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    Warnsignale ernst nehmen

    Ginger Hebel
    Ginger Hebel

    Zürich,

    Hinter vermeintlich harmlosen Beschwerden können gynäkologische Tumore stecken.

    Warnsignale ernst nehmen
    Drei Ärztinnen, ein Team, v.l.: Heike Passmann, Lisa Friederike Braun und Nathalie Gabriel vom Stadtspital Zürich. - GH

    Eine Blutung, obwohl die Menstruation längst vorbei ist. Ein ständig aufgeblähter Bauch. Diffuse Schmerzen.

    Viele Beschwerden sind unangenehm, wirken aber auf den ersten Blick nicht beängstigend. Doch gerade bei gynäkologischen Tumoren lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Am Tumortag im Stadtspital Zürich Triemli sprechen Fachärztinnen darüber, welche Signale Frauen ernst nehmen sollten.

    «Jede vaginale Blutung nach der Menopause kann ein wichtiges Warnsignal sein», sagt Dr. med. Natalie Gabriel, Chefärztin der Frauenklinik und Leiterin des gynäkologischen Krebszentrums am Stadtspital Zürich. Eine solche Blutung müsse nichts Schlimmes bedeuten, könne aber unter anderem ein Hinweis auf einen Tumor der Gebärmutterschleimhaut sein.

    Auch neue oder anhaltende Beschwerden sollten abgeklärt werden. Risikofaktoren können unter anderem starkes Übergewicht, Diabetes, bestimmte hormonelle Therapien, höheres Alter und genetische Veranlagungen sein. Die Betroffenen quält oft die Frage nach dem Warum.

    Spielt der Lebensstil eine Rolle? Haben Kinderlosigkeit, Schwangerschaften oder das Stillen einen Einfluss? «Diese Fragen helfen nicht weiter, sie belasten nur unnötig», sagt Natalie Gabriel.

    Entscheidend sei, dass Frauen keine Schuld bei sich suchen. Es lasse sich selten ein direkter Zusammenhang zu einer Tumorerkrankung herstellen. Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen.

    Daneben gibt es die klassischen gynäkologischen Tumore wie Gebärmutterkörper-, Gebärmutterhals- und Eierstockkrebs. In der Schweiz erkranken jedes Jahr mehr als 2000 Frauen neu an einem dieser gynäkologischen Tumoren. Frauen, die mit einer Krebsdiagnose konfrontiert werden, wollen häufig vor allem eines: dass der Tumor möglichst schnell entfernt wird.

    Doch diesem verständlichen Wunsch steht die medizinische Realität gegenüber. Zunächst müssen die Befunde zusammengetragen und Gewebeproben untersucht werden. Erst danach lässt sich gemeinsam entscheiden, welche Behandlung sinnvoll ist.

    «Wir wollen nicht übertherapieren, aber auch nicht zu wenig behandeln. Es ist stets ein individuelles Abwägen», sagt Nathalie Gabriel.

    Impfung als Prävention

    Das oberste Ziel ist eine personalisierte Behandlung. Dabei setzt das Tumorzentrum auf einen ganzheitlichen Therapieansatz. Eine zent- rale Rolle spielt dabei das Tumorboard im Stadtspital Zürich.

    Fachpersonen aus verschiedenen Disziplinen besprechen die einzelnen Fälle gemeinsam und wägen Behandlungsmöglichkeiten ab. Dabei steht nicht nur der Tumor im Mittelpunkt, sondern auch die Frau, die mit der Erkrankung lebt: ihre Lebenssituation, ihr Umfeld, ihre Wünsche und ihre persönliche Belastbarkeit. «Man taucht auch ins Privatleben ein. Das macht den Beruf spannend – und menschlich», sagt Gabriel.

    Auch ihre Kollegin Heike Passmann, stellvertretende Chefärztin der Frauenklinik und Leiterin des Brustzentrums am Stadtspital Zürich, begleitet die Patientinnen als Team eng durch diese schwere Zeit. Eine der wichtigsten Möglichkeiten, einer gynäkologischen Krebserkrankung vorzubeugen, gibt es beim Gebärmutterhalskrebs: die HPV-Impfung. Humane Papillomaviren sind weit verbreitet und werden vor allem durch sexuellen Kontakt übertragen.

    «Sie sind keine klassische Geschlechtskrankheit. Bestimmte HPV-Typen können jedoch über Jahre Zellveränderungen verursachen und später Krebs auslösen», erklärt Passmann. Die HPV-Impfung wird in der Schweiz deshalb für Mädchen und Jungen empfohlen. Sie schützt vor Infektionen mit bestimmten HPV-Typen und kann das Risiko für Gebärmutterhalskrebs und weitere HPV-bedingte Krebserkrankungen senken.

    Auch das Risiko für Genitalwarzen wird reduziert. Trotz Impfung bleibt die gynäkologische Vorsorge wichtig. «Oft sagen uns Frauen, dass sie seit Jahren nicht mehr beim Frauenarzt oder der Frauenärztin waren. Oder das letzte Mal während der Schwangerschaft. Doch regelmässige Kontrollen sind empfehlenswert», so Passmann.

    Zudem seien Gynäkologen oft wichtige Ansprechpartner zu verschiedenen Themen wie den Wechseljahren, die viele Frauen sehr beschäftigen. Bei jungen Frauen stellt sich nach einer Krebsdiagnose oft eine weitere wichtige Frage: Ist eine spätere Schwangerschaft noch möglich? Je nach Krebsart, Erkrankungsstadium und geplanter Behandlung können Möglichkeiten zum Erhalt der Fruchtbarkeit geprüft werden.

    Dazu gehören das Einfrieren von Eizellen oder von Eierstockgewebe. Der Kinderwunsch sollte daher früh angesprochen werden. Lisa Friederike Braun, Oberärztin in der Radio-Onkologie, fasziniert insbesondere die Verbindung von moderner Technik und dem direkten Kontakt mit den Patientinnen.

    Gerade bei einer Bestrahlung muss genau geprüft werden, welchen Nutzen sie bringt und welche Nebenwirkungen möglich sind. «Frühstadien von gynäkologischen Tumoren lassen sich oft operativ entfernen, ohne dass eine Bestrahlung notwendig ist. Bei fortgeschrittenen Erkrankungen planen wir die Bestrahlung mit Hilfe von modernen Techniken so schonend wie möglich.» Die Gesundheit steht im Vordergrund.

    «Unser Ziel ist die Tumorerkrankung chirurgisch optimal zu behandeln. Bei einer Brustkrebserkrankung haben wir zusätzlich den Anspruch, dies auch ästhetisch ansprechend durchzuführen», sagen die Ärztinnen.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in den «Tagblatt Zürich» erschienen.

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