Wegen Tram: Verein «Essen für Alle» muss umziehen
Noch versorgt «Essen für Alle» im Holzerhurd Menschen mit Lebensmitteln. Wegen des Baus des Trams Affoltern muss der Verein jedoch einen neuen Standort finden.

Jeden Samstag können bedürftige Menschen vom Verein «Essen für Alle» Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel beziehen. Um die 1300 Menschen kommen an die wöchentliche Essensausgabe Im Holzerhurd 60 in Zürich-Affoltern.
Auf dem Areal bilden sich samstags jeweils lange Warteschlangen. Und mit jedem Bus kommen mehr Menschen. «Wir sind offen für alle», betont Amine Conde, Initiator und Präsident des Vereins «Essen für Alle».
Ob jemand tatsächlich auf Unterstützung angewiesen ist, wird nicht kontrolliert. «Die Leute müssen anstehen und warten. Das macht niemand, der genug Geld hat», ist er überzeugt.

Hinzu komme, dass sich unter den Besucherinnen und Besuchern auch Sans-Papiers befänden. «‹Essen für Alle› ist ein niederschwelliges Angebot für alle Menschen – unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus.» Kontrollen seien deshalb kaum möglich.
Das Bedürfnis sei gross. Die Menschen beziehen Gemüse, Früchte, Schokolade, Getränke und vieles mehr. Das Angebot wechselt im Laufe des Tages.
«Wir hatten auch schon Truffes von namhaften Confiserien», erzählt ein Helfer lachend. Damit die Lebensmittel verteilt werden können, stehen insgesamt 110 Helferinnen und Helfer im Einsatz.
Trotz der eingespielten Abläufe herrscht eine gewisse Hektik. Für die Verpflegung der Freiwilligen ist ebenfalls gesorgt.
Das Gelände ist weitläufig, doch die Gebäude bieten für den grossen Andrang zu wenig Platz. «Wir würden uns mehr Raum wünschen, damit alle im Trockenen anstehen können», sagt Patrick Steiner, Verantwortlicher Freiwilligenkoordination.
«Auch bei der Essensausgabe sind die Platzverhältnisse eng. Das erschwert die Logistik.» Ein grösserer Standort wäre aus seiner Sicht die bessere Lösung.
«Wir arbeiten gut mit unseren Partnerorganisationen zusammen», betont Patrick Steiner. Auch Freiwillige hätten sie genug, aber Sponsoren seien gesucht.
Inzwischen ist «Essen für Alle» in weiteren Städten wie Chur und Schwyz präsent. Der Verein «Essen für Alle» machte während der Corona-Pandemie Schlagzeilen.
Lange Warteschlangen bedürftiger Menschen prägten damals Bilder, wie man sie in der Schweiz kaum kannte.
Ein zweijähriger Vertrag
Der Verein war bisher stets in Zwischennutzungen untergebracht. Während der Corona-Pandemie verteilte er Lebensmittel in der ehemaligen SBB-Kantine in Altstetten.
Als die Eigentümerin das Areal anderweitig nutzen wollte, zog der Verein in die ehemaligen Fabrikhallen an der Allmendstrasse in der Manegg. Dort liefen im Mai die Mietverträge von insgesamt zehn Vereinen aus.
Bereits im Herbst sollen auf dem Gelände die Bagger auffahren: Geplant ist der Bau des neuen Schulhauses Höckler.

Mit einem Vorstoss forderten linke Gemeinderätinnen den Stadtrat auf, die betroffenen Vereine bei der Suche nach Anschlusslösungen zu unterstützen. «Stadtpräsident Raphael Golta hat uns sehr geholfen», sagt Amine Conde.
Fündig wurde der Verein schliesslich an der Holzerhurd. Das Areal, das die Stadt nach dem Wegzug der Gartenbaugenossenschaft Zürich (GGZ) wegen des geplanten Tramprojekts Affoltern übernommen hatte, wird von der städtischen Raumbörse als Zwischennutzung vermietet.
Neben «Essen für Alle» nutzen heute weitere Vereine und Kulturschaffende die Räumlichkeiten als Projekt-, Theater-, Werk-, Musik- und Arbeitsräume. Die ehemaligen Saisonnierszimmer vermietet das Jugendwohnnetz Juwo an Studierende aus aller Welt.
«Wir haben einen zweijährigen Vertrag mit der Stadt», so Amine Conde. Ob dieser noch verlängert werde, sei offen. Der Beginn des Trambaus ist für Ende 2028 vorgesehen.
«Die Nutzenden müssen ab dann die notwendige Flexibilität über die Nutzungsdauer sowie allfällige Flächenreduktion und Nutzungseinschränkungen mitbringen», so die Raumbörse. Auf dem Areal ist im Rahmen des Ausbaus der Tramlinie zudem der Bau von preisgünstigen Wohnungen geplant.
Einen neuen Standort zu finden, der genügend Platz für die wöchentliche Essensausgabe bietet und gleichzeitig gut erreichbar ist, sei eine Herausforderung, so Amine Conde. Aufgeben kommt für den Verein jedoch nicht infrage.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.








