Wegen Regen: Schweizer feuern wieder im Wald
Ein bisschen Regen und schon wird wieder grilliert: In der Schweiz werden trotz weiterhin geltendem Feuerverbot Feuerstellen angezündet.

Das Wichtigste in Kürze
- In vielen Regionen bleibt Grillieren wegen akuter Waldbrandgefahr verboten – trotz Regen.
- Wer das Verbot missachtet, riskiert Bussen und gefährliche Brände.
- Polizei und Feuerwehr melden nur vereinzelt Verstösse gegen die geltenden Feuerverbote.
Nach etlichen Wochen auf dem Trockenen hat der Himmel endlich die Schleusen geöffnet.
Für die Natur ein Segen – für manche offenbar die Einladung, wieder den Grill anzuwerfen. Doch aufgepasst: In weiten Teilen der Schweiz herrscht weiterhin höchste Waldbrandgefahr.
Wer jetzt trotz Verbot ein Feuer entfacht, riskiert nicht nur eine Busse, sondern kann im dümmsten Fall einen Waldbrand auslösen.
Wie schnell ein paar Regentage offenbar vergessen lassen, dass die Gefahr noch nicht gebannt ist, zeigt ein Facebook-Beitrag. Direkt neben einem Warnschild entdeckte ein User eine benutzte Feuerstelle.
Der Kommentar in einer regionalen Gruppe ist unmissverständlich: «Es gibt sie leider immer wieder: Die Unvernünftigen…!»
Dazu postete der Nutzer ein Bild der offenbar benutzten Feuerstelle und hält fest: «Trotz Regen in den letzten Tagen, Das Feuerverbot ist in unserem Kanton noch nicht aufgehoben!»
«Einfach schade…»
Und trotzdem seien die Feuerstellen in seiner Region zum Grillieren benutzt worden. Sein Fazit: «Einfach schade…»
Das Problem: Was sich nach nass angefühlt hat, reicht vielerorts schlicht nicht aus. Der Regen hat die Brandgefahr zwar teilweise entschärft – verschwunden ist sie aber nicht.
In zahlreichen Kantonen und Regionen gilt weiterhin Gefahrenstufe 5, also die höchste Stufe. Vielerorts bedeutet das ein absolutes Feuerverbot. Je nach Regelung kann dieses nicht nur Wald und Waldrand betreffen, sondern auch Feuer in Siedlungsgebieten oder Grillieren mit Holzkohle.
Zwar wurden die Verbote nach den Niederschlägen in einzelnen Gemeinden und Kantonen bereits gelockert. Von einer schweizweiten Entwarnung kann aber keine Rede sein.
Mehr Beschwerden nach Regen?
Immerhin: Die grosse Mehrheit scheint sich an die Regeln zu halten.
Bei der Kantonspolizei Aargau gingen vor und nach dem Regen ähnlich viele Meldungen ein. Das erklärt Dominic Zimmerli auf Anfrage von Nau.ch. Dabei ging es grundsätzlich um Fälle im Zusammenhang mit Grillieren und dem Einsatz von Holzkohlegrills.
Auch im Kanton Luzern gibt es Verstösse: Seit Inkrafttreten des Feuerverbots am 25. Juni 2026 gingen dort mehr als drei Dutzend Anzeigen ein.

Mediensprecher Urs Wigger relativiert jedoch gegenüber Nau.ch: «Im Grossen und Ganzen wurde das Feuerverbot bisher gut eingehalten.» Ob es seit den jüngsten Regenfällen tatsächlich mehr Meldungen, Beschwerden oder Widerhandlungen gegeben habe, lasse sich derzeit nicht verlässlich sagen.
Auch in Bern keine Häufung
Ähnlich tönt es aus Bern. «Wir verzeichnen vereinzelt Meldungen im Zusammenhang mit möglichen Widerhandlungen gegen das Feuerverbot, stellen jedoch keine Häufung fest.» Das sagt Gregory Zwygart von der Kantonspolizei Bern gegenüber Nau.ch.
Einen Zusammenhang mit dem Regen könne man allerdings nicht herstellen. Die Wetterlage werde statistisch nicht erfasst.
Der Mediensprecher betont: «Die Erfahrungen zum Nationalfeiertag zeigen, dass die Berner Bevölkerung insgesamt gut über die geltenden Feuer- und Feuerwerksverbote informiert ist.»
Winterthur: Nur ein Fall wegen Regen
Auch in Winterthur scheint die Vernunft zu überwiegen. Auf Anfrage erklärt Mediensprecherin Nicole Mettler: «Die Bevölkerung hält sich grundsätzlich ans absolute Feuerverbot, auch der Stadtpolizei Winterthur sind nur wenige Verstösse auf Stadtgebiet bekannt.»
Bemerkenswert: «Der Stadtpolizei Winterthur liegt lediglich ein Fall vor, bei welchem die Niederschläge als Grund für den Verstoss genannt worden sind.»
Doch auch das ist kein Grund zur Entwarnung. Im Gegenteil: Nach dem Regen seien die Temperaturen wieder auf gegen 30 Grad gestiegen: «Ein Teil der Niederschläge ist deshalb bereits wieder verdunstet, oder wird es in den nächsten, voraussichtlich ebenfalls heissen Tagen.»

Wie viel Wasser tatsächlich im Boden bleibe und wie tief die Feuchtigkeit reicht, sei derzeit schwer einzuschätzen. «Die Lage wird laufend beurteilt.»
Zürich erst zwei Mal ausgerückt seit Regen
Auch Schutz & Rettung Zürich kann keine Zunahme der Einsätze nach den Regenfällen feststellen. Seit Freitag bis Montag mussten die Ortsfeuerwehren des Kantons Zürich lediglich zweimal ausrücken.
Mediensprecher Marco Grendelmeier sagt auf Anfrage: «Vom 17. bis 21. August waren es zehn Einsätze aufgrund von Bränden einer Wiesenfläche oder Bäumen oder Büschen.»
Ob darunter auch Fälle waren, bei denen trotz geltendem Feuerverbot ein Feuer entzündet wurde, ist nicht bekannt. Ebenso offen bleibt, ob dabei jemand davon ausging, dass mit den ersten Regentagen auch die Brandgefahr verschwunden sei.















