Überall Warnungen vor Gift-Raupe – darum kennt man keine Opfer
Eine kleine Raupe macht grosse Angst: Der Eichenprozessionsspinner kann für Mensch und Tier gefährlich werden. Warnschilder sind überall zu finden. Und Opfer?

Das Wichtigste in Kürze
- Der Eichenprozessionsspinner kann für Mensch und Tier gefährlich sein.
- Verschiedene Schweizer Gemeinden kämpfen mit der Ausbreitung der Raupen.
- Tierschutz-Vereine empfehlen sofortige Massnahmen für Vierbeiner.
Sie wirkt auf den ersten Blick unscheinbar: eine kleine Raupe auf einem Baumstamm oder am Boden unter einer Eiche. Doch der Eichenprozessionsspinner kann für Mensch und Tier zur gesundheitlichen Belastung werden.
In verschiedenen Regionen der Schweiz, unter anderem am Murtensee, warnen Hinweisschilder Spaziergängerinnen und Spaziergänger vor der Raupe.
In Schaffhausen ist ein ganzer Waldabschnitt in mehreren Gemeinden betroffen. Drei Wanderwege bleiben darum bis Herbst gesperrt.
Auch einzelne Badis im Kanton Zürich mussten wegen der Raupe Bereiche absperren.

Besonders in den Sommermonaten, wenn die Raupen ihre giftigen Haare ausbilden und in die Umgebung abgeben können, ist Vorsicht geboten.
Denn: Ihre feinen Brennhaare enthalten ein Nesselgift, welches bei Kontakt Hautreizungen, Juckreiz und allergische Reaktionen auslösen kann. Auch Atemwegsbeschwerden wie Husten oder asthmatische Beschwerden sind möglich.

Erstmals Befall von Eichenwald
Trotzdem hört man nie von Opfern. Das zeigen auch Nau.ch-Anfragen in Spitälern in Bern, Zürich und St. Gallen. Der Grund: Die Spitäler führen keine Statistik über die Behandlungen von möglichen Opfern. Ob also Menschen oder Hunde deswegen schon Probleme hatten, ist gar nicht bekannt.
Egal ob bei Mensch oder Tier: Die Brennhaare der Raupe verursachen Reizungen der Haut, der Augen und der Schleimhäute. Deshalb sollte man befallene Bäume meiden.
Zürich empfiehlt nach Kontakt Arztbesuch
Isabelle Rüegg vom Kanton Zürich empfiehlt, «exponierte Nester im öffentlichen Raum», zum Beispiel in Badis, professionell entfernen zu lassen. Im Wald hingegen werde lediglich mit Schildern auf das Tier aufmerksam gemacht.
Allgemein empfiehlt sie jedem Menschen oder Tier, nach dem Kontakt einen entsprechenden Arzt aufzusuchen.
Tierschutz-Vereine fordern bei Kontakt sofortige Massnahmen
Auch Tierschützer in der Schweiz beschäftigt das Thema. Andreas Philippson, Leiter des Berner Tierschutz, betont, wie wichtig ein schnelles Handeln sei. «Betroffene Tiere sollten möglichst innerhalb von zwei Stunden gründlich abgespült oder gebadet werden.»
Auf Instagram finden sich Videos von besorgten Hundehaltern. Diese werden verbreitet, um vor dem Eichenprozessionsspinner zu warnen. Wenn Hunde den Raupen zu nahe kommen, kann etwa die Zunge lebensgefährlich anschwellen.
00:00 / 00:00
Präventiv sollte man seinen Hund in Gebieten, in welchen der Eichenprozessionsspinner bekannt ist, direkt anleinen. Die feinen Härchen der Raupe würden gut am Fell kleben bleiben – also aufgepasst beim Schnüffeln!
Jedoch hat auch Philippson in seiner ganzen Laufbahn als Tierarzt «nie bewusst einen betroffenen Hund gesehen».
Im schlimmsten Fall droht ein Erstickungsanfall
Der Zürcher Tierschutz rät ebenfalls zur Vorsicht. Im schlimmsten Falle drohen den Tieren sogar Erstickungsanfälle.
Anja Stettin ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Tierschutz in Zürich. Ihr Rat: «Eine wirkliche Prophylaxe, ausser befallene Gebiete zu meiden, gibt es leider nicht. Idealerweise sollten die Bereiche dauerhaft gemieden werden, da die Brennhaare lang intakt in der Umwelt bleiben.»













