Was Bienen über den Kanton Zug erzählen

Uwe Guntern
Uwe Guntern

Region Zug,

Honig ist nicht gleich Honig: Der Zuger Honig Award 2026 zeigt die Vielfalt regionaler Sorten und die Arbeit der Imkerinnen und Imker.

Je nachdem, welche Pflanzen den Bienen als Nahrungs
Je nachdem, welche Pflanzen den Bienen als Nahrungsquelle dienen, unterscheiden sich Farbe, Duft, Konsistenz und Geschmack deutlich. - Adobe Stock

Wer Honig auf dem Frühstückstisch vor sich hat, sieht auf den ersten Blick vor allem eines: eine goldene, süsse Masse. Doch in jedem Glas steckt weit mehr als ein Brotaufstrich. Honig ist gewissermassen ein kulinarischer Abdruck seiner Umgebung.

Welche Pflanzen in der Nähe blühen, welche Wiesen gemäht werden, wo Wald und Kulturlandschaft aufeinandertreffen – all das kann sich im Geschmack bemerkbar machen. Genau diese Vielfalt steht beim Zuger Honig Award 2026 im Mittelpunkt.

Der Wettbewerb des Zuger kantonalen Imkervereins lädt seine Mitglieder dazu ein, ihre Honige einzureichen und sich dem Urteil einer fachkundigen Degustation zu stellen.

Gesucht wird dabei nicht einfach der Honig mit der schönsten Farbe oder der stärksten Süsse. Entscheidend ist das Zusammenspiel verschiedener Eigenschaften: Aussehen, Konsistenz, Aroma und Geschmack werden sorgfältig unter die Lupe genommen.

Die Landschaft sitzt mit am Tisch

Dass Honig von Bienenstand zu Bienenstand unterschiedlich schmecken kann, ist kein Zufall. Bienen sammeln ihren Nektar und Honigtau dort, wo sie Nahrung finden. Im Frühling locken Obstbäume und zahlreiche Blüten, später prägen Wiesenpflanzen und andere Gewächse das Angebot.

Gelagerter Honig
Dass Honig von Bienenstand zu Bienenstand unterschiedlich schmecken kann, ist kein Zufall. (Symbolbild) - Depositphotos

Auch Waldpflanzen können dem Honig ihren eigenen Charakter verleihen. Für die Bienen bedeutet das: Je nach Jahreszeit und Standort finden sie eine andere Mischung vor. Für die Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet es eine erstaunliche geschmackliche Bandbreite.

Zwei Bienenstände, die geografisch gar nicht weit voneinander entfernt liegen, können Honige hervorbringen, die sich bei Aroma, Farbe oder Konsistenz deutlich voneinander unterscheiden. Damit wird der Honig zu einem besonderen regionalen Lebensmittel.

Er ist nicht nur «aus Zug», sondern kann ganz konkret widerspiegeln, was in einer bestimmten Landschaft wächst und blüht. Der Award will genau diese Besonderheit sichtbar machen und das Bewusstsein für lokal produzierte Lebensmittel stärken.

Hinter dem Glas steckt viel Arbeit

Was auf dem Frühstückstisch selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis eines langen Zusammenspiels von Natur und menschlicher Sorgfalt. Imkerinnen und Imker begleiten ihre Völker durch das gesamte Jahr.

Sie beobachten die Entwicklung der Bienenvölker, behalten deren Gesundheit im Auge und müssen den richtigen Zeitpunkt für die Honigernte erkennen. Auch nach der Ernte ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Der Honig wird nicht einfach aus den Waben genommen und abgefüllt. Eine sorgfältige Verarbeitung trägt dazu bei, seine Eigenschaften zu erhalten. Am Ende entscheidet somit nicht allein die Natur über die Qualität eines Honigs.

Auch das Können und die Erfahrung der Imkerinnen und Imker spielen eine wichtige Rolle. Der Zuger Honig Award würdigt deshalb mehr als ein Lebensmittel.

Honig Bienenstock
Imkerinnen und Imker begleiten ihre Völker durch das gesamte Jahr. (Symbolbild) - keystone

Er rückt die Menschen hinter dem Produkt ins Zentrum und macht ihre Arbeit sichtbar. Gleichzeitig lenkt er den Blick auf die Bedeutung gesunder Bienenvölker und einer vielfältigen Landschaft.

Kleine Tiere, grosse Bedeutung

Bienen sind für die Landwirtschaft und die Natur von grosser Bedeutung. Wo sie unterwegs sind, treffen sie auf eine Vielzahl von Pflanzen und tragen zugleich zur Bestäubung bei.

Eine vielfältige Kulturlandschaft bietet ihnen ein breites Nahrungsangebot – und schafft damit auch die Grundlage für die unterschiedlichen Honigsorten. Der Honig selbst wird so zu einer Art Momentaufnahme der Landschaft.

Er erzählt von einer Jahreszeit, einem Standort und den Pflanzen, die dort gerade blühten. In dieser Hinsicht unterscheidet er sich von vielen anderen Lebensmitteln: Seine Herkunft lässt sich nicht nur auf einem Etikett ablesen, sondern kann sich direkt in den Sinnen bemerkbar machen.

Der Award gibt dieser regionalen Besonderheit eine Bühne. Die eingereichten Honige werden im September von Fachleuten degustiert und bewertet. Dabei geht es nicht nur um die Frage, welcher Honig am besten schmeckt.

Der Wettbewerb macht auch deutlich, wie viel Vielfalt in einem scheinbar einfachen Naturprodukt steckt. Noch bis zum 31. August 2026 können Mitglieder des Zuger kantonalen Imkervereins ihre Honige für den diesjährigen Award einreichen. Im September folgt die fachkundige Degustation.

Isst du gern Honig?

Die prämierten Honige werden anschliessend ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet am Mittwoch, 9. September, um 19 Uhr im Rahmen des Saisonhöcks in der Kantine Schluechthof in Cham statt.

Vielleicht wird dort ein Honig ausgezeichnet, der besonders blumig duftet, ein anderer mit seiner feinen Konsistenz überzeugt oder einer mit einem charakteristischen Aroma überrascht.

Welcher am Ende die Nase vorn hat, entscheidet die Degustation. Sicher ist jedoch schon jetzt: Ein Glas Zuger Honig enthält mehr als Nektar, den Bienen gesammelt haben.

Es enthält ein Stück Jahreszeit, ein Stück Landschaft und ein Stück Handwerk. Wer Honig bewusst degustiert, kann darin vielleicht sogar erahnen, wo die Bienen unterwegs waren.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in der «Zuger Woche» erschienen.

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