2025 war Schluss: «Aus von Alnatura hat uns sehr schwer getroffen»
Das Aus der 25 Alnatura-Filialen trifft die Schweizer Bio-Branche hart – besonders Produzenten, die stark von einem einzigen Abnehmer abhängig waren.

Das Wichtigste in Kürze
- Das Aus der 25 Alnatura-Filialen trifft Teile der Schweizer Bio-Branche hart.
- Besonders Hersteller, die stark von dem Händler abhängig waren, verlieren viel Umsatz.
- Einige sprechen von Einbussen im zweistelligen Prozentbereich.
Die Schliessung der 25 Alnatura-Filialen durch die Migros per Ende 2025 hat im Schweizer Bio-Markt Spuren hinterlassen. Während einige Bio-Produzenten deutliche Einbussen verzeichnen, spüren andere kaum Auswirkungen.
Auslöser war der Entscheid der Genossenschaft Migros Zürich, den seit 2012 bestehenden Franchising-Vertrag mit Alnatura nicht zu verlängern.
Die Bio-Supermärkte verschwinden damit nach rund 13 Jahren aus dem Schweizer Strassenbild. Bereits Anfang 2023 war mit der Reformhaus-Kette Müller ein wichtiger Absatzkanal für Bio-Produkte weggebrochen.
Beim Berner Bio-Pionier New Roots, bekannt für pflanzliche Alternativen zu Käse aus Cashewkernen, hinterliess der Rückzug deutliche Spuren.
Grosser Umsatzverlust
«Das Aus von Alnatura hat uns sehr schwer getroffen.» Das sagt Assi Grunder, Leiter Vertrieb und Export bei New Roots, im Gespräch mit AWP. Der Umsatzverlust liege im zweistelligen Prozentbereich.
«Alnatura war für uns ein starker und zuverlässiger Partner.» Zwar versucht das Unternehmen, den Verlust über Exportmärkte und neue Produkte aufzufangen. Bislang konnte New Roots den Wegfall jedoch nicht wettmachen.

Auch andere Anbieter traf das Alnatura-Aus hart. Viele Hersteller wollten sich auf Anfrage von AWP aber nicht öffentlich äussern.
Ein Involvierter führt dies darauf zurück, dass viele Anbieter nach dem Alnatura-Aus mit Detailhändlern verhandeln. Entsprechend sensibel sei das Thema derzeit.
Es gibt auch Gewinner
Doch längst nicht alle Produzenten trifft es gleich. Die Molkerei Neff aus Wald im Zürcher Oberland etwa belieferte Alnatura nur mit kleinen Mengen Molkereiprodukten wie Joghurt oder Butter. Entsprechend sei man vom Aus «nicht gross getroffen».
«Jene, die stark auf einen einzelnen grossen Abnehmer fokussiert sind, trifft es in solchen Fällen härter.» Das sagt Andreas Lieberherr, Geschäftsführer von Bio Partner. Der Bio-Grosshändler beliefert den Fachhandel schweizweit und hat einen breiten Überblick über die Branche.
«Es gibt aber auch Produzenten, die vom Wegfall von Alnatura profitieren», so Lieberherr. Der Grund: Ein Teil der früheren Alnatura-Kunden kauft wieder in klassischen Bio-Fachgeschäften ein. Davon profitierten Anbieter, deren Produkte dort stark vertreten seien.
Auch bei Bio Suisse geht man davon aus, dass ein Teil des weggefallenen Geschäfts über andere Absatzkanäle aufgefangen wurde. Neben dem Bio-Fachhandel auch über den klassischen Detailhandel, vor allem Coop und Migros, so Bio-Suisse-Sprecher Lukas Inderfurth.
Hinzu komme, dass Alnatura nur begrenzt auf Schweizer Produzenten gesetzt habe. Etwa bei Frischeprodukten wie Gemüse und Obst sowie Brot: Der grösste Teil der in den Schweizer Filialen verkauften Bio-Produkte stammte laut Bio Suisse aus dem EU-Raum.
Schock nach Corona grösser
Mehrere Gesprächspartner verwiesen zudem darauf, dass der eigentliche Einschnitt für die Branche das Ende der Corona-Pandemie war.
Denn während der Pandemie assen die Leute wegen Homeoffice und geschlossener Restaurants deutlich häufiger zu Hause. Und konnten dort gezielter zu Bio-Produkten greifen.
In der Ausserhausverpflegung dagegen sei das Bio-Angebot bis heute oft beschränkt – etwa in Kantinen, Restaurants oder beim Take-away. Das sagte Bio-Suisse-Sprecher Lukas Inderfurth.
Davon hätten während der Pandemie gerade auch Hofläden und Direktvermarkter profitiert.
Zudem hätten viele Konsumentinnen und Konsumenten aus Sorge vor einer Ansteckung Geschäfte gemieden und direkt bei Bauernhöfen eingekauft. Oder sich Lebensmittel nach Hause liefern lassen.
«So konnten Hofbetriebe teilweise ihren Absatz verdoppeln oder gar verdreifachen», so Inderfurth.
Mit dem Ende der Pandemie verfielen die Leute aber wieder in ihre alten Gewohnheiten. So sank der Umsatz im Bio-Fachhandel 2022 gegenüber 2021 um 15 Prozent auf 317 Millionen Franken. Seither hat sich der Markt in den Jahren 2023 bis 2025 bei rund 300 Millionen Franken pro Jahr stabilisiert.
Viel Potenzial – nicht unbedingt im Regal
Wachstumspotenzial sieht Bio Suisse denn auch in der Ausserhausverpflegung. Mit dem Programm «Bio Cuisine» versucht der Verband seit einigen Jahren, Gastronomiebetriebe für einen höheren Bio-Anteil zu gewinnen.
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Besonders gross sei der Hebel dort, wo täglich viele Menschen verpflegt werden. Etwa in Betriebskantinen, Altersheimen, Spitälern oder beim Militär.
Im klassischen Bio-Fachhandel zeigt sich der Markt derweil widerstandsfähiger, als manche nach dem Alnatura-Aus erwartet hatten. «Den Bio-Fachhandel hat man schon oft totgesagt», so Bio-Partner-Chef Lieberherr. «Aber er ist zäh – und es gibt ihn immer noch.»











