Valentino Vivace liefert den Soundtrack für nach der Disco
Der Tessiner Musiker Valentino Vivace zeigt sich auf seinem dritten Album «Oscillare» von seiner nachdenklichen Seite. Der verträumten und nostalgischen Ästhetik bleibt er aber treu.

«Ich würde es nicht als Stilwechsel bezeichnen», sagt Italo-Synthpop-Musiker Valentino Vivace der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Am Freitag erscheint sein drittes Album. Und dieses klingt, als würde der Musiker, der bürgerlich Valentin Kopp heisst, eine neue Seite von sich zeigen wollen. Dazu sagt er aber: «In meiner Musik gab es schon immer eine eher melancholische und ehrliche Seite. Ich hatte einfach das Bedürfnis, dieser mehr Raum zu geben.»
Im Vergleich zum Vorgängeralbum «Discoteca Vivace» (2025), das «der Abend in der Disco am Meer, explosiv und voller Glitzer» war, steht die neue Platte «Oscillare» nämlich für «den ruhigen Spaziergang am nächsten Morgen am Strand», so Vivace. Dieses Bild beschreibt den Klang des Albums ganz gut.
Wie schon sein Debütalbum «Meteoriti» (2022) hat Vivace «Oscillare» in Eigenregie produziert. Es sei in einer schwierigen Lebensphase des 1995 geborenen Künstlers entstanden. Für ihn habe die Musik eine therapeutische Kraft: «Sie hilft mir, meine Emotionen zu kanalisieren.» Die Songs auf «Oscillare» sind über mehrere hinweg Jahre entstanden. Sie handeln von Liebesbeziehungen, Freundschaften und transformierenden Momenten.
Das neue Album versammelt neun Titel. Es beginnt mit melancholischen Stimmungen und bewegt sich nach und nach in hellere, wärmere Gefilde: Die Single «Solitudine» entfaltet düstere, nächtliche Klangwelten, während «Fiore» wärmere Töne anschlägt und die Kraft von Freundschaft und Zuneigung thematisiert. Mit «Chiara», der zuletzt veröffentlichten Single, schlägt Vivace schliesslich deutlich optimistischere Töne an.
Begleitet wird diese Gefühlsreise von einer Art Mini-Roadmovie. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Neuenburger Regisseur Gabriel Grosclaude, realisierte Vivace zu jeder Single ein kurzes Video für die sozialen Medien – es beginnt bei einer Begegnung mit einem Künstlerpaar in einer kalten Nacht nahe einer Tankstelle und endet bei ihrer Ankunft am Strand.
Das Titelstück «Oscillare» birgt verschiedene Bedeutungen. Einerseits steht es für den unvermeidlichen Wechsel zwischen schönen und schwierigen Momenten oder für das «Schwanken des Lebens». Andererseits erinnert es an die Bewegung des Meeres – etwas, das in der Vorstellungswelt Vivaces sehr präsent ist, wie er sagt, und ihm während des Songwritings in Ligurien als Inspirationsquelle diente. Eine eher technische Referenz hat das Stück obendrauf: es bezieht sich auf die Oszillatoren der Synthesizer, die nach wie vor eine zentrale Rolle im Klanguniversum von Valentino Vivace spielen.
Musikalisch erinnert das Album an die 70er-Jahre. Zu seinen Einflüssen zählen Lucio Battisti, Lucio Dalla und zeitgenössische internationale Künstler wie Tame Impala. Der Tessiner hat das neue Album mit seiner Band in den Powerplay Studios in Maur aufgenommen. Die Band Europe oder Prince haben bereits dort gearbeitet. «Wir wollten das Album in einer warmen Umgebung aufnehmen, mit einem organischen Vintage-Sound», so Vivace.
Nach der «Primavera Vivace Tour 2026», die ihn in verschiedene europäische Städte von Paris bis Amsterdam führte, bereitet er sich nun auf die Sommerfestivals vor. Die internationale Aufmerksamkeit auf den in Zürich lebenden Musiker steigt. Er hofft, insbesondere in Italien öfter auftreten zu können.
Aber auch hierzulande bleibt Vivace verwurzelt. Im Herbst konzertieren er und seine Band in Zürich und Lausanne. Bei diesen Auftritten wird ein Streichquartett die Band begleiten, wofür die Songs eigens neu arrangiert werden. Unter dem Titel «The Valentino Vivace Experience» soll so eine zartere und cineastische Seite von «Oscillare» zur Geltung kommen.
«Oscillare» ist Vivaces bisher reifstes Werk: Es handelt von Zerbrechlichkeit, Verwandlung und der Suche nach dem Guten, und bleibt gleichzeitig tanzbar – selbst wenn der Rhythmus nachlässt und nur noch das Meeresrauschen zu hören ist.






