Wegen Nachhaltigkeit: Migros köpft die Ananas
Mit ihrer grünen Krone unverkennbar: Die Ananas! Für die Migros muss die exotische Frucht ihr Markenzeichen neuerdings ablegen – aus ökologischen Gründen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Migros verkauft Ananas neu ohne Krone – die Qualität bleibe aber gleich.
- Grund sind Platz- und Gewichtseinsparungen bei Verpackung und Transport.
- Ein Experte ordnet ein, wie viel Sinn die kronenlose Ananas ergibt.
Nicht schlecht staunen Ananas-Liebhaber neuerdings in der Migros: Ihrer geliebten Frucht fehlt plötzlich das Markenzeichen – Die grüne Krone.
Seit Ende Januar setzt die Migros in ihren Filialen nämlich auf kronenlose Ananas.
Der Grund? Es sollen Platz und Gewicht bei Verpackung und Transport eingespart werden. Die Haltbarkeit, so die Migros, sei dadurch nicht beeinträchtigt.
Migros-Mediensprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir kann gegenüber Nau.ch nur loben: «Ohne Krone entsteht weniger Abfall, und die CO₂-Emissionen im Transport und der Produktion können um 30 Prozent reduziert werden.»
Die Krone werde im Ursprungsland zudem sinnvoll weiterverwendet: «80 Prozent werden kompostiert und 20 Prozent für neue Pflanzungen genutzt», so Huguenin-dit-Lenoir. Die Kundschaft profitiere von weniger Abfall zu Hause und einem einfacheren Transport.
Ananas weiterhin gleich beliebt
Auch die Rückmeldungen seien überwiegend positiv. Kundinnen und Kunden würden sich über mehr Platz in der Einkaufstasche freuen – und über weniger Gewicht. «Die Nachfrage ist unverändert hoch», so Huguenin-dit-Lenoir.
Das sagen die Migros-Kunden
Die Kunden finden's grösstenteils gut. Bei «Migipedia», der Communityseite des orangen Riesen, erhält die geköpfte Ananas 4,1 von 5 Punkten. Sie sei «sehr saftig», jubeln einige. Andere trauern: «Schade, sind die Blätter entfernt.»
Für Alban Muret, Geschäftsführer von «Foodward», ergibt das neue Verfahren aus nachhaltiger Sicht «absolut» Sinn. «Foodward» engagiert sich als unabhängige Stiftung für die Transformation zu einem regenerativen Food-Wertschöpfungsnetzwerk.

Muret sagt zu Nau.ch: «Solche kleineren Anpassungen sind wichtige Beiträge zur Reduktion von Emissionen, die sich in der Menge summieren.» Zwar macht die Krone nur etwa fünf bis zehn Prozent des Gewichts aus.
«Beim Volumen ist der Unterschied aber gross, da ohne Krone die Ananas kompakter gepackt werden kann.» Dies verbessere die Auslastung der Transportverpackungen.
Weniger Emissionen beim Transport
Solche neuen Verfahren würden neue Standards im nationalen und internationalen Handel etablieren. Das wiederum könne zu einer noch grösseren Emissionsreduktion im globalen Ananas-Transport führen.
«Ergänzend wird dadurch die Wertschöpfung im Herkunftsland erhöht und die Möglichkeit geschaffen, dass lokale Produzenten das organische Pflanzenmaterial direkt vor Ort weiterverwenden können.»

So nachhaltig das Ganze klingt, was ist mit der Qualität der exotischen Frucht? Die Migros betont, die Qualität werde durch die Köpfung nicht beeinträchtigt, die Haltbarkeit sei gewährleistet.
«Potentielles Eintrittstor für Keime»
Ganz risikolos ist der Vorgang dennoch nicht. «Kritisch ist die Schnittstelle als potenzielles Eintrittstor für Keime», erklärt Muret. Bei professioneller Handhabung bestehe jedoch kein Problem: «Wenn Schnitt, Hygiene und Kühlkette sauber sind, hat es keine negativen Auswirkungen.»
Traditionell wurde die Ananas mit Krone importiert, wobei diese «primär als optisches Frischemerkmal» diente. Und «als Greifhilfe im manuellen Handling», so Muret.
Auch in Deutschland hat sich die kronenlose Ananas bereits in den Regalen etabliert. Der Discounter Penny, Teil der Rewe-Gruppe, verzichtet seit September 2025 in über 200 Filialen auf den Kopfschmuck.
Reife-Test fällt weg
Einziger Nachteil für Ananas-Fans bei der Migros: Der beliebte Reife-Test fällt weg.
Normalerweise gilt eine Ananas als reif, wenn sich die inneren Blätter der Krone leicht lösen lassen. Bei der kronenlosen Ananas bleibt der Kundschaft nur, sich auf Geruch und Aussehen zu verlassen.
















