Abfall-Jagd: In Rothrist AG wird sogar Nummernschild weggeworfen!
Seit 2018 setzt sich CleanUp Rothrist AG für saubere Strassen ein. Am nationalen Clean-Up Day lud die Initiative zum gemeinsamen Strassenräumen ein.

Das Wichtigste in Kürze
- Seit 2018 setzt sich CleanUp Rothrist AG für saubere Strassen ein.
- Die Gruppe, bestehend aus fünf Frauen, geht einmal pro Woche auf Abfalljagd.
- Sogar ein Nummernschild wurde schon als Abfall eingesammelt.
Keine 20 Meter kommt Tabea Grieder-Wittwer von CleanUp Rothrist vom Treffpunkt beim Feuerwehrmagazin in Rothrist AG, bevor die Hand zum ersten Mal zur Greifzange wandert.
Zahlreiche Zigarettenstummel hier, Energydrink-Dosen diverser Marken da: Besonders an der nahe gelegenen Neuen Aarburgerstrasse, die zur Autobahn A1 führt, wartet eine wahre Abfallflut auf die Mülljäger.
«Schnellstrassen sind wie Bahnhöfe und Schulen ein neuralgischer Punkt», weiss Grieder-Wittwer. Seit mehreren Jahren ist sie eine von fünf Frauen, die bei CleanUp Rothrist einmal pro Woche auf Abfalljagd gehen.
Die Initiative «CleanUp Rothrist» ist aus dem Engagement der inzwischen verstorbenen Esther Marbach entstanden. 2018 machte sie sich erstmals mit charakteristischer, oranger Warnweste und umfunktioniertem Velo auf Abfalljagd und erlangte regionale Bekanntheit.

Doch weiter an der Neuen Aarburgerstrasse: Aus den Abfällen und deren Fundort lassen sich ganze Szenarien rekonstruieren.
Etwa vor einem Hotel samt Bushaltestelle: Eine leere Wodkaflasche türmt sich neben Red-Bull-Dosen in allen Farben und dem dazugehörigen Verpackungskarton. Vermutlich wurde hier ein ausgiebiges Saufgelage «gefeiert».
Daneben gesellen sich Becher und Tüten bekannter Fast-Food-Ketten – vielleicht für den Hunger nach dem anfänglichen Durst.
Auf dem Mittelstreifen zur Autobahneinfahrt finden sich zahlreiche PET-Flaschen mit hellgelbem Inhalt. Aber hier bedarf es wenig Fantasie: Die verrichtete Notdurft.
Sisyphusarbeit im eigenen Auftrag
Die regelmässigen Aufräumaktionen von CleanUp Rothrist grenzen an eine Sisyphusarbeit. «Manchmal sammle ich morgens den Müll an einer Strasse ein, nur um abends im Auto die gleiche Strasse wieder vermüllt zu sehen», berichtet Tabea Grieder-Wittwer.
Der Unterschied zur bestraften Figur aus der griechischen Mythologie: Hier geschieht alles auf eigenes Geheiss. Oder eher: «Irgendwer muss es ja machen!»
Die Tour geht nun in Richtung Rishalden. Hier zeigt sich im Wohngebiet ein sauberes Bild, die Greifzange kann kurz ruhen.

Erst am Ausgang des Wohngebiets, bei der Unterseite der Bahnübergangsbrücke, wird es wieder ungemütlich: Auch hier schienen sich einige Zeitgenossen dem Mischkonsum von Alkohol und Energy-Drinks zu frönen. Halb so schlimm, würden sie nur den Müll wieder mitnehmen.
Gesunder Menschenverstand
Ob Grieder-Wittwer glaubt, dass sich das Bewusstsein für Littering verändert? «Nicht wirklich», sagt sie ernüchtert. Eigentlich müsse das Bewusstsein klar vom Elternhaus kommen – doch dieses lasse offenkundig zu wünschen übrig.
Und tatsächlich weisen viele der am Boden gefundenen Gegenstände – Energy-Drinks, Vapes, Süssgetränke – eher auf eine junge Zielgruppe hin als auf betagte Seniorinnen und Senioren.
Eine Rolle sollte das Alter aber ohnehin nicht spielen: «Am Schluss ist es der gesunde Menschenverstand, der so etwas verhindern sollte.»
Dass Abfall nicht nur lästig, sondern auch gefährlich sein kann, zeigt sich ein paar Meter weiter bei der Unterführung neben dem Coop Supermarkt. Hier liegen überall scharfe Glasscherben, die sich nur mit Handschuhen aufsammeln lassen.
Doch auch unversehrte Gegenstände können für Tier und Mensch zur Gefahr werden: Liegengelassene Vapes können bei praller Sonne und hohen Temperaturen – die dieser Sommer zweifellos lieferte – explodieren. Zusammen mit der extremen Trockenheit ergibt das eine Mischung, die nichts Gutes verheisst.
Sechs Säcke in drei Stunden
Nach rund drei Stunden hat der «Schreck» ein Ende. Nach sauberer Trennung des Abfalls kommen sechs 60-Liter-Abfallsäcke zusammen.
Dazu noch ein «Trotti» – zum Glück nicht in der E-Variante.

Und obwohl sich die «Ausbeute» sehen lassen kann, ist die Menge des gefundenen Abfalls an sich kein gutes Zeichen.
Darüber, dass in einer Woche wohl wieder genauso viel zusammenkommen wird, ist beim abschliessenden Apéro kein Thema. Man geniesst lieber den Moment – auch wenn der nächste Kampf gegen den Abfall bereits vorprogrammiert ist.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Aarauer Nachrichten» erschienen.












