Winterthur ZH: Junge Tunesier helfen gegen Fachkräftemangel
In der Winterthurer Gastrobranche fehlen Fachkräfte. Den Mangel sollen nun junge Tunesier lösen.

Laut einer Studie nimmt der Fachkräftemangel in der Schweiz ab. Doch verschiedene Branchen ächzen nach wie vor unter fehlendem Personal. Zum Beispiel im Gastrobereich.
«Der Fachkräftemangel ist eine der grössten Herausforderungen aktuell», heisst es beim Gastroverband Zürich. In Winterthur ist das nicht anders.
Gut ausgebildete Tunesier
Hier setzt das Programm «Perspectives» von Swisscontact an, das von House of Winterthur partnerschaftlich unterstützt wird. «Für Winterthurer KMU ist das eine konkrete Möglichkeit, ihren Fachkräftemangel aktiv anzugehen», sagt Andreas Wilke, Manager Standortförderung House of Winterthur.
Das Programm baut auf dem Stagiaires-Abkommen der Schweiz mit Tunesien auf, das seit 2012 besteht, aber noch wenig bekannt ist. Mit diesem Abkommen können junge Tunesierinnen und Tunesier mit Berufsabschluss befristet für 18 Monate in der Schweiz arbeiten.
Der Bewilligungsprozess dauert mit vier bis sechs Wochen vergleichsweise kurz. Jährlich können dadurch 150 Personen in die Schweiz kommen.

«Die Stellen werden nicht dem kantonalen Stellenkontingent angerechnet», sagt Rita Bucher von Perspectives. In den letzten Jahren kamen rund 30 junge Tunesier, die im Welschland Arbeit fanden. «Die Erfahrungen sind sehr gut», sagt Bucher.
Die Berufsausbildung in Tunesien sei von hoher Qualität und identisch mit dem französischen System. «Die Ausbildung ist vergleichbar mit unserem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis», so Bucher. Aber auch kulturell stünden uns die Tunesier nah.
«Es sind gut ausgebildete Personen, die sehr schnell eingesetzt werden können. Sie sind sehr motiviert, lernbereit und haben Biss», sagt Bucher. Zudem würden die jungen Fachkräfte meist auch ein rudimentäres Deutsch sprechen.
Eine Woche Probezeit
Die Anstellung in der Schweiz erfolgt nach dem entsprechenden GAV. «Die jungen Berufsleute bezahlen alles selbst, vom Flug über die Krankenkasse bis zur Unterkunft», so Bucher. Das Team von Perspectives steht den Tunesierinnen und Tunesiern aber stark zur Seite.
«Wir helfen auch bei der Integration, und die beginnt bei ganz kleinen Dingen, wie das Bündeln von Altpapier», sagt Bucher. Passt es nun überhaupt nicht, könne nach einer Probezeit von einer Woche das Arbeitsverhältnis wieder gekündigt werden.
«Unsere Erfahrungen zeigen aber, dass die Arbeitgeber mit den jungen Berufsleuten sehr zufrieden sind.» Und auch Tunesien profitiert von dem Austausch. «Die Stagiaires in der Schweiz stärken zudem die Wirtschaft in Tunesien», sagt Rita Bucher.
Mit Berufsstolz «In der Schweizer Gastrobranche ist der Bedarf an Fachkräften gross, und dieser wird aus demografischen Gründen sogar noch zunehmen», sagt Martin Barth, der an der Hotelfachschule in Luzern für die internationale Entwicklung zuständig ist. Der Branchenkenner reiste kürzlich nach Tunesien, um sich ein Bild von dem Programm zu machen.
Zurück kam er mit einem äusserst positiven Eindruck. «Die jungen Leute waren wahnsinnig aufgestellt, sehr freundlich und motiviert. Sie haben einen schönen Berufsstolz», sagt Barth.
Hinweis
Dieser Text ist zuerst in der «Winterthurer Zeitung» erschienen.








