Laut Travail.Suisse sollen alle Arbeitnehmenden mehr Lohn wegen des starken Wirtschaftsaufschwungs trotz Corona und steigender Teuerung bekommen.
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«Pflästerlipolitik» im Gesundheitswesen ist einer der Vorwürfe von Travail.Suisse hinsichtlich der Lohnpolitik. - sda - KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Das Wichtigste in Kürze

  • Travail.Suisse fordert mehr Lohn für die Arbeitnehmenden.
  • Dies vor allem wegen des starken Wirtschaftsaufschwungs trotz der Corona-Pandemie.

Travail.Suisse fordert wegen des starken Wirtschaftsaufschwungs trotz Corona und steigender Teuerung mehr Lohn für alle Arbeitnehmenden. Die Individualisierung von Lohnerhöhungen müsse gestoppt werden. Mindestlöhne unter 3500 Franken seien inakzeptabel.

Die Schweizer Wirtschaft habe nach dem ersten Pandemie-Jahr 2020 einen beispiellosen Aufschwung erlebt, stellten Vertreter des Gewerkschaftsdachverbandes Travail.Suisse am Montag vor den Medien fest. Mit Ausnahme weniger Branchen sei dieser breit abgestützt gewesen. Gleichzeitig habe aber die Teuerung zugenommen.

Unsicherheit wird ausgenutzt

Die gute Nachricht sei, dass die Löhne per 1. Januar 2022 für viele Arbeitnehmende steigen werden. Die schlechte Nachricht sei aber, dass sie dies nicht in ausreichendem Masse tun würden.

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Das Logo von Travailsuisse. - Keystone

Travail.Suisse verweist auf die harten Lohnverhandlungen mit den Arbeitgebern. Es sei offensichtlich, dass einzelne Branchen und Unternehmen die herrschende Unsicherheit nutzten, um Extra-Gewinne zu erzielen.

«Zu viele Arbeitgeber wehren sich dagegen, ihre erwirtschafteten Gewinne in Form von höheren Löhnen an ihre Mitarbeitenden weiterzugeben.» So lässt Thomas Bauer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse, sich in der Medienmitteilung zitieren. Gerade vor dem Hintergrund des überdurchschnittlichen Einsatzes der Arbeitnehmenden während der Corona-Pandemie sei dies ein Affront ihnen gegenüber.

Durchzogene Löhne

Die bisher bekannten Ergebnisse der Lohnverhandlungen zeigen für das kommende Jahr laut Travail.Suisse ein uneinheitliches Bild. In der Industrie seien die Lohnabschlüsse zwar deutlich besser als im Vorjahr. Angesichts der guten bis sehr guten Wirtschaftslage in dieser Branche blieben sie dennoch durchzogen.

In verschiedenen Gewerbebranchen würden die Löhne stärker steigen als die Teuerung. Ebenso hätten in Transport, Logistik und Verwaltung insgesamt genügende bis zufriedenstellende Ergebnisse erzielt werden können. Die Tendenz zu individuellen statt generellen Lohnerhöhungen sei allerdings ungebrochen, so Travail.Suisse.

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Die Grüne Greta Gysin, Co-Präsidentin des Personalverbandes Transfair. - Keystone

«In Zeiten steigender Preise braucht es generelle Lohnerhöhungen. Die Arbeitnehmenden haben in den letzten Monaten unter teilweise widrigen Umständen hervorragende Arbeit geleistet. Es ist problematisch, mittels individueller Lohnerhöhungen jetzt nur Einzelne dafür zu belohnen.» Dies meinte Greta Gysin, Co-Präsidentin des Personalverbandes Transfair, in der Medienmitteilung.

Weitere Unverständlichkeiten

Ein Sorgenkind bleibt für die Gewerkschaften das Gesundheitswesen. Dort sei auch 2021 «Pflästerlipolitik» betrieben worden, stellt Travail.Suisse fest. Weiterhin dominierten in der Branche individuelle Lohnerhöhungen.

«Alle wissen inzwischen, wie prekär die Lage im Gesundheitswesen ist. Es wurde geklatscht und es wurde erfolgreich abgestimmt. Sobald es aber ums Geld geht, schliessen sich die Türen», meint Marco Geu, Zentralsekretär der Gewerkschaft Syna. Im Bauhauptgewerbe komme es zum zweiten Mal infolge zu einer Nullrunde, was angesichts des Booms in der Branche unverständlich sei.

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