Der gesetzliche Schutz der Ehe soll für alle verbindliche Zweierbeziehungen möglich werden. Ein Gastbeitrag zur Ehe für alle von FDP-Ständerat Matthias Michel.
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FDP-Ständerat Matthias Michel sagt Ja zur Ehe für alle. - zvg

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 26. September stimmt die Schweiz über die Ehe für alle ab.
  • FDP-Ständerat Matthias Michel spricht sich im Gastbeitrag für ein klares Ja aus.

Die Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren muss aufhören. Mit dem Zugang aller zur Ehe wird dieses Institut gestärkt.

Staat darf nicht diskriminieren

Als Kind war für mich die Ehe primär eine Liebesgemeinschaft: Man liebt sich, man bleibt zusammen. Wir selber heirateten kirchlich aus einer religiösen Wertehaltung heraus. Das alles sind persönliche Entscheidungen. Hier spielt der Staat nicht mit.

Ganz anders bei der zivilen Trauung vor dem Staat: Im Gegensatz zum Partner/zur Partnerin oder zu einer religiösen Gemeinschaft wählen wir den Staat nicht aus: Wir sind in ihn hineingeboren und dessen Regeln unterworfen. Deshalb muss sich der Staat an verfassungsmässige Grundsätze wie denjenigen der Gleichbehandlung halten. So hat er das Regelwerk der Ehe allen auf Dauer ausgerichteten Zweierbeziehungen anzubieten – Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts sind nicht erlaubt.

Eheinstitut wird gestärkt

Persönlich wählten meine Frau und ich die zivilrechtliche Ehe, da sie geeignete Regeln für eine dauerhafte Zweierbeziehung und dann auch zum Schutz für Kinder bereitstellt.

Für gleichgeschlechtliche Paare gibt es heute zwar die eingetragene Partnerschaft, die aber in wesentlichen Punkten nicht dieselben Rechte ermöglicht (Bürgerrecht, Hinterlassenenrente, Adoption) und somit eine Zweiklassengesellschaft schafft.

Ehe für alle
Die «Ehe für alle» hat gute Chancen, an der Urne angenommen zu werden. - Keystone

Dass das Eheinstitut als solches geeignet ist, zeigt der in der Vernehmlassung breit getragene Vorschlag unseres Parlaments. Das Ja zur «Ehe für alle» stärkt nicht nur betroffene Minderheiten, sondern generell unsere Grundrechte und das Eheinstitut als solches.

Ehe für alle: Andere Staaten machen es vor

Es gibt keinen Grund, Personen die Ehe zu verbieten, welche in einer stabilen Zweierbeziehung leben und dabei die ehelichen Rechte und Pflichten beachten wollen. Die Abschaffung dieser Ungleichbehandlung ist ein Schritt, welchen 15 europäische Staaten schon getan haben. Die Zeit, als gemäss Zivilgesetzbuch der Ehemann noch «das Oberhaupt der Familie» war, ist längst vorbei.

Mit dem Ja zur Ehe für alle wird auch die Zeit vorbei sein, welche gleichgeschlechtlichen Paaren die Ehe verwehrt.

Zum Autor: Matthias Michel, Ständerat, FDP.Die Liberalen. Ausgebildet als Rechtsanwalt/Mediator, politische Erfahrung als Zuger Kantons- und Regierungsrat, wohnhaft in Oberwil/ZG mit Ehefrau und vier Kindern.

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