Zwei Angehörige der Kantonspolizei Bern müssen sich wegen des Vorwurfs des Amtsmissbrauchs und Tätlichkeiten vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den Polizisten vor, bei der Anhaltung eines Mannes in Bern den Verhältnissen nicht mehr angepasste Gewalt angewandt zu haben.
Berner Kantonspolizei
Berner Kantonspolizei - sda - Keystone/PETER KLAUNZER

Bei der Personenkontrolle eines 28-jährigen Marokkaners am 11. Juni 2021 auf dem Bahnhofplatz sei es zu einem Gerangel mit einer uniformierten Zweierpatrouille der Kantonspolizei gekommen, teilte die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern am Freitag mit. Dabei sei der zu kontrollierende Mann zu Boden geführt und dort fixiert worden.

Die beiden Angeklagten hätten eine «unverhältnismässige Härte» angewandt, sagte Christof Scheurer, Informationsbeauftragter der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Die Staatsanwaltschaft für besondere Aufgaben führte gegen den Polizeiangehörigen, der die Fixation vorgenommen hatte, eine Untersuchung wegen Amtsmissbrauchs und Tätlichkeiten. Sie legt ihm in der Anklage zu Last, unverhältnismässig Gewalt ausgeübt zu haben.

Im Zuge der Ermittlungen ergaben sich laut Staatsanwaltschaft auch Verdachtsmomente gegen einen zweiten, von der Polizeipatrouille herbeigerufenen Polizeiangehörigen. Dem Polizisten wirft die Staatsanwaltschaft nun vor, beim Verladen der angehaltenen Person in ein Patrouillenfahrzeug den Verhältnissen nicht angepasste Gewalt angewandt zu haben.

Im konkreten Fall führte die Staatsanwaltschaft selbst die Ermittlungen und nicht die Polizei. Es seien zahlreiche Personen befragt worden, die sich zum Zeitpunkt des Vorfalls auf dem Bahnhofplatz aufgehalten hätten, heisst es in der Medienmitteilung der Staatsanwaltschaft.

Die beiden Polizeiangehörigen werden sich vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland verantworten müssen. Wie Ramona Mock, Leiterin der Medienstelle der Berner Kantonspolizei, auf Anfrage sagte, stehen die beiden Polizisten weiterhin im Dienst.

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