Fachkräftemangel: Bund holt junge Berufstätige aus Tunesien

Luna Gerber
Luna Gerber

Marly,

Gegen den Fachkräftemangel setzt der Bund auf Know-how aus Tunesien. Mit dem befristeten Aufenthalt werden Arbeitgeber jedoch nicht warm.

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Die Schweiz sagt dem Arbeitskräftemangel den Kampf an – mit befristeten Praktikas für junge Tunesier. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Aufgrund von Fachkräftemangel holt der Bund mehr junge Berufsleute aus Tunesien.
  • Seit 2012 dürfen jährlich 150 Tunesier temporär in der Schweiz arbeiten.
  • Firmen wollen sie eigentlich halten, doch das Abkommen erlaubt nur befristete Jobs.

Ein junger Elektriker aus Tunesien arbeitet auf einer Baustelle in Marly FR. Mahdi Ourabi hat ein sogenanntes Smart Apartment ausgestattet. Das sind Wohnungen, die mit moderner Technologie und smarten Geräten funktionieren.

Dieses Territorium sei für ihn neu, sagt der gebürtige Tunesier gegenüber SRF. Mit Smart Homes habe er in seiner Heimat wenig Erfahrung gesammelt. Er hat sich direkt aus seiner Heimat bei einer BKW-Tochtergesellschaft beworben.

Wie in vielen Branchen herrscht auch dort beträchtlicher Fachkräftemangel. Dagegen haben die Schweiz und Tunesien 2012 ein Migrationsabkommen lanciert.

Abkommen soll ins Rampenlicht gerückt werden

Worum geht's? Bis zu 150 junge Berufsleute dürfen jährlich aus dem nordafrikanischen Land einreisen. Dafür nimmt Tunesien abgelehnte Asylbewerber zurück.

Das Kontingent wird aber bei weitem nicht ausgeschöpft. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) will deshalb das Abkommen bekannter machen. Diese sogenannten Stagiaires-Abkommen ermöglichen Arbeitsstellen für junge Fachkräfte.

Doch der Austausch hat ein Ablaufdatum: Nach ihrer Ausbildungszeit müssen die Fachkräfte wieder zurückkehren. Eine dauerhafte Migration ist nicht im Sinne des Abkommens.

Unternehmen bemängeln Befristung

Warum nutzen Firmen das Abkommen so wenig? Julian Stiels hat als Mitgründer des Medizintechnik-Startups One Twenty Mitarbeitende in Tunesien rekrutiert.

Er erklärt: Es sei genau diese zeitliche Befristung, die ihn störe. Unternehmen wollten ihre Angestellten nicht nur temporär einarbeiten, sondern langfristig binden. Dieses Anliegen teilen auch andere Arbeitgeber.

«Da bin ich komplett ehrlich», sagt Stiels zu SRF, «mein Ziel ist es, jemanden langfristig zu haben.»

Soll das Abkommen dauerhafte Aufenthalte einführen?

Mahdi Ourabi wusste von Anfang an um die Befristung. Sein Ziel sei nicht, dauerhaft zu bleiben. Trotzdem betont er bei SRF seine Bemühungen um Anerkennung seiner tunesischen Diplome in der Schweiz.

Der Fachkräftemangel beschäftigt die Schweizer Wirtschaft seit Jahren. Besonders in technischen Berufen und im Gesundheitswesen fehlen qualifizierte Arbeitskräfte.

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