Anders als bei den an Land lebenden Insekten blieb der Reichtum an Wasserinsekten zuletzt stabil. Das könnte sich aber bald ändern.
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Die Artenzahlen von Insekten, die wie die Steinfliege Nemoura flexuosa empfindlich auf Pestizide reagieren, sind stabil geblieben. - sda - Verena Lubini

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Welt der Wasserinsekten blieb im letzten Jahrzehnt stabil oder wurde vielfältiger.
  • Laut Forschenden könnte es sich jedoch nur um einen Übergangszustand handeln.
  • Die an Land lebenden Insekten schwinden zusehends.

Der Reichtum von Wasserinsekten ist im vergangenen Jahrzehnt in der Schweiz stabil geblieben oder hat sogar zugenommen. Es könnte sich gemäss den Studienautoren aber um einen Übergangszustand handeln, der mit dem Klimawandel kippen könnte.

Insekten schwinden zusehends, wie eine Fülle von Studien nahelegt. Jedoch zeigt sich verschiedentlich, dass zwar die Zahl der an Land lebenden Insekten in vielen Gebieten zurückzugehen scheint, nicht aber die der an Wasser lebenden.

Dem gingen Forschende um Friederike Gebert von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) nun für die Schweiz auf den Grund. Sie werteten die Entwicklung des Reichtums der Wasserinsekten des letzten Jahrzehnts aus. Die im Fachjournal «Biology Letters» der Royal Society publizierten Ergebnisse mögen überraschen.

Forscher sehen «Übergangszustand»

Denn die Forschenden beobachteten, dass wärmeliebende und Pestizid-tolerante Artengruppen während des untersuchten Zeitraums tatsächlich zunahmen. «Die Zunahme der Artenvielfalt findet vor allem in mittleren Höhenlagen statt, und zwar durch Arten, die wahrscheinlich aus tieferen Lagen zuwandern und gut mit wärmeren Bedingungen umgehen können», sagte der WSL-Forscher Kurt Bollmann gemäss einer Mitteilung vom Mittwoch.

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Der Zeitraum mit einem reichlichen Angebot an Wasserinsekten für Vögel hat sich verkürzt. - Keystone

Kälteliebende Artengruppen und solche, die empfindlich auf Pestizide reagieren, wiesen demgegenüber stabile Trends auf. Die Forschenden spekulieren, dass es sich hierbei um einen «Übergangszustand» handeln könnte, der im Zuge der Klimaerwärmung zum lokalen Rückgang und schliesslich zum Aussterben kälteangepasster Arten führen könnte. Die Welt der Wasserinsektenwelt würde eintöniger.

Es seien jedoch längere Zeitreihen nötig, um herauszufinden, ob die beobachteten Trends anhielten, betont das Team der WSL und des Wasserforschungsinsituts Eawag. Denn verlässliche Aussagen lassen sich nur auf Grundlage von realen Daten machen.

Spezialisierte und kälteliebende Insekten leiden

In die aktuelle Analyse flossen systematische Monitoringdaten ein, die zwischen 2010 und 2019 an rund 440 Standorten in der Schweiz gesammelt wurden.

Ein Bericht zum Zustand der Schweizer Insektenwelt vom letzten Jahr des Forums Biodiversität der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) wies bereits darauf hin, dass in den letzten Jahrzehnten insbesondere spezialisierte und kälteliebende Insekten gelitten hätten.

Hauptgrund für den Rückgang: Der nicht nachhaltige Umgang mit der Umwelt. Sei es durch intensive Landnutzung, Pestizide, Lichtverschmutzung oder die Klimaerwärmung. Wärmeliebende und generalistische Insekten hingegen breiteten sich gemäss den Biodiversitätsforschenden in den vergangenen zwanzig Jahren eher aus.

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