Die Gewerkschaft Unia hat ihre jährliche Lohnschere-Studie veröffentlicht. Diese sei auf sehr hohem Niveau weit offen geblieben.
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Laut Unia hat die Ungleichheit während der Corona-Pandemie zugenommen. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Lohnunterschiede in Unternehmen bleiben gross.
  • Während der Pandemie gerieten viele Arbeitnehmende in eine prekäre finanzielle Lage.
  • Zu sich selbst seien die CEO und das Aktionariat laut Unia jedoch grosszügig gewesen.

Die Corona-Krise hat laut einer Studie viele Arbeitnehmende aufgrund von Kurzarbeit und pandemiebedingter Arbeitslosigkeit in existenzielle Nöte gebracht. Dagegen seien die CEO sowie Aktionärinnen und Aktionäre grosszügig zu sich selbst gewesen.

«Die Lohnschere bleibt auf sehr hohem Niveau weit offen», schreibt die Gewerkschaft Unia in ihrer am Dienstag veröffentlichten jährlichen Lohnschere-Studie. Das Verhältnis zwischen dem höchsten Lohn in einem Unternehmen und dem tiefst möglichen lag demnach im gesamtschweizerischen Durchschnitt bei: 1 zu 137. Unia untersuchte 37 mehrheitlich börsenkotierte Unternehmen.

Unia untersuchte Lohn-Unterschiede

Den grössten Unterschied gab es laut Unia erneut beim Pharmariesen Roche: Das Gehalt von CEO Severin Schwan von 14,6 Millionen stehe in einem Verhältnis von 1 zu 298. Dies zum tiefsten Roche-Lohn in der Schweiz. Eine bei Roche zum tiefsten Lohn angestellte Person müsste also 298 Jahre arbeiten, um das Jahresgehalt von Schwan zu erreichen.

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Das Logo des Schweizer Pharmakonzerns Roche am Hauptsitz in Basel. (Archivbild) - Keystone

Neben Schwan von Roche erhielten gemäss der Studie im vergangenen Jahr drei weitere CEO mehr als 10 Millionen Franken: Sergio Ermotti von der UBS (13,3 Millionen), Ulf Mark Schneider von Nestlé (10,7 Millionen). Sowie Vasant Narasimhan von Novartis (10,4 Millionen).

Tiefste Löhne unter 4000 Franken

Die tiefsten Löhne in den untersuchten Konzernen betrugen im Median 3939 Franken, wobei 13 Monatslöhne bezahlt wurden. In der Hälfte der untersuchten Firmen lag damit der tiefste Lohn unter 4000 Franken. «Diese Tieflöhne reichen kaum zum Leben», schreibt Unia.

Einige Unternehmen hätten ihren CEO Lohnerhöhungen gewährt, selbst wenn die Firmen Verluste einfuhren. So stieg beim Pharma-Unternehmen Alcon der Höchstlohn gegenüber dem Vorjahr um 11 Prozent auf 7,6 Millionen Franken. Trotz Verlusten in der Höhe von 498 Millionen Franken, wie es in der Studie heisst.

Bei Swiss Re betrug der Toplohn demnach neu 6,1 Millionen Franken. Dies, obwohl das Unternehmen 823 Millionen Franken Verluste machte und 14,3 Prozent aller Stellen abbaute.

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Das Logo der Rückversicherung Swiss Re vor einem Gebäude. - Keystone

Neben den Geschäftsleitungen profitierte laut Unia in hohem Masse auch das Aktionariat. Die Dividendenauszahlungen an die Aktionärinnen und Aktionäre seien im Krisenjahr 2020 um rund 5 Prozent gestiegen. Das Total der Auszahlungen (Dividenden und Aktienrückkäufe) bei 32 untersuchten Unternehmen belief sich auf 60,6 Milliarden Franken.

Von diesen seien allein zehn Konzerne für 83 Prozent der Gesamtausschüttung verantwortlich. Namentlich Nestlé, Roche und Novartis hätten 33,1 Milliarden Franken an ihre Aktionärinnen und Aktionäre ausbezahlt.

Weniger Personalaufwand

Der Personalaufwand sank gegenüber dem Vorjahr um rund 5 Prozent. Von den totalen Auszahlungen erhielten die 1,3 Millionen Mitarbeitenden der untersuchten Firmen bloss 67 Prozent. Dies, während 33 Prozent an die Aktionärinnen und Aktionäre ging.

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Das Logo der Gewerkschaft Unia. - Keystone

Die Unternehmen EMS Chemie, Partners Group, Swiss Re und Nestlé zahlten 2020 sogar mehr Geld an das Aktionariat. Spitzenreiterin war dabei laut Studie die EMS Chemie: Die Aktionärinnen und Aktionäre erhielten demnach 468 Millionen Franken, 6 Millionen mehr als im Vorjahr, und somit 69 Prozent. Der gesamte Personalaufwand lag bei 31 Prozent.

Dividendenzahlungen trotz Kurzarbeit

14 der untersuchten Konzerne nahmen gemäss Studie staatliche Kurzarbeitsentschädigung in Anspruch. Gleichzeitig schütteten sie Dividenden aus, zusammen total 8,2 Milliarden Franken.

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Viele Unternehmen meldeten während der Corona-Pandemie Kurzarbeit an. - dpa-infocom GmbH

Zum Vergleich: Rund 35 Prozent der Beschäftigten in der Gastronomie und Beherbergung waren gemäss Unia im letzten Jahr von Kurzarbeit betroffen. Dies sind Branchen mit sehr niedrigen Löhnen. Beschäftigte in Kurzarbeit erhielten meist nur 80 Prozent des Lohnes. Dies habe dies viele Arbeitnehmende in eine äusserst prekäre finanzielle Lage gebracht, schreibt die Gewerkschaft.

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