St. Gallen-Bodensee Tourismus geht weg von klassischer Imagewerbung
Die Tourismusorganisation St. Gallen-Bodensee Tourismus steht finanziell unter Druck und reagiert mit verschiedenen Projekten. Künftig fliessen weniger Mittel in die klassische Imagewerbung. Von der reinen Vermarktung der Region kommt die Organisation zusehends weg.

Auf den ersten Blick gab es Entwarnung: «Wir hatten ein leichtes Wachstum von rund 1,6 Prozent bei den Logiernächten. Dieses Wachstum konnten wir primär in den Sommermonaten realisieren», sagte Rafael Enzler, Präsident St. Gallen-Bodensee Tourismus, am Donnerstag vor den Medien.
Trotz der guten Zahlen bis und mit November 2025 steht die Tourismusorganisation unter Druck. Wie im Oktober bekannt geworden war, muss sie jährlich eine halbe Million Franken sparen. 2,4 Vollzeitstellen beziehungsweise zehn Prozent des Personalbestandes baute die Organisation ab. Wie weiter also?
Die Tourismusorganisation stellte sich neu auf und gab am Donnerstag in St. Gallen Einblicke in zentrale Projekte, mit denen diese Neuaufstellung gelingen soll. «Ein bisschen profan ausgedrückt, weniger klassisches Tourismusbüro, mehr digitale Information», sagte Thomas Kirchhofer, Direktor von St. Gallen-Bodensee Tourismus. Dabei helfe der «Digital Guide».
Dieses Online-Angebot ist unter anderem über QR-Codes an verschiedenen Orten im Kanton aufrufbar. Georeferenzierte Daten liefern Informationen, die abgestimmt sind auf die jeweilige Umgebung. Parallel dazu bleiben die klassischen Standorte der Tourismusbüros zwar erhalten, jedoch mit leicht verkürzten Öffnungszeiten.
Einen neuen Fokus legt die Tourismusorganisation auch auf Wil mit einem sogenannten «Tourismus-Hub». «Wir müssen in der Tourismusstruktur neue Grundlagen schaffen», so Kirchhofer.
Zusammen mit der Stadt Wil und Thurgau Tourismus sollen die verschiedenen Informationen für Touristinnen und Touristen zusammengefasst und die Entwicklung von neuen Angeboten koordiniert werden. «Eine Person wird sich konkret um die Angebotsentwicklung in und um Wil kümmern», so Kirchhofer weiter. «Dieses Projekt soll wegweisend sein für andere Regionen, etwa für das Rheintal oder für den Bodenseeraum».
Auch die Finanzierung touristischer Angebote soll im Rahmen dieses Projekts neu aufgestellt werden. «Im Moment gibt es keine Finanzierung des Tourismus in dieser Teilregion aus einer Gästetaxe», sagte Kirchhofer weiter. Die gesetzlichen Grundlagen, um eine solche Taxe von Beherbergungsbetrieben einzuziehen, fehle. Die Tourismusorganisation will darauf hinarbeiten, dass eine Gästetaxe für die Region Wil kommt und diese «einen fundamentalen Teil der Finanzierung sicherstellen» wird.
«Das Ringen um Aufmerksamkeit in der Direktwerbung im Alltag ist schwieriger geworden. Der Streuverlust von klassischer Imagewerbung wird immer grösser», stellte derweil Andreas Kunz, Leiter Marketing und Kommunikation, fest. Nur weil jemand eine Werbung für eine Destination sieht, unternimmt er noch keine Reise dorthin. Wegen schwindender finanzieller Mittel sei es immer weniger möglich, die Tourismusregion in nationalen und internationalen Kampagnen zu vermarkten. Auch aus dieser Erkenntnis zieht St. Gallen-Bodensee Tourismus die Konsequenzen.
Die Lösung: «Wenn wir es schaffen, mit unseren touristischen Angeboten wie Erlebnissen und Hotels bei Reiseveranstaltern in ihr Reiseprogramm aufgenommen zu werden, ist das viel effizienter», so Kunz. Dieser Ansatz sei geeigneter, Menschen zu einer Reise zu bewegen, als die klassische Imagewerbung. Das zeigten auch Studien der Universität St. Gallen.
Im Fachjargon heisst es zum Projekt: «Aufbau einer B2B-Salesforce für touristische Leistungsträger». Ziel sei es, die Ostschweiz nachhaltig in Programme von Reiseveranstaltern zu integrieren. Mit einer koordinierten Vertriebsstruktur sollen Hotels, Erlebnis-, Kultur- und Gastronomieangebote sowie Events auf relevanten Plattformen sichtbar werden.
Vor den Medien wurde zudem eine neue Kampagne vorgestellt. «St. Gallen – überzeugend anders» soll die Kantonshauptstadt für Kongresse, Meetings und Events weiter beliebt machen. Ziel ist es auch, Geschäftsreisende länger in der Stadt zu halten. Im Anschluss an ihre Termine sollen sie vermehrt auch Freizeitangebote nutzen.










