Wird der obligatorische Schulsport abgeschafft?
Der Bund will das Schulsport-Obligatorium abschaffen. Verbände und Politiker schlagen Alarm und warnen vor ungleichen Chancen für Kinder.

Das Wichtigste in Kürze
- Das Projekt «Entflechtung 27» plant, das Schulsport-Obligatorium ersatzlos zu streichen.
- Kritiker warnen vor Chancenungleichheit zwischen den Kantonen.
- In der Schweiz fehlen laut Experten rund hundert Turnhallen.
Drei Lektionen Sport pro Woche sind für alle Schweizer Schulkinder seit 2010 gesetzlich vorgeschrieben. Damit könnte bald Schluss sein.
Der Bund plant im Rahmen des Projekts «Entflechtung 27», das Obligatorium ersatzlos aus dem Gesetz zu streichen.
Die Begründung ist ordnungspolitischer Natur: Die Kantone finanzieren den Schulsport vollständig. Deshalb sollen sie künftig auch selbst entscheiden dürfen, wie viele Sportstunden Schülerinnen und Schüler erhalten.
Das zeigt ein erster Zwischenbericht des zuständigen Finanzdepartements, über den der «Tages-Anzeiger» berichtet.
Verbände schlagen Alarm
Für Jonathan Badan, Präsident des Schweizerischen Verbands für Sport in der Schule, ist das ein gefährlicher Schritt. «Es geht schliesslich um die Gesundheit der Kinder», sagt er der Zeitung.
Ohne Bundesvorgabe drohe eine Chancenungleichheit zwischen den Kantonen. Alle Kinder hätten das Recht auf gleich viel Bewegung, unabhängig vom Wohnkanton.
Badan beziffert zudem den bestehenden Infrastrukturmangel. Schweizweit fehlen rund hundert Turnhallen. Gerade auf der Sekundarstufe müsse man regelmässig auf externe Einrichtungen ausweichen. Auf der Primarstufe funktioniere die Infrastruktur hingegen «dank dem Druck des Gesetzes» gut.
Kritik auch aus dem Bundeshaus
SP-Nationalrätin Andrea Zryd, selbst Sportlehrerin, warnt vor den Folgen einer Abschaffung. Der Schulsport leistet einen fundamentalen Beitrag zur Gesundheitsprävention und zur Entwicklung von Jugendlichen. Die Streichung wäre laut ihr «ein verheerendes Signal an Schulkinder und Eltern».

Laut gut unterrichteten Quellen soll sich auch das Bundesamt für Sport vehement gegen die Abschaffung gewehrt haben. Das berichtet der «Tages-Anzeiger». Das Amt befürchtet, dass einzelne Kantone den Sportunterricht reduzieren oder ganz darauf verzichten könnten.
Befürworter bleiben gelassen
Mitte-Ständerat Benedikt Würth, der das Obligatorium bereits 2010 bekämpfte, hält die Bedenken für übertrieben. Die Kantone würden den Sport nicht aus dem Lehrplan streichen, ist er überzeugt. Den Turnhallenmangel sieht er nicht als sportpolitisches, sondern als raumplanerisches Problem.
Nun sind die Gemeinden am Zug: Sie können im Rahmen einer Konsultation Stellung beziehen. Dabei dürfte der Turnhallendruck eine zentrale Rolle spielen.











