Verurteilter Berner Chirurg zieht Urteil weiter
Der wegen versuchter schwerer Körperverletzung schuldig gesprochene Berner Chirurg hat gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland Berufung angemeldet. Das hat das Gericht am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitgeteilt.

Das Regionalgericht Bern-Mittelland hatte den ehemaligen Arzt am 16. Februar zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 17 Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt. Ausserdem erlegte es dem 78-Jährigen die Übernahme der Verfahrenskosten und eine Genugtuung von 4000 Franken an einen Zivilkläger auf.
Damit zeigt sich der Chirurg nun nicht einverstanden. Somit ist als nächste Instanz das Berner Obergericht für den Fall zuständig.
Der sogenannte Implantateskandal war 2018 durch ein internationales Recherche-Team publik geworden. Der Arzt hatte zwischen 2011 und 2013 im Salem-Spital in Bern bei sieben Personen eine neuartige Bandscheibenprothese eingesetzt. Ebenfalls war er von der britischen Herstellerfirma Ranier finanziell entschädigt worden.
Die Prothese versagte bei allen vom Chirurgen behandelten Personen nach kurzer Zeit. 2014 rief Ranier das Produkt mit dem Namen «Cadisc-L» zurück. Der Arzt benachrichtigte seine Patienten aber nicht.
Der Angeklagte verweigerte im Prozess vor dem Regionalgericht seine Aussage, nutzte aber das Recht auf das letzte Wort und bat bei den sieben von ihm operierten Patientinnen und Patienten um Entschuldigung.






