Tessiner Chef belästigt Frauen beim Bewerbungsgespräch

    Elena Hatebur
    Elena Hatebur

    Chiasso,

    Schock beim Bewerbungsgespräch: Ein Tessiner Chef belästigt Kandidatinnen beim Bewerbungsgespräch – auch eine Journalistin vom Schweizer Radio und Fernsehen.

    Stelleninserat Tessiner Unternehmer
    Ein Tessiner Unternehmer sucht mit einem ungewöhnlichen Stelleninserat nach einer «persönlichen Assistentin des CEO». - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ein Manager aus Chiasso TI sucht via Stelleninserat nach einer «persönlichen Assistentin».
    • In den Vorstellungsgesprächen soll er die Kandidatinnen dann sexuell belästigt haben.
    • Der Unternehmer weist die Vorwürfe kategorisch zurück, alles sei «erfunden».

    Mitte Februar taucht im Internet ein ungewöhnliches Stelleninserat auf: Ein «Manager von hohem menschlichem und professionellem Niveau» aus Chiasso TI sucht eine «persönliche Assistentin des CEO».

    Schon die Anforderungen lassen aufhorchen. Die Bewerberin soll «zwischen 19 und 40 Jahren» alt sein – und «absolut frei von familiären Verpflichtungen».

    Eine Formulierung sticht besonders heraus: Die Kandidatin müsse «verfügbar für neue Erfahrungen ausserhalb der üblichen Regeln» sein.

    «Geschäftsreisen» im gemeinsamen Zimmer

    In den Vorstellungsgesprächen folgt der Chef laut dem Tessiner Radio und Fernsehen RSI einem festen Muster. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde stellt er den Bewerberinnen zunehmend intime und aufdringliche Fragen.

    Die Gespräche finden alle zu Randzeiten statt, am Ende des Arbeitstags oder an Samstagen. Dann, wenn sonst niemand mehr im Büro ist.

    Der Mann spricht von «Geschäftsreisen», von mehreren Tagen in einer Wohnung am Meer. Mitunter bringt er zur Sprache, dass man sich ein Zimmer teilen könnte.

    Nebenbei streut er Bemerkungen über sein Sexualleben und frühere Assistentinnen ein. Er kommentiert das Aussehen der Kandidatinnen und spricht von einer notwendigen «Symbiose». Seine Assistentin müsse schliesslich «immer an seiner Seite» sein.

    Journalistin geht undercover zum Bewerbungsgespräch

    Die Situation eskaliert jeweils zunehmend. Eine Kandidatin berichtet gegenüber RSI, Der Unternehmer habe sie unerwünscht und unerwartet geküsst.

    Mehrere junge Frauen schildern ähnliche Erfahrungen. Sie fühlen sich nach den Gesprächen «gedemütigt», «verletzt» und «wütend».

    Auch eine Journalistin von RSI bewirbt sich für die Recherche undercover auf die Stelle. Sie macht vergleichbare Erlebnisse.

    Wurdest du am Arbeitsplatz schon einmal sexuell belästigt?

    Und: Im Verlauf des Bewerbungsprozesses wird sie aufgefordert, eine schriftliche Vereinbarung zu unterzeichnen.

    Darin hält der Unternehmer fest, dass sie die Verantwortung für «nicht konformes Verhalten» übernehme. Der «Weg des Kennenlernens» werde weder als Arbeit betrachtet noch entlöhnt.

    Ein Arbeitsvertrag? Der komme erst infrage, wenn eine «Vertiefung des gegenseitigen Kennenlernens» stattgefunden habe.

    Mit den Vorwürfen konfrontiert, weist der Unternehmer jede Schuld von sich. Alle Aussagen seien «erfunden».

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    Kommentare

    User #1459 (nicht angemeldet)

    Hoffe der wird angezeigt!

    User #4310 (nicht angemeldet)

    Welche Muttersprache? Italienisch?

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