Terrorismus

    «Klima-Terrorismus» – sprachliche Gewalt gegen die Klimabewegung

    Nathan Diaz Zeugin
    Nathan Diaz Zeugin

    Zürich,

    Die Klimabewegungen werden im deutschsprachigen Raum mit neuen Begriffen attackiert. Damit wird aber nur von den wahren Kriminellen abgelenkt. Ein Gastbeitrag.

    Klimaaktivisten Bern Bundesplatz
    Klimaaktivisten besetzten den Bundesplatz in Bern. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Seit Wochen ist von «Klima-RAF» oder «Klima-Terrorismus» die Rede.
    • Mit diesen verbalen Angriffen wird aber von den wahren Kriminellen abgelenkt.
    • Im Gastbeitrag erklärt der Autor, weshalb diese Begriffe gefährlich sind.

    Innerhalb weniger Wochen haben neue Begriffe den deutschsprachigen Raum erobert. In Deutschland war von «Klima-RAF» die Rede, in der Schweiz schwadronieren rechtsnationale Kräfte auf ihren Websites von «Klima-Terrorismus». Die sprachliche Gewalt gegen Klimaaktivistinnen und -aktivisten kennt keine Grenzen mehr.

    Schuld-Umkehr

    Der Begriff «Klima-Terroristen» kehrt dabei die Schuldverhältnisse um. Aktivistinnen und Aktivisten machen auf Missstände aufmerksam und werden dafür kriminalisiert. Damit wird von den wahren Klima-Kriminellen abgelenkt: ausbeuterische Konzerne, klimaschädliche Banken, privatjetfliegende Superreiche.

    Klimastreik
    Eine Demonstrantin hält bei einer Klima-Demo ein Plakat hoch. - zVg

    Eine Frage der Macht

    Die radikalisierte Sprache zeigt eines: Offensichtlich fühlen sich die mit der fossilen Industrie verbandelten herrschenden Kräfte in ihrer Macht bedroht. Dies aus gutem Grund: Jedes Gespräch über die Klimakrise legt schonungslos Verantwortlichkeiten offen, bringt die letzte Rechtfertigung für ein zerstörerisches Geschäftsmodell zum Wanken. Dies soll unter allen Umständen verhindert werden – notfalls mit gewaltvoller Sprache, Kriminalisierung von Protesten, Repression.

    Rechtsextremismus wird salonfähig

    Dafür wird auch auf Gedanken zurückgegriffen, die vom rechtsextremen Rand in die Gesellschaft eingestreut wurden – eben der «Klima-Terrorismus». Wir leben in Zeiten, in welchen diese schädlichen Narrative von einigen Medien dankbar aufgenommen und verbreitet werden. Das ist brandgefährlich, denn Sprache erschafft Realität.

    Klimastreik
    Der Klimastreik bei einer Demonstration. - zVg

    In einem Klima der Hetze gegen die Klimabewegung wird der Boden für Gewaltakte gelegt. Es ist dann nur eine Frage der Zeit, bis es zu Angriffen auf Aktivistinnen und Aktivisten kommt. Seriöse Medien und wir alle müssen also dagegenhalten und uns fragen: Wer sind in dieser Geschichte die wahren Klima-Kriminellen?

    Zum Autor: Nathan Diaz Zeugin ist im Primarschulrat der SP Aesch-Pfeffingen.

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