Werkhof Aarau fischt Handys aus unterirdischen Müllcontainern
Der Werkhof Aarau sorgt dafür, dass die Stadt sauber, gepflegt und funktionstüchtig bleibt. Wie vielfältig diese Arbeit ist, zeigte ein besonderer Rundgang.

Das Forum Schlossplatz lud dazu im Rahmen seiner aktuellen Ausstellung «Es läuft – vom Instandhalten der Dinge» ein.
«Überall, wo wir etwas instandhalten, ist es uns etwas wert», erklärte Lena Friedli, Leiterin des Forums Schlossplatz und Kuratorin der Ausstellung, zur Begrüssung. Das rund 300-jährige, denkmalgeschützte Gebäude sei selbst ein Beispiel dafür, wie aufwendig der Erhalt historischer Bausubstanz sein könne. Auch der Aarauer Bachfischet, der dieses Jahr sein 500-Jahr-Jubiläum feierte, gehe auf die Instandhaltung des Stadtbachs zurück.

Die Ausstellung «Es läuft – vom Instandhalten der Dinge» beleuchtet das Thema anhand von sieben zeitgenössischen Kunstpositionen. Dazu gehört das Künstlerduo Michael Meier und Christoph Franz, das sich häufig bei seinem Schaffen mit dem öffentlichen Raum beschäftigt.
Gemeinsam mit Mitarbeitenden des Werkhofs Aarau führten die beiden durch die Stadt und stellten Fragen zu den oft unsichtbaren Arbeiten hinter einem funktionierenden Stadtleben.
Von Stadttauben und trockenem Rasen
Erste Station war einer der beiden Aarauer Taubenschläge im Dachgeschoss des Ärztehauses am Graben 9. Hier betreut Giuseppe Graziano als langjähriger Taubenzüchter rund 70 ausgewachsene Stadttauben samt Nachwuchs.
Er füttert die Tiere, kontrolliert ihren Gesundheitszustand und reguliert die Vermehrung. Der Werkhof entsorgt regelmässig den Taubenkot. Alle vier bis sechs Wochen fallen dabei rund zwei grosse Fässer an.

Im Kasinopark erläuterten Markus Vogel, stellvertretender Werkhofleiter, und Peter Schlienger die Herausforderungen der Parkpflege.
Der Rasen muss wegen Trockenschäden erneuert werden. Bei Neupflanzungen setzt die Stadt zunehmend auf trockenheitsverträgliche Bäume aus dem Mittelmeerraum. Auch der Spielplatz wird wöchentlich visuell kontrolliert.
Die meisten Parkbesucher verhielten sich rücksichtsvoll, berichtete Vogel. Probleme bereiteten vor allem nächtlicher Vandalismus und zerbrochene Flaschen. «Im Sommer gehen wir täglich bis zu dreimal durch den Park», sagte er. Dabei werden insbesondere die Abfallkübel geleert.
Viel Arbeit bleibt unsichtbar
Der Werkhof beschäftigt insgesamt 53 Mitarbeitende. «Es gibt sehr viele Arbeiten zu erledigen, die nicht sichtbar sind», betonte Dominik Staub, Teamleiter Stadtgrün. Sein Bereich kümmert sich um sämtliche Grünflächen. Schliengers Aufgaben umfassen unter anderem die Innenstadt- und Parkreinigung, das Mähen von Sportplätzen, Kanalreinigungen und den Winterdienst.
Markus Vogel organisiert alle Unterhaltsarbeiten, bearbeitet Reklamationen aus der Bevölkerung und ist für den Stadtbach verantwortlich. Dort sorgen zunehmend auch Biber für Herausforderungen. Ihre Bauten und Unterhöhlungen können den Wasserzufluss beeinträchtigen und erfordern regelmässige Kontrollen.
Vom öffentlichen WC bis zum Ehgraben
Eine weitere Station führte zur neuen öffentlichen WC-Anlage beim Durchgang zwischen Färbergässli und Pelzgasse. Sie steht seit Ende Juli 2026 kostenlos zur Verfügung.
Der Werkhof ist für die Reinigung zuständig. Gegenüber befindet sich zudem eine rollstuhlgängige Toilette, die mit dem Eurokey zugänglich ist.
Wenige Schritte weiter erhielten die Teilnehmenden Einblick in einen der historischen Ehgräben. Diese schmalen Zwischenräume zwischen Häuserzeilen dienten im Mittelalter als Abwasser- sowie Entsorgungssystem und haben entsprechende gerochen.
Heute sind sie nicht öffentlich zugänglich, müssen aber regelmässig von Schmutz und Vogelkot befreit werden.
Verlorene Handys und unerwünschte Graffiti
Auch die Unterflursammelstelle in der Altstadt gehören zum Aufgabenbereich des Werkhofs. Die Sammelbehälter werden wöchentlich mit einem Lastwagen geleert.

Gelegentlich landen darin versehentlich Schlüssel oder Mobiltelefone. «Die fischen wir wieder heraus», berichteten die Werkhofmitarbeiter. Gegen eine Gebühr erhalten die Besitzer ihre Gegenstände zurück.
Daneben entfernt der Werkhof illegale Graffiti von Gebäuden der Altstadt. Besonderes Augenmerk gilt dabei sexistischen oder politischen Botschaften.
Damit der Stadtbach weiterfliesst
Den Abschluss bildete die Schlossmühle mit ihrem Wasserrad. Auch dessen Unterhalt sowie die Pflege des Stadtbachs und seiner Ufer gehören zu den Aufgaben des Werkhofs.
Der Rundgang machte deutlich, wie viel Organisation, Fachwissen und täglicher Einsatz durch den Werkhof Aarau nötig sind, damit der öffentliche Raum funktioniert. «Wir erhalten von den Leuten viel Lob und positives Feedback», freute sich Staub.
Was im Alltag selbstverständlich erscheint, ist das Ergebnis kontinuierlicher Arbeit – und einer Wertschätzung für die Stadt, die weit über das blosse Sauberhalten hinausgeht.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Aarauer Nachrichten» erschienen.








