Virologe: Diese Symptome treten beim Hantavirus auf
In der Schweiz ist ein Mann positiv auf das Hantavirus getestet worden. Der Ausbruch auf dem Schiff sei «extrem» selten, erklärt ein Virologe.

Das Wichtigste in Kürze
- Laut dem BAG wurde bei einer Person in der Schweiz das Hantavirus festgestellt.
- Der Mann befindet sich nun im Unispital Zürich und ist stabil.
- Er war zuvor auf dem Kreuzfahrtschiff, auf dem es zu mehreren Fällen gekommen ist.
- Ein Virologe beruhigt: «Für uns besteht keine Gefahr einer Infektion.»
Der Mann wird derzeit im Universitätsspital Zürich behandelt, teilte das BAG mit. Es handelt sich um einen Mann, der zuvor Passagier auf dem Kreuzfahrtschiff war, auf dem es zu mehreren Hantavirus-Fällen gekommen ist.
Das Schiff sollte nun in den Kanaren anlegen dürfen, doch der dortige Regierungschef stellt sich quer.
Der Mann war nach Angaben des BAG zusammen mit seiner Ehefrau Ende April von einer Reise in Südamerika zurückgekehrt. Nach dem Auftreten von Krankheitssymptomen habe er sich in das Universitätsspital begeben, wo er umgehend isoliert worden sei.

Ein Test im Referenzlabor des Universitätsspitals Genf (HUG) habe eine Infektion mit dem Virus bestätigt. Die Ehefrau des Mannes zeige keine Symptome, habe sich aber vorsorglich in Selbstisolation begeben. Die kantonalen Behörden klärten derzeit ab, ob der Patient Kontakt zu weiteren Personen hatte.
Der Mann befand sich nicht mehr an Bord, als der Ausbruch international bekannt wurde und konnte das Schiff deshalb verlassen. Das in der Schweiz lebende Ehepaar war nach Angaben des BAG bereits Ende April von der Reise in Südamerika zurückgekehrt – noch bevor das Schiff in Quarantäne gesetzt wurde.
Nach Angaben des niederländischen Schiffbetreibers Oceanwide vom Mittwochnachmittag bestiegen die beiden Schweizer die «Hondius» am 1. April im argentinischen Ushuaia und verliessen es am 24. April im britischen Überseegebiet St. Helena.
Patient befindet sich in stabilem Zustand
Erst nachdem der Mann Krankheitssymptome bemerkt hatte, begab er sich nach telefonischer Absprache mit seiner Hausärztin zur Abklärung ins Universitätsspital Zürich.

Der Patient befinde sich in einem stabilen Zustand, teilte das Universitätsspital Zürich auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Seit Eintritt ins Spital habe sich dies nicht verändert.
Risiko für Schweiz laut BAG gering
Für die europäische Variante des Hantavirus erfolgt die Übertragung durch Ausscheidungen von infizierten Nagetieren. Bei der beim Mann entdeckten Variante, dem Andesvirus, wurden hingegen in seltenen Fällen auch Übertragungen von Mensch zu Mensch bei engem Kontakt beobachtet.
Das BAG hält das Auftreten weiterer Fälle in der Schweiz für unwahrscheinlich und stuft das Risiko für die Bevölkerung als gering ein.
Nach aktuellem Kenntnisstand des BAG und der Reederei befanden sich keine weiteren Schweizer Staatsangehörigen auf dem Schiff.
Da die Passagierliste aber nach Staatsbürgerschaft und nicht nach Wohnort geführt wird, kann nicht vollständig ausgeschlossen werden, dass sich Personen mit Wohnsitz in der Schweiz an Bord befanden.
Hantavirus tritt in der Schweiz selten auf. In den vergangenen Jahren wurden jährlich zwischen null und sechs Fälle gemeldet. Die Mehrheit dieser Infektionen war auf Ansteckungen im Ausland zurückzuführen.
«Für uns besteht keine Gefahr einer Infektion»
Auch Virologe Klaus Stöhr schliesst eine weitere Ausbreitung des Virus durch die Passagiere aus: «Für uns besteht keine Gefahr einer Infektion», sagt er gegenüber der «Bild». Der Experte spricht von einem «sehr sehr ungewöhnlichen Ereignis».

Der Deutsche erklärt, dass ein Ausbruch des Virus auf einem Schiff «extrem» selten sei. «In der Wahrscheinlichkeit sogar etwa 1:1'000'000.» Dies sei vergleichbar mit der Wahrscheinlichkeit, von einem Blitzschlag getroffen zu werden.
Bei einer Erkrankung am Virus seien die Symptome grundsätzlich nur mild und auch unspezifisch. «Man hat Husten, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Gliederschmerzen», so Stöhr. Die Symptome könnten aber stärker werden und beispielsweise zu Nierenbeschwerden führen.
Gefährlicher Virus
Das Referenzlabor des Universitätsspitals Genf hat die Virus-Variante als Andes-Stamm identifiziert. Laut den Genfer Spezialisten ist dies der einzige Hantavirus-Typ, bei dem eine Übertragung von Mensch zu Mensch bei engem Kontakt dokumentiert ist.
Die in Europa übliche Variante wird hingegen durch die Ausscheidungen von infizierten Nagetieren übertragen.
Hier rät Virologe Klaus Stöhr, «die Mäuse aus dem Haus» rauszuhalten. Wer Hunde oder Katzen habe, solle das Futter nicht über Nacht stehen lassen. Lebensmittel sollten gut verschlossen werden. Zusammenfassend sagt er: «Die normalen Mäuse-Bekämpfungsmassnahmen greifen hier am besten.»
Die WHO vermutet, dass die Infektionskette auf dem Schiff von dem verstorbenen niederländischen Ehepaar ausging. Man geht davon aus, dass sich die beiden noch vor der Einschiffung an Land in Argentinien angesteckt haben könnten, von wo aus das Schiff seine Reise antrat.
Drei Personen evakuiert
Unterdessen sind drei Patienten mit Verdacht auf das Hantavirus nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Kreuzfahrtschiff «Hondius» evakuiert worden.

Die Patienten seien auf dem Weg zur medizinischen Behandlung in den Niederlanden, schrieb WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf X.








