USA hält Schweiz wieder hin – Politiker ernüchtert

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Nidwalden,

Das Treffen zwischen den USA und dem Iran auf dem Bürgenstock fällt kurzfristig aus. Nationalrat Jon Pult findet, die Schweiz müsse ihre Prioritäten anders setzen.

Gipfeltreffen
Am Freitag kam es auf dem Bürgenstock nicht wie geplant zur feierlichen Unterzeichnung des Rahmenabkommens zwischen den USA und Iran. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Trotz des abgesagten Gipfeltreffens zwischen den USA und Iran bleiben die Verantwortlichen auf dem Bürgenstock in Stellung.
  • Die Schweiz solle sich als Vermittlerin kein Bein ausreissen, sagt SP-Nationalrat Jon Pult.
  • SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel erwartet von der Schweiz Flexibilität.

Das geplante Gipfeltreffen zwischen den USA und Iran stellte den Bürgenstock auf den Kopf. Die Behörden setzten sämtliche Postauto-Fahrten bis Samstag aus. Rund um den Bürgenstock richtete der Bundesrat eine Sperrzone von 46 Kilometern ein.

Auch Betriebe spürten die Einschränkungen – etwa das Gasthaus Trogen registrierte viele Absagen. Im noblen Bürgenstock Resort mussten Gäste der Delegation Platz machen und auf andere Hotels ausweichen. Sogar eine Hochzeitgesellschaft soll eine Absage erhalten haben, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete.

Zudem flogen viele internationale Reporterinnen und Reporter extra für das angekündigte Treffen an.

Der ganze Trubel war aber umsonst. Am Freitagmorgen teilt das Schweizer Aussendepartement mit: Das Gipfeltreffen findet nicht statt. Demnach tauchen keine hochrangigen Vertreter auf, um das Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran zu unterzeichnen.

Einsatz läuft weiter

Dennoch bleiben die Verantwortlichen auf dem Bürgenstock in Stellung.

«Der Einsatz läuft aktuell weiter», teilt die Kantonspolizei Nidwalden Nau.ch mit. Der Kanton Nidwalden gehe weiterhin von einer Durchführung des Treffens aus. «Wenngleich Verzögerungen zu erwarten sind.»

Stört es dich, dass das Gipfeltreffen abgesagt wurde?

Das Bürgenstock Resort holt seine Gäste nicht zurück. Die geplanten Gespräche würden laut Medienberichten verschoben, sagt eine Mediensprecherin des Resorts auf Anfrage.

«Trotzdem werden die Vorbereitungen für entsprechende Events und Verhandlungen seitens des Bürgenstock Resort Lake Lucerne fortgesetzt.»

«Das ist die Folge dieser neuen Weltunordnung»

Nicht zum ersten Mal halten die USA die Schweiz hin. Bereits seit über einem Jahr steckt die Schweiz mit den USA in mühsamen Zollverhandlungen.

Aussenpolitiker Jon Pult reagiert ernüchtert. «Das ist die Folge dieser neuen Weltunordnung», sagt der SP-Nationalrat. Verantwortungslose Leader wie US-Präsident Donald Trump lancierten absurde Kriege. «Und beenden diese auch auf absurde Weise.»

Ob das Gipfeltreffen noch stattfinden wird oder nicht, ist für Pult nicht entscheidend. Ihn interessierten Resultate, sagt er. «Im Falle des Gipfeltreffens sollte sich die Schweiz als Vermittlerin aber kein Bein ausreissen.»

Er ist überzeugt: «Herauskommen wird sowieso kein guter Deal.» Die Situation werde brüchig und gefährlich bleiben. «Denn in Teheran herrscht ein menschenverachtendes Regime und in den USA eine von allen guten Geistern verlassene Regierung

Es gebe genügend andere Konflikte, bei denen sich die Vermittlungskompetenz der Schweiz mehr lohnte.

«Trotz allem beste PR»

Aussenpolitiker Roland Rino Büchel bleibt gelassen.

«Die USA hält die Welt und damit auch die Schweiz mit ihrer Sprunghaftigkeit auf Trab», sagt der SVP-Nationalrat. Als Gastgeberin für die Verhandlungen müsse die Schweiz flexibel bleiben.

«Ein Treffen kann man nicht durchstieren, wenn es keinen Sinn macht oder nicht mehr gewünscht wird.»

Er befürchtet nicht, dass der Bürgenstock für Touristinnen und Touristen wegen der abgesagten Buchungen weniger attraktiv wird. «Im Gegenteil: Die Bilder vom Bürgenstock sind um die Welt gegangen – das ist trotz allem beste PR.»

Jetzt soll Macron «Portemonnaie aufmachen»

Büchel hat aber auch Verständnis für den Frust einiger Einheimischer.

Bereits im Juni 2024 herrschte dort anlässlich der Ukraine-Friedenskonferenz Ausnahmezustand. «Nun wird noch einmal alles auf den Grind gestellt», sagt er. «Es ist mehr als legitim, dass sich Leute in der Innerschweiz darüber aufregen.»

Gipfeltreffen
Die Schweiz solle den französischen Präsidenten Emmanuel Macron zur Kasse bitten, findet Aussenpolitiker Roland Rino Büchel. - keystone

Schliesslich verursacht der abgesagte Gipfel nicht nur Aufwand, sondern auch Kosten.

Büchel hat aber auch schon eine Idee, woher das Geld kommen soll. «Jetzt müssen wir Druck machen, dass Präsident Macron das Portemonnaie für die Leistungen der Schweiz beim G7-Gipfel aufmacht.»

Denn: Als kürzlich der G7-Gipfel in Évian stattfand, fielen für die Schweiz hohe Sicherheitskosten an. Frankreich beteiligte sich daran nicht.

Kommentare

User #495 (nicht angemeldet)

SVPler haben auch ein Zirkuszelt stehen auf dem Albis Cüpli?

User #9318 (nicht angemeldet)

Ich schlage gnadenlos auf meinen Schreibtisch ein.

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