. nachgefragt.»

Auch Silber, für die anders als für Anlagegold Mehrwertsteuer bezahlt werden muss, würde im grossen Stil gekauft. Doch auch die Züricher Staatsbank kämpft mit einem knappen Angebot. «Die Banken zehren von ihren Reserven und können derzeit nicht mit Nachschub rechnen», sagte die Sprecherin.

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Der Goldpreis zeigt sich stabil. - Keystone

Degussa Schweiz kann dank grosser Lagerbestände vorerst weiterhin liefern, wie Firmenchef Hablützel sagte. «Wir haben ein Lager von mehreren 1000 Barren.»

«In den vergangenen Tagen ist bei privaten Anlegern eine verstärkte Nachfrage nach Gold. Von den kleinsten zu den grössten Goldbarren und Münzen feststellbar», erklärte Giovanni Staunovo, Rohstoffanalyst bei der UBS. «Dies ist eine Trendumkehr zur Vorwoche, in der Gold noch verkauft wurde, um Liquidität zu schaffen.»

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Die Luzerner Staatsanwaltschaft sucht eine unbekannte Person, die in einem Eisenbahnwagen mehrere Kilogramm Gold liegen gelassen hat. (Symbolbild) - dpa

Die aggressive Lockerung der Geldpolitik der wichtigsten Zentralbanken dürfte die weltweite Nachfrage nach realen Anlagen wie Gold auch in den kommenden Wochen weiter hochtreiben.

Am Weltmarkt wird Gold derzeit zu 1610 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) gehandelt. Zuvor hatte das gelbe Edelmetall jüngst ein Siebenjahreshoch von 1703 Dollar erklommen.

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