Tourismus-CEO wechselt: «Gäste denken nicht in Kantonsgrenzen»
Thomas Kirchhofer übergibt die Leitung von St. Gallen-Bodensee Tourismus an Livio Götz. Im gemeinsamen Interview blicken sie nach vorne.

Nach über neun Jahren übergibt Thomas Kirchhofer die Leitung von St. Gallen-Bodensee Tourismus an Livio Götz.
Im gemeinsamen Interview blicken der scheidende und der neue Tourismus-CEO auf Erreichtes zurück, sprechen über Herausforderungen und Chancen der Destination und erklären, welche Schwerpunkte sie für die Zukunft setzen.
Redaktion: Herr Kirchhofer, nach über neun Jahren verabschieden Sie sich als Direktor von St. Gallen-Bodensee Tourismus. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Thomas Kirchhofer: Nach über 30 Jahren im Destinationsmanagement – davon die letzten Jahre mit grosser Verbundenheit zu unserer Region – habe ich entschieden, mich beruflich nochmals neu auszurichten.
Ich möchte meine Komfortzone bewusst verlassen, neue Perspektiven kennenlernen und meine Erfahrung künftig auch in anderen beruflichen Zusammenhängen einbringen.

Redaktion: Herr Götz, auch für Sie war nach vielen Jahren bei Schweiz Tourismus der Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen. Was hat Sie dazu bewogen?
Livio Götz: Nach fast zwölf Jahren bei Schweiz Tourismus mit Stationen in London, Sydney und Dubai war für meine Familie und mich der richtige Zeitpunkt gekommen, in die Schweiz zurückzukehren.
Besonders gereizt hat mich die Möglichkeit, als CEO die Entwicklung einer ganzen Destination strategisch mitzugestalten. St. Gallen-Bodensee ist eine Region, die ich seit meiner Kindheit kenne und sehr schätze.
Redaktion: Sie kennen die Region also sowohl persönlich als auch beruflich?
Götz: Ja. Ich bin in Maienfeld aufgewachsen und mit der Ostschweiz eng verbunden. Beruflich war St. Gallen-Bodensee während meiner Zeit bei Schweiz Tourismus – insbesondere im MICE-Bereich – ein wichtiger Partner. Dadurch kenne ich die Region sowohl aus persönlicher als auch aus internationaler Perspektive.
Redaktion: Herr Kirchhofer, worauf blicken Sie nach Ihrer Amtszeit besonders stolz zurück? Und welche Herausforderungen haben Sie besonders beschäftigt?
Kirchhofer: Besonders geschätzt habe ich die Zusammenarbeit mit den vielen engagierten Menschen aus Tourismus, Kultur, Wirtschaft und Politik. Anspruchsvoll war die strukturelle Komplexität der Ostschweiz: Viele Akteure gestalten mit, Verantwortung, Finanzierung und Entscheidungsbefugnisse liegen jedoch nicht immer am gleichen Ort.
Stolz bin ich auf die Entwicklung der Destination. Die Logiernächte sind im Vergleich zu den umliegenden Regionen seit meinem Amtsantritt im Jahr 2017 um 32 Prozent gewachsen.
Gleichzeitig konnten wir St. Gallen-Bodensee Tourismus strategisch weiterentwickeln, die Transformation zur modernen Destinationsmanagement-Organisation vollziehen und wichtige Fortschritte in den Bereichen Geschäftstourismus, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Angebotsentwicklung erzielen.
Damit konnten wir wichtige Grundlagen für die Zukunft schaffen.
Redaktion: Herr Götz, Sie übernehmen eine gut aufgestellte Tourismusdestination. Wo sehen Sie dennoch Entwicklungspotenzial?
Götz: Die grössten Chancen liegen in den Bereichen Kultur, Wissen, Kongresse, Veranstaltungen sowie in den Stärken von Bodensee und Alpstein. Gleichzeitig braucht es eine noch stärkere gemeinsame Vermarktung der Ostschweiz.

Gäste denken nicht in Gemeinde- oder Kantonsgrenzen – deshalb sollten auch wir die Region als Ganzes verstehen. Die grösste Herausforderung besteht darin, die vorhandenen Mittel gezielt einzusetzen und Projekte mit möglichst grosser Wirkung umzusetzen.
Gemeinsam mit unseren Partnern möchte ich das Potenzial unserer Destination – vom UNESCO-Weltkulturerbe über die MICE-Infrastruktur bis hin zu Natur und Genuss – noch besser nutzen.
Redaktion: Wie haben Sie beide die Übergabe erlebt?
Götz: Ich bin Thomas Kirchhofer für die sorgfältige Einführung sehr dankbar. Sein Wissen über die Destination, die Organisation und die Partner ist enorm wertvoll.
Die Zusammenarbeit ist offen, vertrauensvoll und konstruktiv – eine ausgezeichnete Grundlage für einen gelungenen Übergang.
Redaktion: Herr Kirchhofer, welchen Rat geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?
Kirchhofer: Livio Götz soll seinen eigenen Weg gehen. Mit seiner Persönlichkeit, seiner Erfahrung und seinem internationalen Hintergrund bringt er beste Voraussetzungen mit.
Entscheidend bleibt, über Grenzen hinweg zu denken und die Ostschweiz noch stärker als gemeinsamen Erlebnisraum sichtbar zu machen.
Redaktion: Ist dies ein Rat, den Sie gerne annehmen?
Götz: Absolut. Es ist auch mein Ziel, die Ostschweiz und St. Gallen-Bodensee über die Regionsgrenzen hinaus noch sichtbarer zu machen.
Thomas Kirchhofer hat dafür wichtige Grundlagen geschaffen und gezeigt, was mit einer klaren Strategie und starken Partnerschaften möglich ist. Darauf möchte ich aufbauen.
Redaktion: Herr Kirchhofer, was werden Sie nach Ihrem Abschied am meisten vermissen?
Kirchhofer: Die Menschen. Das Team, unsere Partnerinnen und Partner und die vielen persönlichen Begegnungen. Tourismus ist letztlich ein Beziehungsgeschäft.
Redaktion: Wie geht es für Sie beruflichweiter?
Kirchhofer: Ich nehme mir bewusst Zeit für den nächsten Schritt und prüfe ausgewählte Optionen. Im Zentrum steht eine Aufgabe, in der ich meine Transformations-, Führungs-, Strategie- und Tourismuserfahrung wirkungsvoll einbringen kann. Ich freue mich sehr auf diese neue Phase.
Redaktion: Herr Götz, welche Themen werden Sie als Erstes anpacken?
Götz: Zunächst möchte ich unsere wichtigsten Partner persönlich kennenlernen – von touristischen Leistungsträgern über Kultur und Wirtschaft bis hin zu Politik und Behörden.
Der direkte Austausch ist entscheidend, um Bedürfnisse zu verstehen und gemeinsame Potenziale zu erkennen. Parallel dazu werden wir die Strategie 2027 konsequent weiter umsetzen und gemeinsam Projekte mit konkretem Mehrwert für Gäste, Partner und die Region realisieren.
Redaktion: Welche eigenen Akzente möchten Sie setzen, ohne Bewährtes über Bord zu werfen?
Götz: Ich möchte auf der bestehenden Strategie und den erfolgreichen Projekten aufbauen. Besondere Schwerpunkte sehe ich in der Stärkung strategischer Partnerschaften, einer noch besseren Vernetzung und Projekten mit nachhaltiger Wertschöpfung.
Innovation bedeutet für mich nicht, alles neu zu machen, sondern gemeinsam den nächsten sinnvollen Schritt zu gehen.
Redaktion: Zum Abschluss: Wo soll St. Gallen-Bodensee Tourismus in fünf Jahren stehen?
Götz: Ich wünsche mir eine Destination, die national und international noch stärker wahrgenommen wird, ihre Stärken gemeinsam vermarktet und Gästen wie Einheimischen gleichermassen Mehrwert bietet.
Wenn wir die Zusammenarbeit in der Region weiter vertiefen und unsere Kräfte bündeln, bin ich überzeugt, dass wir dieses Ziel erreichen können.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.








