Tipps und Tricks: Darauf sollten Schwimmer im Zugersee achten!

Michael Schwegler
Michael Schwegler

Region Zug,

Mit der Badesaison steigt das Risiko von Wasserunfällen. Die SLRG Kanton Zug gibt Tipps für mehr Sicherheit im Wasser.

Die SLRG Sektion Kanton Zug auf ihrem Boot «Schnorchel».
Die SLRG Sektion Kanton Zug auf ihrem Boot «Schnorchel». - zVg

Mit der Badesaison steigt auch das Risiko von Wasserunfällen. Die SLRG Sektion Kanton Zug zeigt auf, welche Gefahren oft unterschätzt werden und wie sich Schwimmerinnen und Schwimmer besser schützen können.

Seen und Flüsse gehören für viele Menschen zum Sommer dazu. Gleichzeitig ereignen sich jedes Jahr zahlreiche Unfälle in offenen Gewässern.

Im Zusammenhang mit der aktuellen BFU-Kampagne «Nie ohne meine Boje» beantworteten Damian Bawelkiewicz, Präsident der SLRG Sektion Kanton Zug, und Alexander Frey, Technischer Leiter der SLRG Sektion Kanton Zug gemeinsam Fragen, über Risiken, Sicherheitsbewusstsein und die wichtigsten Verhaltensregeln im Wasser.

Redaktion: Welche Situationen führen am Zugersee oder in anderen Gewässern der Region am häufigsten zu Notfällen?

Damian Bawelkiewicz: Leider können wir aufgrund der uns gemeldeten Fälle keine fundierte allgemeine Aussage über die Ursachen bezüglich des Unfallgeschehens national oder lokal machen, da eine grosse Dunkelziffer bei den nicht tödlichen Ertrinkungsunfällen vermutet wird.

Denn nicht tödliche Unfälle werden nur selten erfasst. Aufgrund der uns zur Verfügung stehenden Zahlen, können wir jedoch folgende Aussage machen: Am Zugersee entstehen Notfälle vor allem beim Schwimmen, wenn Personen plötzlich in Schwierigkeiten geraten oder gesundheitliche Probleme auftreten.

Auch Fehleinschätzungen der eigenen Fähigkeiten oder körperlichen Konditionen sind relevant. Schweizweit zeigt sich ein ähnliches Bild: Die meisten schweren Wasserunfälle ereignen sich in Seen und Flüssen bei alltäglichen Bade- und Freizeitaktivitäten, oft ohne spektakuläre Auslöser.

Bawelkiewicz
Damian Bawelkiewicz, Präsident der SLRG Sektion Kanton Zug. - zVg

Entsprechend wichtig ist es, Gewässerbedingungen zu beachten und jederzeit genügend Sicherheitsreserven einzuplanen. Grundsätzlich sind die Gefahren am, im und auf dem Wasser vielfältig.

Angefangen bei Stürzen ins Wasser aufgrund glatten Uferbedingungen, rutschigen Stegen oder Ein- sowie Ausstiegsstellen. Die Witterungsbedingungen können die Risiken ebenfalls beeinflussen, wie plötzliche Wetterwechsel, Wind und Kälte.

Redaktion: Was unterschätzen Schwimmerinnen und Schwimmer Ihrer Erfahrung nach am meisten?

Alexander Frey: Vor allem Seen sehen von aussen vielmals ruhig und ungefährlich aus. Doch auch in Seen können Strömungen auftreten, die ein zurückschwimmen ans Ufer erschweren. Dasselbe gilt für starke Windverhältnisse.

Allgemein werden die Risiken des Wassers wohl unterschätzt und manchmal die eigenen physischen Voraussetzungen überschätzt. Hinzu kommt die Wassertemperatur. Ist das Wasser noch kalt, benötigt der Körper mehr Energie, um die Temperatur zu halten und hat dementsprechend weniger Kapazitäten für die physische Aktivität.

Ein Erschöpfungsgefühl oder Müdigkeit weit vom Ufer weg kann schnell gefährlich werden. Ebenfalls dürften die Risiken bei Flussmündungen von vielen Menschen unterschätzt werden. Zum Beispiel beim Reusszopf in Emmenbrücke kann die kleine Emme aufgrund von Witterungsbedingungen im Entlebuch plötzlich anschwellen und auch Geschiebe mitbringen, was wiederum sehr gefährlich werden kann.

Zudem kann im See der Rückweg ans Ufer bei ablandigem Wind (Windrichtung von Ufer her) um ein Vielfaches anstrengender sein als vielleicht gedacht. Auch der negative Einfluss von Alkohol auf die physische Kapazität und die Aufmerksamkeit dürfte vielmals unterschätzt werden.

Redaktion: Sie erleben die Menschen direkt am Wasser: Hat sich das Sicherheitsbewusstsein in den letzten Jahren verändert?

Bawelkiewicz: Ja, im positiven Sinne. Meinen Beobachtungen zufolge ist das Sicherheitsbewusstsein der Menschen grösser geworden, zumindest was die offensichtlichen Risiken anbelangt. Mehr Menschen achten auf das Wetter, die Temperatur und respektieren die eigenen Grenzen.

Auch Schwimmhilfen wie Schwimmwesten, Schwimm-Bojen oder Dry-Bags werden häufiger genutzt. Trotzdem muss noch mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden, denn manche Gefahren werden weiterhin unterschätzt.

Dazu gehören der Einfluss von kalter Witterung auf die körperliche Leistungsfähigkeit, das richtige Einschätzen der eigenen körperlichen Verfassung oder plötzliche Wetterwechsel.

Redaktion: Viele Menschen können schwimmen und fühlen sich deshalb sicher. Weshalb geraten trotzdem immer wieder gute Schwimmer in Not?

Frey: Gut Schwimmen können heisst noch nicht, dass man sich sicher im Wasser bewegt, vor allem in offenen Gewässern. Vielmehr ist eine ausgeprägte Wasserkompetenz wichtig. Diese unterscheidet sich von einem Freibad und offenen Gewässern.

Frey
Alexander Frey, Technischer Leiter der SLRG Sektion Kanton Zug. - zVg

Darum empfehlen wir auch, Kinder und Jugendliche beaufsichtigt an die Bedingungen im See oder Fluss zu gewöhnen. Es ist wichtig, im sicheren Umfeld Erfahrungen sammeln zu können. Zudem können auch gute und erfahrene Schwimmer plötzlich in eine Notlage geraten, aus verschiedenen Gründen.

Darum sollte niemals alleine in offene Gewässer gestiegen werden. Ein wichtiger Punkt ist sicherlich auch die Selbstüberschätzung, die das Risiko von Personen, die sich als gute Schwimmer bezeichnen, erhöht. Wer sich zu sicher fühlt, unterschätzt Distanz, die eigene körperliche Leistungsfähigkeit und damit das Risiko in offenen Gewässern.

Redaktion: Welche Rolle kann eine Schwimmboje in einer kritischen Situation tatsächlich spielen?

Bawelkiewicz: Eine Schwimmboje kann mehrere Aufgaben übernehmen: Sie erhöht die Sichtbarkeit, bietet Auftrieb im Notfall oder zwischendurch bei aufkommender, plötzlicher Erschöpfung.

Dadurch bleibt mehr Kraft für Rückweg oder das Warten auf Hilfe. Sie ersetzt keine Rettung, kann aber Zeit verschaffen und dadurch das Risiko senken.

Redaktion: Gibt es einen Einsatz oder ein Erlebnis, das Ihnen besonders gezeigt hat, wie schnell eine Situation im Wasser kippen kann?

Frey: Ich möchte hier nicht ein einzelnes Erlebnis stellvertretend für die Gefahren nennen. Die Ertrinkungsstatistik der SLRG zeigt jedes Jahr, dass tödliche Unfälle immer wieder passieren. Diese geschehen meist lautlos und nicht wie im Film, von lautem Schreien begleitet.

Bist du ein guter Schwimmer?

Als langjähriger Ausbildner in Open Water Kursen, ob im See, im Fluss oder bei Kälte (Hypothermie), durfte ich immer wieder erleben, wie faszinierend Wasser ist. Die Menschen sollen das Wasser mit all seinen Facetten geniessen, aber sich der Gefahren und Risiken jeweils bewusst sein und sich entsprechend Vorbereiten und Verhalten.

Man sollte immer Respekt haben. Denn dieser Respekt kann am Ende den entscheidenden Unterschied machen – zwischen einem fröhlichen und einem tödlichen Ende des Badeausflugs.

Redaktion: Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) stellt fest, dass viele Menschen allein schwimmen gehen. Beobachten Sie das ebenfalls und weshalb ist das problematisch?

Bawelkiewicz:: Ja, das beobachte ich ebenfalls. Viele Menschen gehen alleine schwimmen, oft aus Gewohnheit, Zeitmangel oder weil sie Ruhe suchen.

Dies sehen wir klar als einen problematischen Umstand. Im Notfall ist niemand neben, der helfen oder alarmieren kann. Schon ein Krampf, Erschöpfung, Unterkühlung oder ein medizinisches Problem können im Wasser schnell gefährlich werden, besonders in offenen Gewässern und vom Ufer entfernt.

Darum verweisen wir immer wieder auf die SLRG Baderegeln, nie alleine ins Wasser zu steigen und immer eine Auftriebshilfe wie eine Schwimmboje mitzunehmen.

Wetter
Menschen geniessen das sonnige Wetter im Zugersee. - keystone

Redaktion: Wenn Sie den Badegästen im Kanton Zug für diesen Sommer drei Sicherheitsregeln mitgeben könnten, welche wären das?

Frey: Erstens: Nie allein schwimmen gehen! Und immer eine Auftriebshilfe wie eine Schwimm-Boje mitzunehmen, dies erhöht die Sicherheit. Während die Boje in Krisensituationen einen verlässlichen Auftrieb sicherstellt, kann die Begleitperson helfen oder alarmieren.

Zweitens: Nur so weit ins Wasser gehen, wie eigene Kräfte reichen! Kälte, Strömung und Erschöpfung nicht unterschätzen.

Drittens: Auf Alkohol und Drogen vor dem Schwimmen und im Wasser verzichten. Sich und die eigenen Fähigkeiten richtig einschätzen und nicht dem Übermut oder einer Selbstüberschätzung verfallen, damit kann das Risiko deutlich minimiert werden.

Viertens die Bonusregel: Sich vor dem Schwimmen oder Baden die SLRG Bade- und Flussregeln nochmals ansehen. Wer sich an diese einfachen Regeln hält, kann das Unfallrisiko stark minimieren.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in der «Zuger Woche» erschienen.

Kommentare

Weiterlesen

Politik
1 Interaktionen
Bern
PFAS Fischer Zugersee
6 Interaktionen
«Herz blutet»
newhome
24 Interaktionen
Hitze, Lüften & Co.

MEHR AUS ZUG

Behinderungen
ukraine krieg
7 Interaktionen
Breite Allianz
Steinhausen