Christoph Blocher: Warum tragen Sie keine Brille mehr?
«Auch politisch wird mein Durchblick immer besser!» In seiner «Klartext»-Kolumne schreibt alt Bundesrat Christoph Blocher über seine Augenoperation.

Das Wichtigste in Kürze
- Christoph Blocher (85) schreibt heute über das Augenlicht.
- Dank neuer Linsen sieht Blocher in der Ferne wieder deutlich besser.
- Seine Kolumne heisst «Blochers Klartext» und erscheint alle drei Wochen.
Oft wurde ich in den letzten Wochen gefragt: «Warum tragen Sie keine Brille mehr?» Ebenso oft antworte ich dann: «Weil ich vor Kurzem an beiden Augen am Grauen Star operiert worden bin. Und damit sehe ich vor allem in die Ferne wieder sehr gut.»
Beim Lesen auf kurze Distanz nehme ich allerdings noch immer eine Lesebrille zu Hilfe. Die Trübung der Augenlinse – also der Graue Star beziehungsweise im medizinischen Fachbegriff der «Katarakt» – entwickelte sich bei mir wie bei vielen anderen Mitmenschen über Jahre hinweg.
Das Sehen wurde zunehmend unscharf, etwas milchig oder erscheint mir im Nachhinein wie durch eine verschmutzte Fensterscheibe. Nur realisiert man diese Abnahme des Sehvermögens nur sehr langsam und schleichend.
Ich litt an vermindertem Sehen in der Dunkelheit, und die Farben wirkten mit der Zeit immer blasser.

Doch die moderne Medizin vollbringt beim Grauen Star mittlerweile wahre Wunder.
Die Augenärzte können heute klare Kunstlinsen einsetzen, wonach sich die Wahrnehmung nach einer relativ kurzen Erholungsphase auch bei mir drastisch geändert hat.
Unser Gehirn passt sich wie automatisch an die neuen optischen Signale an. Die neuen Linsen lassen sofort wieder ungehindert Licht herein, ich sehe in der Weite wieder gestochen scharf.
Die Farben nehme ich neuerdings unglaublich intensiv wahr – was mir natürlich beim Betrachten von Bildern, Landschaften und Menschen grosse Freude macht.
Angesichts dieser medizinischen Fortschritte denke ich dankbar an Gottfried Kellers Gedicht «Abendlied»: «Augen, meine lieben Fensterlein, Gebt mir schon so lange holden Schein, Lasset freundlich Bild um Bild herein.»

Nach der gelungenen doppelseitigen Staroperation sage ich jeweils scherzhaft: «Auch politisch wird mein Durchblick immer besser!»
Zum Autor
Christoph Blocher (*1940) ist Alt-Bundesrat (SVP). Er prägte die Ems-Chemie jahrzehntelang als Direktor und Besitzer, bevor er das Unternehmen 2003 im Zuge seiner Wahl in den Bundesrat an seine Kinder übergab. Christoph Blocher ist via seiner Firma ROBINVEST AG auch an der Interact Media Group AG (Beteiligung 15 Prozent), der Herausgeberin von Nau.ch, beteiligt. Seine Kolumne erscheint alle drei Wochen.












