20'000 Afghanen leben in der Schweiz. Ihre Verwandten in der Heimat können nicht fliehen. Teils ist der Kontakt abgebrochen.
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Nach der Machtübernahme durch die Taliban machen sich die Schweiz-Afghanen Sorgen um ihre Verwandten. - Screenshot SRF, Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Afghanen in der Schweiz haben Angst um ihre Verwandten in Afghanistan.
  • Diese fragten sich, ob sie in zwei Stunden noch am Leben sind, so ein Schweiz-Afghane.
  • Politiker fordern, dass die Schweiz diesen Leuten ein Visum ausstellt.

28 Schweizerinnen und Schweizer befinden sich laut dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) noch in Afghanistan. Ihre Evakuierung versucht das EDA zu organisieren. Doch um Angehörige der rund 20'000 Afghaninnen und Afghanen, die in der Schweiz leben, kümmert es sich nicht.

Nach dem Abzug der US-Truppen haben die radikal-islamischen Taliban Afghanistan in wenigen Tage komplett unter ihre Kontrolle gebracht. Sie seien schockiert darüber, sagt Ramazan Kochizahde, Präsident des afghanischen Kulturvereins Bamian. Niemand habe geglaubt, dass die Taliban das Land so schnell übernehmen könnten.

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Mitglieder des Vereins Bamian beim Gebet. - Facebook

«Natürlich wollen sie flüchten», sagt Djafar Scharifi gegenüber dem SRF über seine Familienmitglieder in Afghanistan. Doch sie könnten im Moment einfach nicht, alle Grenzen seien geschlossen. Die Familie habe Angst, sie wisse nicht, was der nächste Schritt sein soll oder was als Nächstes geschieht.

Am Flughafen in Kabul, dem einzigen Weg raus aus dem Land, herrschte zeitweise absolutes Chaos. Die Taliban schlagen zwar sanfte Töne an, versprechen Frauenrechte zu achten. Doch viele Afghanen glauben den Kämpfern nicht.

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Amar Afzali hat in Afghanistan viele Verwandte und Freunde verloren. Mit 15 kam er in die Schweiz. - Screenshot SRF

Der Kiosk-Betreiber Hamid Zolfekari mache sich Sorgen um seine Schwester. Noch im April habe er sie in Afghanistan besucht. Doch seit einigen Tagen sei der Kontakt abgebrochen. «Es ist eine schwierige Situation für die Leute dort.»

Ein weiterer Schweiz-Afghane hat bereits in der Vergangenheit Familienmitglieder verloren. Sie seien abgeschlachtet worden, sagt Amar Afzali. Die Leute hätten Angst, fragten sich, «ob sie in zwei Stunden noch am Leben sind».

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In Genf kam es zu Solidaritäts-Kundgebungen. - Keystone

Linke Parteien haben bereits kurz vor dem Fall Kabuls gefordert, dass die Schweiz 10'000 Familienangehörige von Schweiz-Afghanen aufnehme. Auch die Mitte-Partei und die FDP unterstützen die Forderung. Eine Online-Petition, die Ähnliches verlangt, hat innert kürzester Zeit mehrere tausend Unterschriften erhalten.

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