Stadt Zürich

    Wo der Waldteufel wohnt

    Isabella Seemann
    Isabella Seemann

    Zürich,

    Bäume fällen, um Tiere zu schützen? Was widersprüchlich klingt, erweist sich am Uetliberg als erfolgreiche Naturschutzmassnahme.

    Wo der Waldteufel wohnt
    Wo der Waldteufel wohnt. - pd

    Ein Teufel treibt am Uetliberg sein Unwesen. Allerdings einer, vor dem sich niemand fürchten muss: Der Waldteufel ist ein Tagfalter, dessen dunkelbraune Flügel markante Augenflecken tragen. Diese können Fressfeinde irritieren.

    Im Mittelland ist er so selten, dass sein Nachweis am Kamelbuckel oberhalb von Zürich-Leimbach bemerkenswert ist. Dort findet der Schmetterling, was ihm andernorts zunehmend fehlt: sonnige Waldränder, lichte Baumbestände und magere Wiesen.

    Von Uhu bis Rossameise

    Der Waldteufel gehört zu den Funden einer Fauna-Kartierung, die Grün Stadt Zürich in Auftrag gegeben hat. Zwischen April und September 2025 wiesen Fachleute am steilen Uetliberghang 119 Tierarten nach. 34 davon gelten als Spezialisten, die auf bestimmte Lebensräume angewiesen sind. Elf Arten stehen auf der Roten Liste, darunter der Uhu und die Braunschwarze Rossameise.

    Der Uhu ist Europas grösste Eule. Mit seinen auffälligen Federohren, den orangefarbenen Augen und einer Flügelspannweite von bis zu 1,70 Metern wirkt er imposant. Tagsüber ruht er, in der Dämmerung jagt er.

    Die Braunschwarze Rossameise fällt dagegen durch ihre Grösse auf: Ihre Arbeiterinnen können über einen Zentimeter lang werden. Ihre Nester legt sie in abgestorbenem oder geschädigtem Holz an. Beide Arten zeigen, wie unterschiedlich die Ansprüche der Tiere am Kamelbuckel sind.

    Vielfältige Lebensräume

    Die Artenvielfalt verdankt der Kamelbuckel seiner besonderen Landschaft. Zwischen Felsen liegen trockene und feuchte Wiesen, daneben erstrecken sich sonnige Waldpartien. «Diese Vielfalt an Lebensräumen auf engem Raum macht den Kamelbuckel besonders wertvoll», sagt Philipp Jucker, Teamleiter Artenförderung und Schutzgebiete bei Grün Stadt Zürich.

    Doch ein solcher Wald bleibt nicht von selbst licht. Wachsen junge Bäume und Sträucher ungehindert nach, beschatten sie den Boden. Wärmebedürftige Schmetterlinge und andere Insekten verlieren ihre Lebensräume.

    Deshalb hat Grün Stadt Zürich dichte Baumbestände ausgelichtet und unter anderem Föhren und Eichen mehr Raum verschafft. So entstehen Bedingungen, die vielerorts selten geworden sind. Für den Waldteufel ist das entscheidend.

    Er gilt als Zeigerart: Wo er fliegt, findet sich ein Lebensraum für weitere spezialisierte Tiere. Schweizweit ist der Falter nicht gefährdet. Im Mittelland hingegen gilt er als beinahe ausgestorben; im Kanton Zürich kennt man ihn nur noch aus wenigen Gebieten, etwa dem Tösstal und Dättlikon.

    Aufwerten und verbinden

    Damit die offenen Stellen nicht wieder zuwachsen, braucht der Wald weiterhin Pflege. «Gleichzeitig belassen wir Totholz vor Ort, da es zahlreichen Insekten als Lebensraum dient», erklärt Nils Schönenberger, Leiter Region Waldrevier Uetliberg. Die Wiesen zwischen den Bäumen werden erst im Herbst gemäht, und das nur einmal jährlich.

    Lange Grashalme bieten Schmetterlingen und Heuschrecken Möglichkeiten zum Überwintern. Auch die Verbindung benachbarter Lebensräume ist wichtig. Zwischen dem Kamelbuckel und der Fallätsche hat die Stadt eine Fläche aufgewertet, über die sich Tiere leichter ausbreiten können.

    «Diese funktioniert wie eine Verkehrsader», erklärt Philipp Jucker. Die Massnahmen gehören zum kantonalen Aktionsplan «Lichter Wald Zürich», den Stadt und Kanton gemeinsam umsetzen. Ob sich die seltenen Arten dauerhaft behaupten, sollen weitere Untersuchungen zeigen.

    Für den Waldteufel jedenfalls sind die Aussichten am Uetliberg heller geworden.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in den «Tagblatt Zürich» erschienen.

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