Vor dem Ukraine-Krieg Geflüchtete machen sich immer mehr auf die Suche nach einem Job in der Schweiz. Einzelne Firmen missbrauchen das für Image-Kampagnen.
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In der Schweizer Gastrobranche sind Arbeitnehmende, die aus dem Ukraine-Krieg geflüchtet sind, beliebt. (Symbolbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Immer mehr Ukraine-Flüchtlinge bewerben sich um eine Schweizer Arbeitsbewilligung.
  • Firmen seien an den neuen Arbeitskräften sehr interessiert, melden die Arbeitsämter.
  • Es gibt aber auch Firmen, die sich mit eingestellten Flüchtlingen schmücken wollen.

Der Ukraine-Krieg zieht sich immer weiter in die Länge. Über 45'000 ukrainische Flüchtlinge in der Schweiz müssen sich darum mittelfristig über ihre Zukunft Gedanken machen. Das merken auch die Kantone: Fast sämtliche Arbeitsämter registrieren eine starke Zunahme von Gesuchen um eine Arbeitsbewilligung im Mai.

So auch im Kanton Thurgau, wo seit Beginn des Krieges 56 Gesuche von Ukrainern bewilligt wurden. Daniel Wessner, Leiter Amt für Wirtschaft und Arbeit, glaubt, dass es jetzt schnell noch mehr werden.

Geflüchtete aus Ukraine-Krieg kommen auf Webseite und Newsletter

Doch nicht immer erwarte der Betrieb von den Ukrainern «nur» die Arbeitsleistung. Zwar gehe es den Unternehmen seinem Eindruck nach in erster Linie schon um die Solidarität, sagt der Amtsleiter.

Aber manchen geht es auch um die gute PR. «Gelegentlich wird diese Solidarität auch reputationsmässig genutzt», sagt Wessner. Im Sinne von: «Tue Gutes und sprich darüber.»

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Immer mehr Ukrainer suchen in der Schweiz eine Arbeitsstelle.
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Es gibt Firmen, die die Arbeitsuchenden aus der Ukraine dankbar aufnehmen.
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Daniel Wessner ist seit 2016 Leiter beim Amt für Wirtschaft und Arbeit im Kanton Thurgau. Er beobachtet, dass einige Firmen die Ukrainer für PR-Zwecke ausnutzen.

Mehr noch: Es gebe sogar einzelne Anfragen, die explizit eine ukrainische Person suchen und an anderen Dossiers gar nicht interessiert seien. «Die geographische Herkunft ist dann also fast wichtiger als die Qualifikation», so Wessner.

Sein Amt erfasst diese Fälle nicht zahlenmässig. Man erkenne es aber, «wenn Unternehmen eine Anstellung einer Ukrainerin oder eines Ukrainers im Newsletter oder auf der Webseite publizieren. Oder medial darüber berichtet wird.»

Vor allem Beizen interessiert

Besonders interessiert an den Ukrainern sind gemäss Wessner die Branchen, die seit der Pandemie besonders unter dem Fachkräftemangel leiden. «Wir stellen fest, dass speziell der Gastrobereich und der Dienstleistungssektor Interesse zeigen.»

Ist es einfach, in der Schweiz einen Job zu finden?

Das trifft sich gut, denn unter den vor dem Ukraine-Krieg Geflüchteten kommt der Grossteil aus dem Dienstleistungssektor und der Landwirtschaft. «Es melden sich aber auch besonders qualifizierte Fachkräfte bei den regionalen RAV-Zentren an.» Als Beispiele zählt er IT, HR und Bildung (Lehrkräfte) und Physiotherapeutinnen auf.

Dem Arbeitgeberverband seien keine solchen Fälle bekannt, sagt Sprecher Fredy Greuter auf Anfrage. «Mit einer Anstellung können die Geflüchteten nicht zuletzt am sozialen Leben der Schweiz teilnehmen. Die Unternehmen tragen also einen bedeutenden Teil zur Integration der Schutzsuchenden bei.»

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