Wegen KI: Verbindliche Prognosen für Berufsberater immer schwieriger
KI verändert die Arbeit der Berufsberater umfassend. Fragen zur Zukunft sind immer schwieriger zu beantworten. Experten zeigen auf, was die Jungen nun brauchen.

Das Wichtigste in Kürze
- Welche Berufe sind in zehn Jahren noch gefragt? Das wissen auch Berufsberater nicht mit Sicherheit.
- Denn die KI hält quasi überall Einzug. Entsprechend braucht es Anpassungsfähigkeit.
- Zukunftsforscher Lars Thomsen sagt: «Neues lernen und dies als Spass zu sehen, ist die beste Versicherung für die Zukunft.»
«Wenn ich mal gross bin, möchte ich Astronautin werden.»
Abstrakte Berufswünsche gab es schon immer. Doch heutzutage werden sogar realistische Vorstellungen wie Juristin oder Programmierer zu unsicheren Zukunftsplänen.
Denn die Künstliche Intelligenz hält in immer mehr Branchen Einzug. Auch dort, wo man es nicht erwartet hätte.

«Gerade Berufe, bei denen man vor einigen Jahren noch davon ausging, dass sie durch KI wenig betroffen sein würden, wie Informatiker, Mediamatiker und Juristen, sind heute überdurchschnittlich von KI betroffen», sagt Daniel Reumiller, Präsident der Schweizerischen Konferenz für Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung.
Heute könne man zwar davon ausgehen, dass handwerkliche Berufe vorderhand noch wenig von KI betroffen sein werden. «Aber auch dies kann sich je nach Entwicklungen im Bereich Robotik plötzlich und unerwartet ändern», so Reumiller zu Nau.ch.
Praxisnähe und Verantwortung gelten als Trumpf
Als krisensicherer angenommen werden Berufe mit Praxisnähe, hoher menschlicher Verantwortung und Berufe, in denen Fachkräftemangel herrscht.
Neben dem Handwerk gehören zum Beispiel auch Pflegeberufe dazu. «Aufgrund der rasanten Entwicklungen im Bereich KI ist es jedoch kaum möglich, pauschale Aussagen zu machen», heisst es auch beim Amt für Jugend und Berufsberatung des Kantons Zürich auf Anfrage.

Das wirkt sich auf die Arbeit der Berufsberaterinnen und Berufsberater aus. «Fragen zum künftigen Bedarf an Arbeitskräften in der verschiedenen Berufen, aber auch Fragen zur inhaltlichen Entwicklung von Berufsbildern werden immer schwieriger zu beantworten», sagt Daniel Reumiller.
Berufsberatende würden so oder so keine Berufe oder Ausbildungen «empfehlen». Es gehe vielmehr darum, die richtigen Fragen zu stellen und auf mögliche Risiken und Strategien hinzuweisen, wie man mit diesen Risiken umgehen könne.
Dennoch ist es gemäss Reumiller falsch, bei der Berufswahl nur auf den KI-Einfluss zu achten. «Es wäre verfehlt, einem oder einer Jugendlichen einen Berufswunsch ausreden zu wollen, wenn er oder sie ein starkes Interesse hat und gleichzeitig die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt.»
KV wurde totgesagt – doch es lebt noch
Zuversichtlich stimmt: Sehr gute Berufsleute wird es gemäss Reumiller in Zukunft auch in jenen Berufen geben, bei denen die Nachfrage wegen KI-Entwicklungen stark zurückgeht. Dort sei es umso wichtiger, vom Berufsentscheid überzeugt und bereit zu sein, entsprechend in Ausbildung und Beruf zu investieren.
Als Beispiel nennt Daniel Reumiller die kaufmännische Lehre, das KV. Dieses sei schon vor langer Zeit und wohl mehrmals totgesagt worden. Aber: «Berufe im kaufmännischen Bereich sind nicht verschwunden, haben sich aber stark verändert, und damit auch das Aufgaben- und Skills-Profil der Berufsleute.»
Wer also in einen von KI bedrohten Beruf einsteigen wolle, sollte dies durchaus tun, wenn er ein entsprechendes «Feuer» mitbringe und bereit sei, sich immer wieder anzupassen.
Berufsberater würden dies mit den sogenannten Laufbahngestaltungskompetenzen entsprechend fördern.
Zukunftsforscher: «Lernen muss Spassfaktor sein»
Ähnlich sieht es Zukunftsforscher Lars Thomsen. «Die beste Versicherung für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre ist es, immer wieder Neues dazuzulernen und das Lernen zu einem Spassfaktor zu machen.»
Er selber habe seine aktivste Lernzeit nicht als 20-Jähriger erlebt, sondern jetzt mit 58 Jahren, erzählt er gegenüber Nau.ch.

Wichtig sei es, die Künstliche Intelligenz nicht als Feind zu sehen. Sondern zu lernen, ihr die richtigen Fragen zu stellen. Denn die gute Seite an der KI sei, dass man dank ihr innert kürzester Zeit zur Expertin oder zum Experten in einer Sache werden könne.
Deshalb sei es für junge Leute in der Berufswahl und der Ausbildung wichtig, flexibel und neugierig zu bleiben sowie Eigeninitiative zu zeigen. «Man kann nicht mehr passiv in einen Beruf reingehen und einfach tun, was einem gesagt wird», so Lars Thomsen.
Die erfolgreichsten Berufe würden in Zukunft jene sein, in denen menschliche Intelligenz mit künstlicher Intelligenz gepaart wird.







